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27.10.1995

Beispiel McDonalds: Phoenix soll "der etwas andere Carrier" sein Bruessel versieht Genehmigung von Atlas mit strengen Auflagen

GENF/BRUESSEL (gh) - Nun ist es amtlich: Das von Telekom und France Telecom geplante Joint-venture Atlas ist genehmigt. Allerdings mussten beide Carrier eine Reihe von Auflagen seitens der EU- Kommission schlucken. Neben der Freigabe alternativer Netze zum 1. Juli 1996 duerfte besonders das Verbot schmerzen, bereits vor dem 1. Januar 1998 die beiden Datendienste "Transpac" und "Datex-P" in Atlas zu integrieren.

Der fuer Wettbewerbsfragen zustaendige EU-Kommissar Karel van Miert gab nach einer erneuten Unterredung mit den beiden Unternehmenschefs, Ron Sommer und Michel Bon, bekannt, was laengst keine Ueberraschung mehr war: Man habe eine grundsaetzliche Einigung ueber die Bedingungen erzielt, unter denen die Kommission Atlas zustimmen koenne.

Die Auflagen, die Sommer und Bon nach der Elefantenrunde mit nach Hause nahmen, haben es allerdings in sich. Zum einen ist dies die Zustimmung zu der schon auf der Telecom '95 in Genf offiziell angekuendigten Oeffnung alternativer Netzinfrastrukturen. Van Miert bekraeftigte ein weiteres Mal, dass die verbindliche Zusage der Regierungen Deutschlands und Frankreichs, alternative Netze vom 1. Juli 1996 an freizugeben, ausschlaggebend fuer das Plazet seiner Behoerde war. Noch gravierendere Auswirkungen duerfte indes fuer beide Telefongesellschaften die Verpflichtung haben, die jeweiligen nationalen Datendienste Transpac und Datex-P nicht vor dem 1. Januar 1998 in Atlas einzubringen.

Verkauf der Info AG immer wahrscheinlicher

Diese selbst fuer Insider ueberraschend strenge Auflage koennte, wie in Expertenkreisen unter der Hand spekuliert wird, dem Projekt ein wesentliches, wenn nicht das (zunaechst) wichtigste Standbein entziehen - naemlich die in den beiden wichtigsten europaeischen Maerkten etablierten Datendienste fuer Geschaeftskunden. Eine Einbeziehung beider Services (nach Angaben van Mierts entfallen darauf in beiden Maerkten 70 bis 80 Prozent des Umsatzes im Bereich der Datenkommunikation) haette zu einer Verfestigung der monopolistischen Strukturen beider Unternehmen gefuehrt, lautete hierzu der kurze und buendige Kommentar in Bruessel. Als so gut wie sicher gilt in diesem Zusammenhang auch, dass sich France Telecom von seiner deutschen Tochter Info AG wird trennen muessen.

Unabhaengig davon soll Atlas nach den Worten Sommers und Bons Anfang 1996 den Betrieb aufnehmen. Schon seit Monaten sind beide Carrier, wie aus Branchenkreisen durchsickert, auf Einkaufstour, was entsprechend qualifizierte Mitarbeiter angeht. Telekom und France Telecom haetten, wie es in Bruessel ergaenzend hiess, nunmehr akzeptiert, dass die transatlantische Partnerschaft mit Sprint in engem Zusammenhang mit dem Atlas-Projekt stehe, auch wenn die EU dem nur "formell zustimmen" koenne.

Ob das Plazet aus Bruessel indes die gewuenschten Auswirkungen auf die noch ausstehende Entscheidung der US-Aufsichtsbehoerde FCC nach sich zieht, bleibt abzuwarten. Alle drei Partner von Phoenix waren jedenfalls in Genf erstmals in Form eines gemeinsamen Auftritts in Erscheinung getreten. Carl-Friedrich Meissner, Telekom-Vorstand fuer den Bereich International, gab dabei eine klare Marschroute aus. Phoenix (geplanter Start mit rund 2000 Mitarbeitern) und sein europaeisches Pendant Atlas sollen zu einer Art "McDonalds im Bereich der Telekommunikation" ausgebaut werden - mit weltweit gleichen Produkten und Services. Dazu gehoeren unter anderem Corporate Services (Sprache, Daten und Video) fuer multinationale Unternehmen und Geschaeftskunden sowie sogenannte Carriers Carrier Services, also Transportleistungen fuer andere Telefongesellschaften.