Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.08.1987 - 

Serie: DFÜ-Kosten im künftigen ISDN (Teil 3)

Beispiele für Nutzungspotentiale von ISDN

Nachdem die Voraussetzungen zu Kostenberechnungen für das künftige ISDN in Teil 1 dieser Folge und das ISDN-Gebührenmodell in Folge 2 abgehandelt wurden, bringt nun dieser Teil erste Berechnungsbeispiele. Teil 1 dieser Serie erschien in CW Nr. 31/87, Seite 6 und 17, Teil 2 in CW Nr. 33/87, Seite 14.

Für potentielle Anwender besonders interessant dürften die "auf Anforderung fallweise bereitgestellten digitalen Festverbindungen der Gruppe 3" werden.

Diese Verbindungen werden auch semipermanente Verbindungen genannt. Auch hier werden alle Zeiteinheiten, die über die 80-Stunden-Regelung hinaus anfallen, pro Monat addiert und als "Gesamtsumme" mit den entsprechenden Gebühren multipliziert.

Bedeutsam bei dieser Form der Festverbindungen ist die Tatsache, daß eine semipermanente Verbindung auch von einer Endstelle auf- und wieder abgebaut werden kann, das heißt, daß in einem solchen Fall nicht jedesmal für die Änderung des Teilnehmerverhältnisses die Bereitstellungsgebühr von 130 Mark anfällt. Somit kann ein für eine semipermanente Verbindung vorbereiteter Festanschluß wahlweise auch für Wählverbindungen genutzt werden. Der für die Festverbindung vorgesehene B-Kanal besteht dann nur so lange, wie der Teilnehmer dies selbst steuert. Ansonsten bleibt eine semipermanente Verbindung im Netz durchgeschaltet und wird über das D-Kanalprotokoll vom Teilnehmer aktiviert beziehungsweise deaktiviert.

Im Gegensatz zu den permanenten Festverbindungen der Gruppe 2, bei denen die Verbindungsaktivierungszeit zwischen zwei Festanschlüssen durchschnittlich etwa 50 Millisekunden beträgt, beträgt die Aktivierungszeit über den D-Kanal bei den semi-permanenten Verbindungen durchschnittlich etwa 1100 Millisekunden. Generell ist die Dauer der Aktivierungszeit abhängig von der Anzahl der an der Verbindung beteiligten Vermittlungsstellen.

Berechnungsbeispiel: Gruppe 2

Die Berechung der monatlichen Verkehrsgebühren für eine ISDN-Festverbindung ist relativ kompliziert und soll deshalb exemplarisch verdeutlicht werden:

Annahmen: Es handelt sich um eine Festverbindung der Gruppe 2 in der Nahzone 2. Die Verbindung wird an 200 Stunden pro Monat genutzt, davon 120 Stunden in der Zeit von 8 bis 18 Uhr (Normaltarif) und 80 Stunden in der Zeit von 18 bis 8 Uhr (Billigtarif).

Berechnung der Gebühren zum Normaltarif:

120 Std. = 7200 Min. = 432 000 Sek.

In der Nahzone 2 dauert eine Zeiteinheit im Normaltarif 120 Sek. 432 000 Sek: 120 Sek. = 3600 Einheiten

3600 x 0,23 DM = 828,- DM

---------------------

*Bernhard Langen und Marita Kampling, beide Cognit, Köln.

Berechnung der Gebühren zum Billigtarif:

80 Std. = 4800 Min. = 288 000 Sek.

In der Nahzone 2 dauert eine Zeiteinheit im Billigtarif 180 Sek.

288 000 Sek.: 180 Sek. = 1600 Einheiten

1600 Einheiten x 0,23 DM = 368,- DM

Dies ergibt vorläufig monatliche Verkehrsgebühren von:

828,- DM

+ 368,- DM

= 1196,- DM

Von diesem Gesamtgebühren wird zunächst 1 Prozent abgezogen:

1196,- DM ./. 1% = 1184,- DM

Weiterhin muß nun die monatliche Grundgebühr von 80 Stunden Verbindungszeit zum Normaltarif errechnet werden (vergleiche auch Tabelle 2 in CW Nr. 33, Seite 14):

80 Std. = 4800 Min. = 288 000 Sek.

288 000 Sek.: 120 Sek. = 2400 Einheiten

2400 Einheiten x 0,23 DM = 552,- DM

Diese Grundgebühr wird anschließend von dem bereits um 1 Prozent reduzierten Gesamtbetrag abgezogen:

1184,- DM ./. 552,- DM = 632,- DM

Dieser die Grundgebühren übersteigende Betrag wird wiederum um 5 Prozent reduziert:

632,- DM ./. 5% = 600,- DM

Somit errechnet sich der monatliche Gesamtbetrag aus dem um 5 Prozent reduzierten Betrag, der diese Grundverkehrsgebühren übersteigt (600,- DM), und den monatlichen Grundgebühren für 80 Stunden Verbindungszeit zum Normaltarif (552,- DM).

Summe monatlicher Verkehrsgebühren =

552,- DM

+ 600,- DM

1152,- DM

Gebührenvergleichsrechnungen

Im folgenden Gliederungspunkt werden drei unterschiedliche Gebührenvergleichsrechnungen durchgeführt. Zunächst werden losgelöst von einer Anwendungssituation die Kosten für die Übertragung von 1 MBit im ISDN und in alternativen Netzen gegenübergestellt. Zwei weitere Gebührenvergleichsrechnungen basieren auf zwei diametral gegenüberstehenden fiktiven Anwendungssituationen:

- Einerseits handelt es sich um eine schnelle Stapelübertragung im Nahbereich. Die monatlichen Kosten einer 64-KBit-HfD-Verbindung werden denen einer ISDN-Verbindung gegenübergestellt.

- Andererseits handelt es sich um eine einfache typische Diagonalanwendung. Für die Vielzahl der sporadischen DV-Nutzer werden solche Anwendungen zur Zeit auf Btx-Basis entwickelt. Hierbei soll es sich um eine bundesweite Anwendung mit vielen dezentralen Teilnehmern handeln, die mehr als 100 Kilometer vom Zentralrechner entfernt angesiedelt sind.

Übertragungskosten für 1 MBit

In beiden Fällen werden sowohl die monatlichen, fixen Netzzugangskosten als auch die monatlichen, variablen Datenübertragungskosten berechnet. Wir haben bewußt zwei Beispiele ausgewählt, die in besonders krasser Form aufzeigen, wo zukünftig schwerpunktmäßig die Nutzungspotentiale von ISDN in einem Datenübertragungssystem zu suchen sind. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, daß die Verkehrsgebühren im ISDN im Vergleich zu den klassischen Netzen sehr gering sind. Die nachfolgende Gegenüberstellung kann dies dokumentieren. Dabei werden die fixen monatlichen Netzzugangskosten sowie monatliche Mindestgebühren nicht berücksichtigt.

Die Kosten für eine (Stapel-)Übertragung von 1 MBit erreichen in den unterschiedlichen Netzen unter der Annahme, daß

- nur die "reinen" Datenübertragungskosten berechnet werden (zum Beispiel ohne Zuschlagsgebühren),

- zwischen 8.00 und 18.00 Uhr übertragen wird und

- über eine Entfernung von geringfügig mehr als 100 Kilometer übertragen wird,

stark voneinander abweichende Höhen (vergleiche Tabelle 3):

Unter den genannten Bedingungen ist die Übertragung von 1 MBit im ISDN etwa um die Hälfte kostengünstiger als die bislang preiswerteste Datenübertragungsalternative. Die Übertragung von 48 KBit pro Sekunde mit Datex-P verursacht etwa 18mal höhere Kosten!

Gebührenvergleich: ISDN - HfD

Dieser zweite Gebührenvergleich basiert auf folgender Ausgangssituation:

Zwei auseinanderliegende Unternehmenseinheiten sollen über eine schnelle Festverbindung miteinander verbunden werden:

- Die Entfernung zwischen den Meßpunkten der Direktrufverbindung beträgt 10 Kilometer. Es handelt sich hierbei um eine HfD-Verbindung mit Endpunkten in verschiedenen Telefonortsnetzen.

- Bezüglich der ISDN-Verbindung wird davon ausgegangen, daß die beiden Basisanschlüsse auch etwa 10 Kilometer voneinander entfernt liegen. Es wird sich deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Verbindung zwischen Festanschlüssen unmittelbar benachbarter Ortsnetzbereiche handeln. Dies entspricht dann der Nahzone 1.

- Sowohl die HfD- als auch die ISDN-Festverbindung werden jeweils 8 Stunden am Tag an 20 Tagen im Monat genutzt.

- Es werden die monatlichen Datenübertragungskosten, also sowohl Grund- als auch Verkehrsgebühren, für eine 64-KBit-HfD-Leitung und eine ISDN-Festverbindung der Gruppe 2 zwischen zwei Basisanschlüssen gegenübergestellt.

Es ergibt sich folgende Kostengegenüberstellung:

Monatl. Grundgebühr je HfD 64 KBit = 210,- DM

Monatl. Grundgebühr je ISDN-Basisanschluß 64 KBit = 74,- DM

Bei einer täglichen Nutzung von 8 Stunden ergäbe sich bei 20 Tagen pro Monat eine monatliche Nutzungszeit von 160 Stunden.

Bei 64-KBit-Direktrufverbindungen mit Endpunkten in verschiedenen Telefonortsnetzen werden jedoch, solange keine nutzungszeitabhängige Tarifierung möglich ist, pauschale Nutzungszeiten von 120 Stunden pro Monat berechnet.

Diese Übergangsregelung gilt (zunächst) bis zum 31. Dezember 1989 1). Die HfD-Verkehrsgebühren errechnen sich nun wie folgt:

120 Std. x 100 2) x 0,15 DM 3) = 1800 DM/Monat

Somit ergeben sich monatliche Gesamtkosten für zwei HfD-Anschlüsse und die monatlichen Verkehrsgebühren von:

2 x 210,- DM = 420,- DM

+ 1800,- DM

2220,- DM

Verkehrsgebühren der ISDN-Festverbindung

Wie bereits erläutert, handelt es sich um zwei Festanschlüsse in der Nahzone 1. Innerhalb dieser Nahzone 1 beträgt die Zeiteinheit für eine Gebühreneinheit von 0,23 Mark in der Zeit von 8 bis 18 Uhr 240 Sekunden.

Die ISDN-Verkehrsgebühren berechnen sich nun wie folgt:

- Analog den HfD-Verbindungen wird auch bei ISDN-Festverbindungen eine Mindest-Verkehrsgebühr von 80 Stunden pro Monat erhoben.

- Oberhalb dieser 80-Stunden-Nutzung wird die Gesamtverbindungszeit dieser Festverbindung pro Monat erfaßt 4). Unter der Annahme, daß sich bei 20 Arbeitstagen pro Monat und täglich 8 Stunden

---------------------

1) Sofern ein Teilnehmer geringere als die pauschalen Nutzungszeiten nachweisen kann, werden diese der Berechnung zugrunde gelegt. Grundsätzlich gilt jedoch immer die 80-Stunden-Regelung als Mindestgebühr.

2) Die HfD-Gebühren werden je 100 Meter der Verbindungsstrecke erhoben. Bei der angenommenen Entfernung von 10 Kilometern, ergibt dies insgesamt 100 Teilstrecken ß 100 Meter.

3) Bei einer Direktrufverbindung von 64 KBit kostet eine Stunde Nutzungszeit je 100 Meter Verbindungsstrecke 0,15 DM, wenn die Gesamtentfernung 50 Kilometer nicht übersteigt.

4) Auf die Unterschiede der Verbindungszeitmessung bei Festverbindungen der Gruppen 2 und 3 soll hier nicht näher eingegangen werden.

---------------------

Verbindungszeit eine monatliche Gesamtverbindungszeit von 160 Stunden ergibt, gilt:

160 Std. = 576 000 Sek.

576 000 Sek. = 2400 Zeiteinheiten

2400 Zeiteinheiten x 0,23 DM = 552,- DM

Dieser Betrag wird zunächst um 1 Prozent verringert:

552,- DM

- 1 %

546,48 DM

Die monatliche Verkehrsgrundgebühr für 80 Stunden Verbindungszeit zum Normaltarif beträgt:

80 Std. = 288 000 Sek.

288 000 Sek.: 240 Sek. = 1200 Zeiteinheiten

1200 Zeiteinheiten x 0,23 DM = 276,- DM

Weiter gilt:

546,48 DM

-276,- DM

270,48 DM

Die Verbindungsgebühren, die oberhalb einer (Mindest-) Verbindungszeit von 80 Stunden pro Monat anfallen, werden um 5 Prozent reduziert:

270,48 DM

-5%

256,96 DM

Die monatlichen Verkehrsgebühren betragen nun:

276,- DM

+ 256,96 DM

532,96 DM

Inklusive der monatlichen Grundgebühren für zwei Festanschlüsse von je 74,- Mark betragen die Gesamtkosten:

532,96 DM

+ 148,- DM

680,96 DM

Somit wäre eine HfD-Verbindung unter diesen Bedingungen 323 Prozent kostenintensiver als eine ISDN-Festverbindung.