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28.02.1975 - 

Techniken der direkten Belegerfassung

Beleglesung

Unter den vielen Möglichkeiten moderner Automation steht sie mit Sicherheit der vielzitierten Datenverwertung am Ursprungsort viel näher, als die meisten anderen Erfassungstechniken. Dennoch blieb sie - was Verbreitung und Umsatz betrifft - bisher hinter den Erwartungen zurück, die man aufgrund der rasanten Entwicklung der gesamten Datentechnik von ihr hätte erwarten dürfen: Die optische Beleglesung, in den englischsprachigen Ländern wie auch bei uns vor allem unter dem Namen OCR-Technik (Optical Charakter Recognition) bekannt. Daran ist mit Sicherheit nicht fehlender technischer Fortschritt schuld, sondern eher die Preissituation solcher Systeme in der Vergangenheit und die oftmals damit verbundenen umfangreichen Organisationsmaßnahmen vor dem wirkungsvollen Einsatz beim Anwender. Hat sich daran inzwischen Grundsätzliches geändert? Um diese Frage klar beantworten zu können, sollte man sich zunächst einmal vergegenwärtigen, worum es eigentlich geht, wenn von optischen Beleglesern gesprochen wird.

Prinzipiell unterscheidet man fünf Typen von optischen Lesern:

- Belegleser (Document-Reader)

- Belegleser-Sortierer (Document-Reader-Sorter)

- Seitenleser (Page-Reader)

- Journalstreifenleser (Journal-Tape-Reader)

- Mikrofilmleser (Micro-Film-Reader)

Die ursprünglichen Einsatzgebiete für diese Beleglesertypen sind heute allerdings weitgehend verschwommen.

Es gibt Belegleser (Document-Reader) für das gleichzeitige Lesen von 1 bis maximal 3 Zeilen und solche für eine beliebige Anzahl Zeilen auf dem gleichen Beleg.

Belegleser für das gleichzeitige Lesen von 1 bis maximal 3 Zeilen pro Beleg können für Höchstgeschwindigkeiten gebaut werden, weil die Lage der Zeile auf dem Beleg fix eingestellt werden kann. Aus diesem Grunde Iaufen solche Belege mit konstanter Geschwindigkeit am Lesekopf des Beleglesers vorbei.

Belege mit mehr als 3 Zeilen oder variablen Zeilenabständen müssen zellenweise gelesen werden. Belegleser für diese Anforderungen arbeiten nach dem gleichen Prinzip wie Seitenleser (Page-Reader). Belegleser haben 2 bis 4 Ablagefächer für gelesene Belege. Belegleser-Sortierer (Document-Reader-Sorter) können gleichzeitig 1 bis maximal 3 Zeilen lesen. Belegleser-Sortierer sind als Scheckleser für Banken gebaut und haben die Aufgabe, Originalbelege, die optisch gelesen werden, nach beliebigen Gesichtspunkten zu sortieren. Belegsortierer haben minimal 6, maximal 32 Ablagefächer für gelesene Belege und können bis zu 20 Meter lang sein.

Sollen Originalbelege beispielsweise nach einer lOstelligen Nummer sortiert werden, so sind normalerweise 10 getrennte Belegdurchläufe auf dem Belegleser notwendig. Selbstverständlich können beschränkte Nummerngruppen oder ähnliche in einem Arbeitsgang aussortiert werden.

Bei 1- bis 3zeiligen Beleglesern und Belegleser-Sortierern wird die Datenzeile von rechts nach links gelesen, weil der Beleg mit der Rückseite gegen den Operator am Lesekopf vorbeilaufen muß. Dies bedingt, daß die Daten in umgekehrter Reihenfolge gelesen werden, wie sie auf Magnetband geschrieben werden.

Seitenleser (Page-Reader) lesen eine beliebige Anzahl von Zeilen auf einem Beleg von unterschiedlichstem Format. Teilweise verlangen die Belegleser den genauen Standort einer Zeile, andere Leser können sich die Zeilen selbst auf dem Beleg suchen. Einzelne Seitenleser sind in der Lage, zusätzlich auch Journalstreifen zu lesen. Seitenleser können je nach Fabrikat Belegformate zwischen halber Lochkarte bis DIN A 3, hoch, verarbeiten. Sie lesen Zeile für Zeile und finden diese entweder vollständig selbständig oder aufgrund eines speziellen Merkmals auf dem Beleg. Durch das Zeilensuchen und zeilenweise Abtasten des Beleges wird die Beleg-Transportgeschwindigkeit sehr stark herabgesetzt. Der Beleg wird vom oberen zum unteren Rand vorgeschoben und die Zeilen von links nach rechts gelesen, also ebenso, wie ein Europäer gewohnt ist zu lesen .

Journal-Streifenleser (Journal-Tape-Reader) sind ausschließlich für das Lesen von Endlos-Journalstreifen aus Additions- und Buchungsmaschinen, Registrierkassen und anderem bestimmt und können keine Einzelbelege verarbeiten.

Der erste Mikrofilm-Leser (Micro-Film-Reader) wurde 1969 in den USA in Betrieb genommen. Im Moment gibt es erst zwei Hersteller-Firmen für Mikrofilm-Leser, die bisherigen Typen dieser Leser-Art sind noch sehr teuer.

Innerhalb dieser fünf optischen Belegleser-Typen unterscheidet man folgende fünf Gruppen:

Single-Font-Leser (Einzelschriftleser)

Dieser Leser liest nur eine einzige Schriftart in Schreibmaschinenschrift oder Handschriftzahlen.

Multiple-Font-Leser (Mehrschriftleser)

Solche Leser erkennen zwei oder drei verschiedene Schreibmaschinenschriften. Sie können teilweise zusätzlich für Handschrift-Zahlen-Lesung ausgebaut werden.

Multi-Font-Leser (Vielschriftleser)

Diese Leser erkennen praktisch alle Schreibmaschinenschriften. Sie können zum Teil zusätzlich für Handschrift-Zahlen-Lesung ausgebaut werden.

Zur Zeit sind es maximal 320 Schriftzeichen ohne Erweiterungsmöglichkeit, die vom größten Multi-Font-Leser erkannt werden können. Omni-Font-Leser (Allschriftleser)

Omni-Font-Leser erkennen jede Art von Schreibmaschinen- und Buchdruckschrift sowie Handschriftzahlen, fixe und variable Zeichenabstände und verschiedenste Schriftgrößen. Zur Zeit sind dies maximal 800 Schriftzeichen im gleichen Arbeitsgang.

Die Kapazität von 800 Schriftzeichen kann durch Anschluß eines Zwischenspeichers in Form einer Magnetbandes oder eines Magnetbandes beliebig erweitert werden.

General-Purpose-Reader (Allzweckleser)

Der Allzweckleser erkennt jede Art von Schreibmaschinen- und Buchdruckschrift. Außerdem können alle Arten von farbigen Umdrucken, Photokopien und ähnliches gelesen werden.

Symbolische Schriftzeichen aller Art, gedruckte chemische oder mathematische Formeln, technische Zeichnungen, Wetterkarten, Fingerabdrücke, Unterschriften EKG von Spitälern, Plotter-Darstellungen, Spektralanalysen, Oszillogramme usw., also Informationen, die man nicht wie Buchstaben lesen kann, werden digitalisiert.

Ohne Digitalisierung ist bisher kein Computer in der Lage, solche Informationen zu speichern oder zu verarbeiten. Beispielsweise werden in den USA seit 1969 EKGs von Ärzten und Spektralanalysen über einen Mikrofilm-Leser digitalisiert und durch einen Computer anschließend ausgewertet. Ein weiteres, sehr großes Anwendungsgebiet dieses Lesertyps ist in den USA das Lesen von technischen Texten in russischer Sprache und Schriftzeichen und das direkte Übersetzen in unsere gebräuchlichen lateinischen Schriftzeichen, um das Übersetzen zu vereinfachen.

Innerhalb der Beleglesertypen und -gruppen ergeben sich folgende Unterschiede:

ON-Line-Belegleser

Diese Belegleser werden an bereits installierte Computer angeschlossen und können teilweise mit Multi-Programming lesen.

OFF-Line-Belegleser

Diese Belegleser werden mit einem eigenen, speziell für diesen Belegleser geeigneten Computer, geliefert, der keine anderen Aufgaben hat, als für eine schnelle und sichere Lesung zu sorgen.

Belegleser-Output

Die Belegleser-Ausgabemöglichkeiten sind vielfältig, so beispielsweise:

- Magnetbandbänder 7-Spur, 556 und 800 bpi

- Magnetbänder 9-Spur, 800 und 1600 bpi

- Magnet-Platten fix und auswechselbar

- Displays (Bildschirm)

- Lochstreifen 5- bis 8-Kanal

- Lochkarten

- Schnelldrucker

- Konsolschreibmaschine

Es ist eine Wirtschaftlichkeitsfrage, welche Ausgabemöglichkeiten gewählt werden.

Bei einem Preisvergleich für Belegleser fällt ganz entscheidend ins Gewicht, ob es sich um einen ON- oder OFF-Line-Belegleser handelt. Im Falle eines ON-Line-Beleglesers muß der Käufer über einen bereits installierten und für den Anschluß des Beleglesers geeigneten Computer verfügen. Im Falle eines OFF-Line-Beleglesers erhält der Käufer ein vollständig unabhängiges, separates Computersystem zum Belegleser.

Kleine und mittelgroße Computer sind meistens nicht dafür ausgerüstet, um via Multiprogramming einen Belegleseranschluß zu gewährleisten. ON-Line-Belegleser benötigen meistens einen sehr viel höheren und komplizierteren Programmierungsaufwand als OFF-Line-Belegleser.

Dem technischen Unterhalt eines Beleglesers fällt allergrößte Bedeutung zu. Die Störungsbehebung bei ON-Line-Beleglesern ist wesentlich anspruchsvoller als bei OFF-Line-Lesern, besonders dann, wenn ON-Line-Leser im Multiprogramming angeschlossen sind.

Die Kosten hängen hauptsächlich von folgenden Punkten ab:

- Mikrofilm oder Formular Höhe des Formulars

- Höhe des Formulars

- Anzahl der zu lesenden Zeilen pro Formular

- Anzahl Zeichen pro Zeile

- Handschrift, Maschinenschrift oder Buchdruck

- Druck- oder Schriftqualität.

Alle diese Komponenten haben einen entscheidenden Einfluß auf die Kostenberechnung.

Daten, die vom Belegleser gelesen wurden, lassen sich nur mit geprüften Daten einer sehr guten Locherin oder Codiererin vergleichen, denn man weiß heute, daß manuell geprüfte Daten noch mindestens 1 Prozent Fehler enthalten. Der Belegleser kann aber ohne weiteres Fehlerraten von 0,05 Prozent und weniger erreichen.

Es ist bemerkenswert festzustellen, daß es, obwohl es seit 1952 optische Leser im Einsatz gibt, bis 1966 gedauert hat, bis das erste ON - Line - Korrektursystem einsatzfähig war. Bis heute hat sich diese Situation kaum geändert, da erst etwa 20 Prozent aller Leser mit echten ON- oder OFF- Line-Korrektursystemen ausgerüstet sind.

Man unterscheidet zur Zeit folgende Korrektursysteme:

- Die zu korrigierenden Belege werden automatisch in ein separates Ablegefach gesteuert und müssen dann von Hand korrigiert werden, ohne daß die zu korrigierende Stelle bezeichnet ist.

- Die zu korrigierenden Belege werden automatisch in ein separates Ablegefach gesteuert. Auf dem Ausdruck des Schnelldruckers oder der Konsolschreibmaschine des Beleglesers ist ersichtlich, welches Zeichen korrigiert werden muß.

- Einzelne Belegleser bezeichnen automatisch mit farbiger Tinte am Belegrand die Zeile, in der eine Korrektur vorkommt; dieser Beleg muß anschließend von Hand korrigiert werden.

Optische Lesung ist heute nicht mehr das Privileg einiger großer Konzerne mit entsprechenden Belegvolumen, sondern kann auch vom mittleren und kleinen EDV-Benutzer wirtschaftlich angewendet werden. Der Trend zu kleinen und für hiesige Verhältnisse erschwinglichen Lesegeräten hat sich inzwischen längst breit gemacht.

Bereits letzt beachtliche Rationalisierungserfolge erzielt

"Die Lochkarte ist ein Datenträger, auf den man ohne größere Umorganisation nicht verzichten kann und will", sagt Dieter F. Sauer. "Moderner konzipierte Locher tragen den Rationalisierungs- und Sicherheitserfordernissen weitgehend Rechnung." Die Key-to-Disk/ Diskette-Erfassung sieht Sauer genauso als Übergangslösung wie die Banderfassung: Sauer: "Die Zukunft der wirtschaftlichen Datenerfassung liegt in der online-Lösung über Datenstationen." Das Sachbearbeiter-Terminal hält Sauer für ein wirksames Mittel zur Rationalisierung: "Der Computer am Arbeitsplatz ermöglicht eine sichere und wirtschaftliche Datenerfassung. In vielen Fällen erübrigt sich der Umweg über die Datentypistin."

Stolz weist Sauer auf einige erfolgreiche Real-Time-Lösungen hin: "Die Datendirektverarbeitung mit Sperry-Univac Real-Time-Systemen stellt die Weiterführung dieses Konzepts dar. Es wird heute bei Anfall großer Datenmengen in Versandhäusern, Fluggesellschaften, Handelsbetrieben sowie im medizinischen Bereich bereits problemlos praktiziert."

Weniger optimistisch sieht Sauer die Zukunft der optischen Beleglesung: "Die optische Beleglesung hat sich - mit Ausnahme einiger spezieller Anwendungen - allgemein immer noch nicht durchgesetzt. Probleme schaffen das komplizierte Handling und der organisatorische Aufwand. Die vielfach nur gering ausgelasteten Geräte rechtfertigen in keiner Weise den hohen Preis."

Zu zukünftigen Realisierungen im Datenerfassungs-Bereich meint Sauer: "Zukunftsmusik ist zur Zeit noch die direkte Kommunikation einer Vielzahl von Bestellern oder Anfragern mit dem Computer über Telefon." Probleme bei der Realisierung erwartet Sauer weniger bei den technologischen Möglichkeiten, als vielmehr bei den organisatorischen Voraussetzungen. Im Terminalsektor wurde en Entwicklungsprozeß vom Einzel-Terminal hin zum Subsystem eingeleitet. "Die Datenerfassungsanlage übernimmt Aufgaben wie Datenaufbereitung, Kontrollen, Plausibilitätsprüfungen, Sortierungen und Verdichtungen und entlastet dadurch erheblich den Zentralcomputer. "Eine rasche Entwicklung registriert Martin Manjock im Datenübertragungssektor: "in einem geradezu atemberaubenden Tempo verbreiten sich gegenwärtig Verbundsysteme." Kienzle hat bereits on line-Lösungen im Bankensektor realisiert.

Dazu erklärt Manjock erfreut: "unsere Kunden konnten mit einer on line-Organisation eine verbesserte Kundenbedienung, erhöhte Buchungssicherheit, verringerte Arbeitsbelastung, vereinfachte Verfügbarkeit und mehr Wirtschaftlichkeit im Verrechnungsverkehr erzielen".

Konsequente Datenerfassung am Ursprungsort bedeute auch, Daten unter Umweltbedingungen zu erfassen, in denen konventionelle Datenerfassungstechniken bisher nicht arbeiten konnten. Eine Datenerfassung unter extremen Bedingungen wie Temperaturschwankungen, elektromagnetische und elektrostatische Störeinflüsse, Schmutz und Staub sei mit Datenschreibersystemen sicher, kostengünstig und anwenderspezifisch durchführbar. Der Kienzle-Datenschreiber benutzt als erstes in Serie hergestelltes Datenerfassungsgerät Metallregisterpapier als Datenträger. Manjock sieht den Datenschreiber als eine Alternative zur herkömmlichen Datenerfassung: "lm primären Erfassungsbereich wird der Datenschreiber zunehmend eingesetzt werden, darüber hinaus wird das Datenschreibersystem neue Organisationsmöglichkeiten eröffnen. Hinzu kommen Gebiete, in denen technische Mittel Analog- oder Digitalaufzeichnungen zwar bereits erstellen, aber bisher kein rechnerkompatibler Weg zur Verarbeitungsseite bestand. Als Substitutionssystem zu bereits angewandten Techniken bahnt sich der Datenschreiber seinen Weg."

Eine Weiterentwicklung der Datenerfassung sieht Manjock vor allem im Rechner und Speicherbereich: Vorteile bieten die höheren Integrationsgrade in der Rechnertechnik und die Ausdehnung des Plattenspeichers nach unten in Form der Floppy-Disc. Die neuen Lösungsmöglichkeiten mit fortschrittlichen Erfassungssystemen bieten dem Anwender Vorteile: "es entfallen Datenumschichtungen, da eine unmittelbare Verbindung zwischen der Datenquelle und der Verarbeitung besteht. Dies ermöglicht einerseits Kosteneinsparungen im Personalbereich, zum anderen kurzfristige, umfassende Informationen für zweckmäßige Organisationsabläufe und Entscheidungen. Die höheren Integrationsgrade im Rechnerbereich erlauben es auch einfachere Datenerfassungsgeräte mit Intelligenz zu bestücken."

Kombination Belegleser/Datensammelsystem besonders interessant

Kurz aber prägnant äußert sich Kurt Magsam über die Zukunft der Datenerfassung. "Die Datenerfassung wird immer mehr auf leistungsstärkere und intelligentere Systeme umgestellt. Schwerpunkte bilden on line-Erfassung und Datensammelsysteme. Einzelplätze ohne Intelligenz werden immer mehr verdrängt. Diese werden allerdings ihren Markt dort behalten, wo dezentralisiert mit besonders günstigen Personalkosten erfaßt werden kann."

Der Beleglesung gibt Magsam eine Chance: "Über günstige Preise wird sich die Beleglesung einen größeren Marktanteil in der Zukunft sichern. Die Kombination Belegleser/Datensammelsystem, wird für den Anwender besonders interessant werden."

Hinwenden zum funktionsorientierten Datenerfassungssystem

Rationalisierungsmaßnahmen betrachtet Helmut Huber als Schrittmacher der Entwicklung in der Datenerfassung. "Der Zwang zur Rationalisierung sowohl bei Anwendern als auch bei Herstellern wird dahin führen, weniger Spezialgeräte und -systeme zu installieren, dafür aber in zunehmendem Maße Universalstationen einzusetzen, die einer Viel-zahl von Aufgaben gerecht werden können." Dieser Trend werde durch die Mikroprozessorentechnik unterstützt.

"Für den Anwender bietet Sich durch Mikroprogrammgesteuerte Geräte der Vorteil einer flexiblen Anpassung an sich verändernde Organisationsstrukturen."

Huber setzt bei einer fortschrittlichen Datenerfassung voraus: Entlastung des Zentral-Computers und Prüfung der Daten auf ihren Aufbau und ihren Logik bereits bei der Erfassung. Und: "Der direkte Datenaustausch zwischen den unterschiedlichen Geräten und der Zentraleinheit muß auf einfache Weise gewährleistet sein." Daraus resultiert für Huber die "Abkehr vom anwendungsorientierten System und Hinwenden zum funktionsorientierten Datenerfassungssystem."

Dezentrale Erfassung und Konzentration auf seiten der Rechner

Datenerfassungssysteme sollen verstärkt drei Voraussetzungen erfüllen, fordert Heinz Nippert: Wirtschaftichkeit, Zuverlässigkeit und Flexibilität. Der Trend gehe zu dezentraler Erfassung und Konzentration auf der Seite der Rechner. "Aus der Sicht der Anwender sollte die Datenerfassung dort etabliert werden, wo die Daten anfallen das heißt möglichst nahe am Ursprungsort."

Eine verstärkte Entwicklung in Richtung Dialogsysteme prognostiziert Nippert des weiteren.

Bereits heute biete Philips den Anwendern ein universelles Auskunftsystem, das diesen Voraussetzungen entspreche: "Neben der programmgesteuerten Datenerfassung, der Datenfernübertragung und dem Drucken ist gleichzeitig der Direktzugriff auf bestimmte Datenbestände möglich."

Der Anwender verlange heute nach Systemen mit einer möglichst hohen Durchsatzrate, "so daß mit dem gleichen Bedienungspersonal ein wachsender Beleganfall bewältigt werden kann, oder bei konstantem Datenanfall Personaleinsparungen möglich sind". Weiterhin sei es wichtig, moderne Erfassungsplätze zur Verfügung zu stellen, bei denen neueste arbeitsphysiologische Erkenntnisse in die Praxis umgesetzt werden.

Philips zeigt sich neuen Technologien aufgeschlossen: "Philips betreibt in großen Forschugsstätten eine gezielte Entwicklung neuer Technologien, um den Anwendern fortlaufend ein zeitgemäßes und leistungsfähiges Produktspektrum anbieten zu können. Neuentwikkelte Systeme kommen dann auf den Markt, wenn sie technisch ausgereift sind und unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit und Rentabilität alle relevanten Anforderungen erfüllen."

Aussagen über eine Preisentwicklung will Nippert angesichts der momentanen Wirschaftslage nicht treffen: "In Anbetracht der noch nicht abzusehenden Entwicklung der Kosten sind Aussagen über die in 1975 zu erwartenden Preisentwicklungen augenblicklich nicht möglich. Generell kann gesagt werden, daß mehr Leistung auch einen höheren Preis rechtfertigt."

Neben der Datenerfassungs-Hardware werde sich der Schwerpunkt immer mehr auf die Software verlagern: "Der Trend zu leistungsfähigerer Software und einfachen Programmiersprachen wird sich weiter verstärken."

Datenschreibersysteme eröffnen neue Organisationsmöglichkeiten

Die Automation der Datenerfassung hält Martin Manjock für das entscheidende Problem. Deshalb werde die anwendungsspezifische Erfassungsautomation im Ursprungsbereich der Datenerfassung einsetzen.

Technologisch seien dabei drei Richtungen zukunftsweisend:-OCR-Techniken, Terminaltechniken und Datenschreibertechniken.

"Bei den OCR-Techniken besteht der Zwang zum einfachen Gerät, um es möglichst weit an der Peripherie einsetzen zu können. Diese Technik konnte Kienzle im Bankensektor mit Journalstreifenlesern bereits erfolgreich einsetzen."