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01.07.1977

Beleglesung - kein Privileg der Großen

Bernd Mehler, Abteilung Organisation der Val. Mehler AG, sprach Dr. Gerhard Maurer

- Sie haben sich gerade entschieden, einen Handschrift-Seiten-Leser zu installieren. Welche Einsparungen erwarten Sie durch die geplante Umstellung?

Die Installation muß unter zwei Hauptgesichtspunkten gesehen werden. Ein Gesichtspunkt ist folgender, die heute noch recht fehleranfällige Datenerfassung über Diskette und Lochkarte soll durch den Belegleser sicherer gemacht werden. Zweitens erwarten wir uns selbstverständlich durch diese Installation auch finanzielle Vorteile. Die finanziellen Einsparungen werden mit Sicherheit nicht im ersten Jahr eintreten das ist ein Prozeß, der sich über einige Jahre hinziehen wird. Wir rechnen, aber ab den zweiten Jahr mit Einsparungen in Höhe von jährlich mindestens 100 000 Mark.

- Nun zählt die Firma Valentin Mehler AG nicht zu dem Kreis der sehr großen Firmen mit sehr hohem Beleganfall, die bisher eigentlich allein Handschriftbelegleser eingesetzt haben.

Das ist durchaus richtig, wir sind ein Unternehmen, das zirka 5000 Mitarbeiter beschäftigt. Wir sind ein Unternehmen der Textilbranche und stellen DOB und Herrenoberbekleidung her sowie textile Gewebe. Unser Beleganfall, den Sie eben in Ihrer Frage angesprochen haben, entspricht natürlich nicht dem einer Bank. Wir können aber aufgrund des Preises, für den diese Geräte heute angeboten werden, den Einsatz eines solchen Beleglesers rechtfertigen.

- Sie haben sich für den neuen Handschriftseitenleser der Firma Feller entschieden. Wie sind die Kosten zu rechtfertigen?

Zunächst möchte ich zu den Kosten allgemein etwas sagen: Der angesprochene Belegleser kostet im Kauf 250 000 Mark, das entspricht im Leasing einer Monatsbelastung von 5000 Mark. In diesem Preis enthalten ist der Leser selbst, eine Magnetbandstation, in der die eingelesenen Daten aufgezeichnet werden, sowie ein Korrekturbildschirm. Die Leseleistung dieses Beleglesers liegt bei zirka 400 Belegen pro Stunde. Wenn man dieser Leseleistung die Erfassungsleistung einer Datenerfassung von durchschnittlich tausend Lochkarten pro Tag gegenüberstellt, und man die Tatsache in Erwägung zieht, daß dieses gleiche Datenvolumen von dem angesprochenen Belegleser in rund 1 ? Stunden bewältigt werden kann, so ist daraus schon ersichtlich, daß die Anschaffung eines solchen Gerätes gerechtfertigt ist.

- Das Problem mit Beleglesern ist ja immer, ob die Firmen ihn auch auslasten können. Werden auch Sie nur einen Bruchteil der Maximal-Kapazität nutzen? Welche Anwendungen sollen auf Beleglesung umgestellt werden?

Die Auslastung dieses Beleglesers wird mit Sicherheit nicht im ersten Jahr erreicht werden, aber für die Anwendung bieten sich eine Reihe von Problemkreisen an und wenn beispielsweise die Auftragsdatenerfassung Teile der Lohndatenerfassung und Teile der Fertigungssteuerung übernommen worden sind, dann kann man davon ausgehen, daß das Gerät etwa zu 70 bis 75 Prozent ausgelastet ist, was wohl an recht guter Wert sein dürfte.

- Was für Schriften sollen gelesen werden? Wer wird die Belege ausfüllen? Erwarten Sie dort Probleme, was das korrekte Ausfüllen der Belege betrifft?

Wir beabsichtigen, als Schriftarten die Klarschrift und die OCRB-Schrift einzusetzen. Selbstverständlich müssen die mit dem Ausfüllen der Belege befaßten Mitarbeiter, das sind also Werkstattschreiber, das sind Sachbearbeiter im Personalbüro, das sind Vertreter im Außendienst, entsprechend ausgebildet werden. Aber diese Schulung macht heute keine großen Schwierigkeiten mehr. Außerdem kann ich auf einige Schulungserfahrungen in diesem Bereich zurückgreifen, da ich vor einigen Jahren als Mitarbeiter der Karstadt AG entsprechende Schulungen durchgeführt habe. Im Vergleich zur damaligen IBM 1287 kann man jedoch sagen, daß die Toleranzen für die Interpretation der Zeichen wesentlich größer geworden sind, so daß heute auch Zeichen gelesen werden können, die zur damaligen Zeit ausgesteuert und neu interpretiert werden mußten.

- Wo immer Belegleser eingesetzt werden, ersetzen sie die manuelle Datenerfassung. Solche Rationalisierung vernichtet Arbeitsplätze oder sehen Sie das anders?

Das Berufsbild des Organisators ist immanent permanent bemüht zu sein, Arbeitsabläufe bezüglich der betrieblichen Zielsetzung zu optimieren und dazu gehören selbstverständlich auch Rationalisierungsmaßnahmen. In einer Wettbewerbswirtschaft tragen solche Rationalisierungsmaßnahmen dazu bei, andere und zwar eine größere Zahl von Arbeitsplätzen zu erhalten.

- Wie sind Sie vorgegangen bei der Auswahlentscheidung für den Handschrift-Seitenleser?

Wir waren sehr erfreut, auf der letzten Hannover-Messe feststellen zu können, daß die Firmen Feller und Kleindienst zwei für uns adäquate Geräte anboten, die bereits für einen Preis von 250 000 Mark zu kaufen sind. Das hat es vor der Messe nicht gegeben und somit hat sich für uns seit diesem Zeitpunkt die Alternative Handschrift-Seitenleser eröffnet.

- Wie wurde dann die Wahl zwischen den Geräten dieser beiden Hersteller getroffen?

Generell muß man sagen, daß die Leistung dieser beiden Geräte etwa gleichwertig zu beurteilen ist. Als Auswahlkriterien dienten uns Daten aus einem Anforderungsprofil, das wir für diesen Leser erarbeitet hatten. Daten waren zum Beispiel die Lesegeschwindigkeit, die Kosten für die Anlage, die Kompaktheit reit der Anlage, Korrekturmöglichkeiten und Toleranzen bei der Interpretation von Zeichen. Aus der Summe aller dieser Entscheidungskriterien ergab sich für uns, daß der Feller-Leser für unsere speziellen Anwendungsgebiete am geeignetsten erschien.

- Bei der Firma Mehler ist ja bereits ein Siemens-Markierungs-Leser installiert. Lieferten Ihnen diese Belegleser-Erfahrungen Hilfen für Ihre Entscheidung?

Die Erfahrungen mit dem Siemens- Markierungsleser waren nicht unbedingt Voraussetzung für den Einsatz eines Klarschrift-Beleglesers, jedoch möchten wir in unserem Hause die Erfahrungen, die wir mit diesem Gerät gesammelt haben, nicht missen.

- Wie wirken sich diese Erfahrungen beispielsweise aus?

Die Erfahrungen wirken sich positiv aus; in der Programmierung und speziell im Bereich der Beleggestaltung, weniger in organisatorischen Randbereichen. Wir haben zum Beispiel bei der Gestaltung des Beleges für den Markierungsleser einige Zeit gebraucht, bis wir die optimale Lösung gefunden haben. Diese Erfahrungen können wir nun für den Handschriftenleser nutzen.

- Meine Sie, daß Firmen, die das Ziel haben, auf Handschrift-Seiten-Leser umzustellen, zunächst den Umweg des Erfahrungssammelns mit Markierungslesern machen sollten?

Die Erfahrungen mit einem Markierungsleser wären sicherlich sinnvoll, sind aber aus naheliegenden Gründen keineswegs Voraussetzung. Im Gegenteil, es wäre wenig sinnvoll, wenn man die Absicht hat, einen Handschriftleser zu installieren, vorher den Umweg über einen Markierungsleser zu machen. Der Preis für die so gewonnenen Erfahrungen wäre zu hoch.