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Anwenderbericht: DESMA-Werke GmbH, Achim bei Bremen


29.10.1976 - 

Belegverarbeitung mit OMR-Lochkarten - Alternative zur Handschriftlesung

Dipl.-Ing. Günter C. Heintz

Die Firma DESMA-Werke GmbH ist ein noch junges Unternehmen. Gegründet 1946 als Hersteller von Klebepressen für die Schuhindustrie, nahm sie Anfang der 60er Jahre einen Aufschwung durch die Entwicklung von Rundläufermaschinen für das Anspritzen von Sohlen. Heute ist sie, über die Schuhindustrie hinaus, ein bekannter Hersteller von Spezialmaschinen und Formen für die Gummi- und Kunststoffverarbeitung.

Das Rechenzentrum arbeitet mit einem IBM-System 370/125 mit 160 KB Hauptspeicher und dem Betriebssystem DOS/VS.

Engpaß am Monatsende

Die Erfassung der für die Entlohnung erforderlichen Daten ist im Maschinenbau in der Regel recht umfangreich. Der Grund dafür ist die hier übliche starke Arbeitsteilung, verbunden mit Einzelaufträgen für jeden Arbeitsgang. Die daraus resultierende Belegflut (für einen Mitarbeiter können mehrere Dutzend Belege im Monat anfallen) stellt die Datenerfassung regelmäßig vor Probleme am Monatsende. Denn nach einem ungeschriebenen Gesetz des Fertigungsbetriebes gehen 60-80 Prozent der Belege erst am letztmöglichen Tage ein.

Zur Lösung des Problems, sprich Ablösung der zentralen Erfassung durch ein maschinelles Verfahren. standen folgende Konzepte zur Diskussion:

- Dezentrales Erfassen über, Betriebsdatenterminals,

- Maschinelle Beleglesung,

- Handschriftlesung,

- Strichmarkierungslesung (OMR).

Der Einsatz von Betriebsdaten-Terminals ist sicherlich das beste Mittel, Informationen aus dem Fertigungsbetrieb schnell und sicher einer zentralen Verarbeitung zuzuführen. Wobei der Hauptvorteil in der Aktualität der gelieferten Daten zu sehen ist. Andererseits stellt sich die Frage, ob diese Aktualität überhaupt gefordert ist oder, wie im vorliegenden Fall, eine Verarbeitung nur monatlich oder wöchentlich erfolgt. Damit war klar, daß Betriebsdaten-Terminals nur interessant werden könnten, wenn sie kostengünstiger als andere Verfahren einzusetzen wären.

1:5 gegen die Handschrift

Der Kostengesichtspunkt galt gleichermaßen für die beiden untersuchten Verfahren der Beleglesung. Das Verhältnis der Kosten "Betriebsdaten-Terminalsystem" gegenüber "Handschriftlesung mit IBM 3886" gegenüber "OMR-Lesung mit einem Zusatz in IBM 2560" ergibt mit 4:5:1 eindeutig einen Vorteil für das OMR-Verfahren.

Den Ausschlag für dieses Verfahren gaben aber nicht nur die Kosten, sondern die von uns gemachte Erfahrung, daß die Erkennungsrate der von den "Werkern" gemachten Eintragungen bei Strichmarkierungen (OMR) wesentlich besser war als bei den Leseversuchen mit Handschrifteintragungen. Als Belegart für Lohn- sowohl wie für Materialabrechnung - wurden Lochkarten gewählt. Zum einen, weil wir mit der Lochkarte - von ihrer Widerstandsfähigkeit gegen die mannigfachen "Behandlungen" im Werkstattbetrieb her - sehr gute Erfahrungen gemacht hatten, zum anderen, weil sie

es als Einzelbeleg erlaubt, programmgesteuert unterschiedliche Formulare im gleichen Arbeitsgang zu bedrucken und auszugeben.

Kein nachträgliches Sortieren

Bei der Arbeitspapier-Ausschreibung über EDV wird eine Lohnkarte ausgegeben, die gleichzeitig als Auftrag für einen ganz bestimmten Arbeitsgang dient und nach Erledigung der Arbeit (ergänzt um die Stammnummer des Werkers) den Beleg für die Lohnabrechnung darstellt. Die Karten werden auf einer Mehrfunktionskarteneinheit IBM 2560 erzeugt, die zweizeilig beschriftet und alle zur Abrechnung erforderlichen Daten locht. Im gleichen Arbeitsgang werden auch die Materialentnahmekarten auf dieser Maschine ausgegeben. Dabei hat man den Umstand ausgenutzt, daß die Mehrfunktionskarteneinheit zwei Kartenstationen hat. In Station 1 liegen die Formulare für die Lohnkarten, in Station 2 die der Materialkarten. Vom Programm wird gesteuert, welche Karten in welcher Anzahl zu stanzen und zu beschriften sind.

Nach Fertigstellung seines Arbeitsganges trägt der Arbeiter seine Personalnummer in das Strichmarkierungsfeld ein. Bei der Lohnart "Gruppenverrechnung" wird zusätzlich noch die gebrauchte Zeit markiert. Lohnkarten werden von Akkordarbeitern oft erst sehr kurz vor der Verrechnung abgegeben. Nach Umstellung auf OMR führt das zu keinen Terminschwierigkeiten mehr, da unmittelbar nach Abgabe der letzten Karte mit der Lesung und der Verrechnung begonnen werden kann.

Die neuen OMR-Karten wurden nicht von allen Lohnempfängern mit Begeisterung angenommen. Es ist aber zu erwarten, daß nach einer Eingewöhnungsphase die mehr emotionellen Widerstände gegen das "Neue" zurückgehen. Die Fehlerquote bei der Lesung liegt derzeit unter 5 Prozent.

Günter C. Heintz ist Leiter der Organisation und Datenverarbeitung im Hause DESMA-Werke GmbH, Achim bei Bremen.