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19.01.2001 - 

Virage: Spezialist für Streaming Video

Beliebig und blitzschnell nach Videoinhalten suchen

19.01.2001
SAN MATEO - Digitale Distributionsformen wie Musik aus dem Netz, Video on Demand oder elektronische Bücher beflügeln die Branche. Hier setzt die Virage Inc. mit ihren Softwarelösungen und Dienstleistungen an, die Videoinhalte indexieren und es damit möglich machen, Content gezielt nach Bildmaterial, Stimmen oder Text zu durchsuchen. Von Nicole Winkler*

Die Anhörung President Clintons zur Lewinski-Affäre machte Virage mit einem Schlag weltbekannt. Dank der neuen Technologie des jungen Unternehmens aus Kalifornien war es plötzlich möglich, Videos ins Internet zu stellen und online über bestimmte Suchkriterien "searchable" - also durchsuchbar - zu machen. So konnte sich jeder Web-Nutzer weltweit genau die Passagen auf den Bildschirm holen, die er sich ansehen wollte. Ein Angebot, das so großen Zuspruch fand, dass "das Internet weltweit halb in die Knie gegangen ist", amüsiert sich Peter Mai, Sales Manager Central Europe bei Virage.

Dreh- und Angelpunkt der Virage-Technologie ist das "Video Smart Encode". Dieser Kernprozess ist der Schlüssel dafür, dass man das Video in Realtime zur gleichen Zeit sowohl indexieren als auch encodieren kann. Beim Indizieren erfasst die Software "Video-Logger" alle zur Archivierung relevanten Daten wie Schnitterkennung mit automatischem Keyframing, Identifikation von Gesichtern, Transkription Speech-to-text von besprochenen Themen pro Clip und Sprachidentifikation. Die Audiospuren des Video-Materials lässt man durch die Software Audio-Logger analysieren, die den Content durch "intelligentes" Abhören identifiziert. Anschließend werden die Metadaten für spätere oder zeitgleiche Realtime-Nutzung in Datenbanken abgespeichert, die jedes beliebige Format (Oracle, Informix, Virage Video Application Server) haben können. Parallel zu diesem Vorgang wird das ursprüngliche Video extern auf einem Video Server abgelegt (encodiert). Beim Encodieren erzeugt man digitale (Streaming) Formate, die alle am Markt gängigen Techniken wie etwa Real-Video, Quicktime oder MPEG unterstützen. Sie sind die Grundlage für das Online-Abspielen von Videos.

Sucht man beispielsweise das Gesicht Bill Clintons im Zusammenhang mit dem Namen "Monika", muss man dem System dazu das Bild und den Text vorgeben, nach dem gesucht werden soll. Dieses Bild kann, muss sich aber nicht in der Bilddatenbank befinden. Nach Abschluss der Suche werden die gefundenen Bilder entsprechend ihrer Relevanz klassifiziert. Diese Art der Suche wird Query By Pictoral Example (QBPE) genannt und ermöglicht es Web-Nutzern, nach Videos oder Videoinhalten zu suchen und das gefundene Video an beliebiger Stelle zu starten.

Die Zielgruppe der Kalifornischen Streaming-Spezialisten (200 Mitarbeiter weltweit, zehn in Deutschland), dessen Umsatz sich in 2000 voraussichtlich auf 12 Millionen (Prognose für 2001: 27 Millionen) Dollar beläuft, ist breit gestreut. Ein Kundensegment dürfte der Markt für Medien & Unterhaltung sein. Hier ist auch der größte Kunde angesiedelt, der TV-Sender CNN, der seit etwa zwei Jahren 44 Video-Logger im Einsatz hat. Die Software erlaubt es den Journalisten, unmittelbar und simultan auf Videoinhalte zuzugreifen, die vom Satelliten kommen. Wo man sich früher noch mühsam durch vorhandenes Material spulen musste, ist es heute möglich, die Bilder unmittelbar nach ihrer Aufnahme zu indizieren, zu encodieren und für die Verwendung in aktuellen Storys verfügbar zu machen. In Deutschland gehören Daimler-Chrysler oder die Bertelsmann Media Group zu den Kunden von Virage. Ziel ist es hier, Archive zu katalogisieren und abrufbar zu machen. Für beide Kunden ist das Unternehmen als Dienstleister aktiv und bietet dabei Application Services.

Ein weiteres Produkt von Virage ist die Applikation Server Software - eine Server-basierende Plattform, die Videomaterial in dynamische Websites integriert. Mit dieser Software hat zum Beispiel Altavista das Lewinski-Verhör ins Internet gestellt und weltweit verfügbar gemacht. Altavista ist mit acht Prozent und Reuters mit sechs Prozent an Virage beteiligt. Strategische Investoren sind unter anderem Adobe, Akamai, CMGIs Altavista, C/Net, Chase Hambrecht & Quist, Reuters, Real Networks und Thomson Multimedia.

Die Aktien von Virage werden an der Nasdaq unter "VRGE" gehandelt. Mit 3,5 Millionen Stück ist die Aktienzahl sehr gering, was eine hohe Volatilität begünstigt. Der erste Handelstag war der 29. Juni 2000. Damals bezahlte man in den Vereinigten Staaten elf Dollar. Kurz darauf kletterte der Kurs der Aktie um 80 Prozent auf 20 Dollar. Inzwischen liegt der Kurs wieder bei elf Dollar. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Virage einen Verlust von 13,9 Millionen Dollar realisiert - bei Umsätzen von 5,6 Milionen Dollar. Viele Analysten sind sich trotzdem einig darin, dass es sich bei dem Entwickler von Streaming Video-Technologien um ein Unternehmen mit großem Potenzial handeln dürfte.

*Nicole Winkler ist freie Fachjournalistin in München.

Abb: Gezielte Contentsuche: Das Video Smart Encode ist das Kernprodukt von Virage. Quelle: Virage