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16.02.1996 - 

Kaum Wege aus dem Preisdilemma

Benchmark-Tests: AS/400 unter Druck von NT und Pentium Pro

Verglichen mit den frueheren Generationen der AS/400-Mittelklassemaschine bieten die RISC-basierten Rechner ein gutes Preis-Leistungs-Verhaeltnis, bescheinigt Timothy Prickett vom englischen Branchendienst "Computergram". Allerdings erwaechst dem Verkaufsschlager aus Rochester insbesondere Konkurrenz in Form von SMP (Symmetrischen Multiprozessor)-Servern, die mit den Intel-Chips Pentium oder Pentium Pro bestueckt sind und als Betriebssystem Windows NT nutzen.

Im Gegensatz zu frueher entschloss sich die AS/400-Division diesmal, statt einem Stand-alone-System eine Netzwerkkonfiguration in den Testlauf zu schicken: Ein "Advanced Server 50S-2121" bedient vier "Advanced Systems 400-2130", die als Front-end-Prozessoren die Terminalanbindung unterstuetzen.

Der 50S-Server arbeitet mit der "Cobra-4"-CPU, die mit 77 Megahertz getaktet ist. Der Prozessor basiert auf dem Design des Power-PC-620-Chips, allerdings ohne die Faehigkeit zum symmetrischen Multiprocessing. Bestueckt war die Maschine mit 1 MB Level-2-Cache, 1024 MB Hauptspeicher und 80 GB Festplattenkapazitaet.

Jedes der Client-Systeme war mit 128 MB Arbeitsspeicher und 2-GB-Festplatten ausgestattet. Auch sie benutzen den Cobra-4-Chip, allerdings bei einer Taktrate von 50 Megahertz und ohne Level-2-Cache. Als Betriebssystem kam OS/400, Version 3.6, zum Einsatz.

Im Unterschied zu frueher, als IBM nur Rechner mit maessig bestuecktem Hauptspeicher testen liess, ging man diesmal an die Grenzen: Der 50S-Server hatte im TPC-C-Test einen vollausgebauten Hauptspeicher, die vier Client-Systeme liefen mit einer zu 80 Prozent ausgereizten Speicherkapazitaet. Das mag auch damit zusammenhaengen, dass der Preis fuer 1 MB Hauptspeicher von einst 765 Dollar mittlerweile auf 85 Dollar gesunken ist.Ein voll ausgebauter Arbeitsplatz beeinflusst nicht laenger das Preis-Leistungs-Verhaeltnis.

Laut "Computergram" belegen die neuen TPC-C-Tests, dass IBM im Midrange-Bereich in zweifacher Hinsicht hinter die Konkurrenz zurueckgefallen ist. So habe die RISC-CPU nicht die Schlagkraft, die aufgrund der nackten Leistungsdaten von Power-PC-Chips zu erwarten gewesen sei. Zwar haetten sich wohl IBMs eher vorsichtige Schaetzungen ueber die RISC-Leistung erfuellt, doch es bestehe kein Zweifel daran, dass die Manager in Rochester mit einem deutlich besseren Ergebnis gerechnet haetten.

Probleme mit CPU und Betriebssystem

Als zweiten Pferdefuss im AS/400-Angebot macht der "Computergram"-Autor die Kosten fuer Hard- und Software aus, die im Vergleich zu anderen Midrange-Systemen zu hoch seien. Betrachtet man die Spec-Werte der Prozessoren, so sollte die naechste Generation des Power-PC 620 mit einer Taktrate von 145 Megahertz um 25 Prozent schneller sein als ein Pentium Pro mit 150 Megahertz. "Aber es sieht danach aus, dass die AS/400 53S-2156 mit vier 620-CPUs 15 Prozent weniger Rechenleistung erbringt als ein Vier-Prozessor-Rechner auf Basis des P6 mit einer Taktrate von 150 Megahertz", schreibt Prickett.

Da die IBM offensichtlich mit grossen Problemen bei der 620-CPU zu kaempfen hat, sei es wahrscheinlich, dass die naechste Generation von schnelleren PC-Prozessoren viel eher auf dem Markt ist, als IBM die zweite Generation von RISC-AS/400-Maschinen ankuendigen kann.

Zum Zeitpunkt der Vorstellung der RISC-basierten AS/400 lag der Durchschnittspreis pro Leistungseinheit TPM (Transaction per Minute) im TPC-C-Test bei 500 Dollar. Bis IBM die komplette Palette der RISC-AS/400 anbieten kann, hat sich dieser Wert mehr als halbiert.

Neben den hardwaretechnischen Problemen sieht "Computergram" schon ein weiteres Gewitter auf die AS/400 niederprasseln: Zeitverzoegerung bei der Systemsoftware. Erst wenn IBM die endgueltige Version 3.6 von OS/400 ausliefert, koennen die Anwender mehr Leistung aus ihren RISC-Systemen herausholen, als dies heute moeglich ist. Das aber koenne noch Jahre dauern. "Heute ist es kostenguenstiger, einen Pentium-Server fuer die Programme anzuschaffen, die nicht unter OS/400 ablaufen muessen", empfiehlt Prickett.

Das Branchenblatt prognostiziert der AS/400-Vertriebsmannschaft ein hartes Jahr. Viele AS/400-Anwender, speziell solche mit kleinem DV-Budget, duerften ihre Arbeiten auf andere Systeme verlagern, wenn IBM die Probleme im Mittelklassebereich nicht loese.

Die Wege aus dem Preisdilemma sind zudem begrenzt, da IBM trotz rund 60000 AS/400-Verkaeufen pro Jahr niemals die Stueckzahlen der PCs erreichen wird. AEhnlich verhaelt es sich bei der Software, wo Big Blue sich zunehmend der Konkurrenz von NT ausgesetzt sieht. Die beeindrukkende Zahl von 300000 bisher vergebenen AS/400-Lizenzen ist genau das, was Microsoft jaehrlich an NT-Lizenzen vergibt, schreibt der Brancheninformationsdienst "Computergram".