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Gastkommentar


16.02.1996 - 

Benchmarking: Lernen von den Besten als Maxime

Uwe Grass, Marketing-Leiter GSSE GmbH, Braunschweig

Managern wird viel zugemutet. Neue Organisationsstrategien kommen und gehen. Das Kaizen-Konzept, das auf die kontinuierliche Verbesserung eines Teilbereiches abzielt, reicht haeufig nicht weit genug. Business Process Re-Engineering (BPR) findet im Prinzip jeder gut, doch muss an der raschen und erfolgreichen Umsetzbarkeit in den Unternehmen gezweifelt werden. Zwar gehen momentan viele europaeische Firmen den Schritt in Richtung radikale Neustrukturierung und haben vorzeigbare Erfolge, aber mindestens genauso viele gehen ihn nicht. Denn BPR ist kein Konzept zum Ausprobieren in Krisenzeiten. Gerade wenn der Absatz und das Quartalsergebnis zu wuenschen uebriglassen, sind pragmatische und schnelle Loesungen gefragt. Wie koennen Manager kurz- bis mittelfristig etwas zur Staerkung der Wirtschaftskraft ihres Unternehmens beitragen?

Benchmarking heisst das Zauberwort. Das Prinzip ist gar nicht so neu. Frueher sagte man schlicht Konkurrenzbeobachtung und meinte damit die Erforschung der Leistungsfaehigkeit der schaerfsten Mitbewerber. Fakten wie Kosten-Erloes-Struktur, Mitarbeiter, Marktpositionierung und Verhaltensabsichten wurden recherchiert und zusammengetragen, vielfach unter dem Siegel groesster Geheimhaltung und dem Ruch der Werksspionage. Was in der Regel fehlte, war ein konsequenter Bezug auf die eigenen Aktivitaeten. Von einer Infrastruktur, die die gewonnenen Erkenntnisse zur Grundlage der eigenen Organisationsentwicklung gemacht haette, war man weit entfernt.

Diese Zeiten sind vorbei. Heute wird Benchmarking als strukturierter Prozess des Lernens aus der Praxis anderer verstanden. Wettbewerbsvorteile sind zu erarbeiten durch Produkt- und Verfahrensneuerungen, aber auch durch soziale Innovationen etwa in der Mitarbeiter-Qualifizierung. Dem Benchmarking liegt eine einfache Frage zugrunde: "Wie kann unser Betrieb durch das Lernen von anderen, durch Leistungsvergleich, besser werden?" Viele Benchmarks sind strategisch orientiert. Das ist gut so, bedeutet aber auch, dass die erzielten Ergebnisse nur ungenau gemessen werden koennen.

Mit Vergleichen, die Kosten und Erloese zur Ausgangsbasis haben, faellt das naturgemaess viel leichter. Um dennoch zu tragfaehigen Aussagen ueber Erfolg und Misserfolg zu gelangen, sind zeitgemaesse Controlling-Mittel kreativ einzusetzen. Erkenntnisse der modernen Sozialforschung koennen hier hilfreich sein.

Bei wem finden Suchende nun Spitzenleistungen, mit wem moechten Sie Ihr Unternehmen messen? Sicherlich fallen einem spontan die Besten der Branche ein. Unbekannter, aber unter Umstaenden ebenso lehrreich sind die sogenannten Piraten, die "Outlaws", die oft als unwichtig eingeschaetzt werden, obwohl sie sich durch ungeheure Kreativitaet und Marktpotenz auszeichnen. Auch Unternehmen, die ganz anders geartet sind als das eigene, koennen trotzdem vergleichbare Taetigkeiten auf hohem Niveau und mit grossem Erfolg ausfuehren. Moeglichkeiten zur Stoffsammlung bieten internationale Datenbanken und Veroeffentlichungen oder Messen und Konferenzen.

Vielleicht wird man aber auf der Suche nach Bestleistungen auch im eigenem Unternehmen fuendig. Denn die Zeiten waren bestimmt nicht immer schlecht. Was wurde frueher anders gemacht, welche Geschaeftsstelle bringt ueberragenden Erfolg, welche Landesgesellschaft schwimmt ganz oben?

Unter Projektgesichtspunkten hat man mit diesen gedanklichen Vorarbeiten bereits die Planungsphase durchschritten und befindet sich mitten in der Analyse. Sehr nuetzlich ist es, das Wissen der Basis vor Ort anzuzapfen. Es gilt Defizite aufzudecken, den Sollzustand festzulegen und Verbesserungsplaene zu erarbeiten.

Neben der Projektleitung und besonders qualifizierten Mitarbeitern der Unternehmensbereiche entlang der Prozesskette werden unbedingt Sponsoren und Mentoren aus der Geschaeftsfuehrung benoetigt. Diese sorgen fuer die noetige Rueckendeckung und muessen fuer gezielte Aktionen zur Verfuegung stehen. Besonders kreative Koepfe bringen den Mut auf, externe Projektmitglieder zu gewinnen. Es kann eine enorme Bereicherung fuer das Team sein, die Sichtweisen der Kunden und Lieferanten einzubinden, von den sich daraus ergebenden neuen Geschaeftsmoeglichkeiten ganz zu schweigen. Ein projektbegleitender Controller oder ein entsprechendes Team coacht die Einfuehrung und Umsetzung der Massnahmen. Allein dieser Dialog wirkt sich bereits oftmals sehr guenstig aus.

Das Benchmark-Ziel ist erreicht, wenn die Arbeitsweisen der Besten verstanden und an die eigenen Anforderungen angepasst wurden. Die ueberarbeiteten individuellen Prozesse sind dann im Prinzip optimal. Die groesste Herausforderung bleibt jedoch das Best-of-best-Benchmarking.