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20.05.1988 - 

Ma Bells Italo-Connection bleibt bestehen, aber:

Benedetti hält mehr Olivetti-Aktien als AT&T

MAILAND/NEW YORK (CW) - Olivetti-Chairman Carlo de Benedetti hat für mindestens 150 Milliarden Lire Aktien des Unternehmens gekauft und damit seinen Anteil auf 20 Prozent erhöht. Mitsamt einer indirekten Beteiligung kontrolliert der italienische Magnat jetzt 30 Prozent von Olivetti, weit mehr als die amerikanische AT&T Corp., die gern in Ivrea das Sagen gehabt hätte.

"Nichts als Gerüchte!" Mit diesen Worten hatte vorige Woche der neue Chef der AT&T-Datentechnik, Robert Kavner, in Atlanta Pressemeldungen widersprochen, die Ehe mit Olivetti scheine in die Brüche zu gehen. Als Beweis fügte er hinzu, die PCs, die AT&T jetzt in den USA neu auf den Markt bringt, würden bei Olivetti hergestellt. Von einer Scheidung der Partner könne also keine Rede sein.

"Zwischen AT&T und Olivetti besteht eine solide Geschäftsbeziehung. Die Meldungen über eine Trennung mögen dafür gut sein, Zeitungen zu verkaufen, aber aus geschäftlicher Sicht geben sie keinen Sinn", stellte Kavner die Situation dar. Auch für die Rückkehr seines Vorgängers Vittorio Cassoni ins Olivetti-Stammhaus fielen Kavner passende Argumente ein: Der Italiener habe sich der AT&T-Strategie der "offenen Computerei" verschrieben, so daß es der Kooperation nur dienlich sein könne, wenn Cassoni zurück nach Ivrea geht. Beteuert der US-Manager: "Wir haben zweifellos die gleichen Vorstellungen und die gleiche Strategie".

Gleichzeitig erinnerte der neue Chef der Data Systems Group des Telekom-Giganten an die Kooperationsziele: Man wolle sich den Aufwand bei der Produktentwicklung teilen und beim Marktzugang die Kapazitäten gemeinsam nutzen. Was vor vier Jahren damit gemeint war, ist bis heute allerdings nicht einmal ansatzweise verwirklicht: AT&T hat mit den Telekommunikationsprodukten in Olivettis Heimmarkt Europa kein Bein auf die Erde bekommen, und als Vorkämpfer für das AT&T-Betriebssystem Unix hat sich der Italo-Konzern bislang nicht profiliert. Aber auch der Absatz der Ivrea-PCs in den USA hinkt weit hinter den Zielen her.

Indessen entpuppt sich der vermeintliche Ehekrach AT&T/Olivetti als ein Knatsch zwischen AT&T und Carlo de Benedetti. Dieser hätte nämlich gerne mehrere europäische Unternehmen, darunter die Société Générale de Belgique, unter seine Kontrolle gebracht, bekam aber beim Verkauf seiner Anteile am Food-Konzern Buitoni an die Schweizer Néstle-Gruppe Probleme durch den Einspruch von Minderheitsaktionären. Offenbar wollte er mit dem Verkauf eines Olivetti-Aktienpakets an AT&T seine Liquidität steigern liefen doch parallel Verhandlungen, in denen sich de Benedetti schließlich die Kontrolle über die Privatbank Credito Romagnolo und das Verlagshaus Arnaldo Mondadori sicherte.

Aber Benedetti bekam Druck aus Wirtschaftskreisen im eigenen Land; er dürfe ein italienisches Unternehmen nicht an Amerikaner ausliefern. AT&T-Chairman Robert Allen, der gerne die seinem Unternehmen heuer zustehende Option ausgeübt und den Anteil an Olivetti auf 40 Prozent erhöht hätte, erklärte sich im April nach heftigen Diskussionen mit de Benedetti bereit, es beim heutigen 22prozentigen Anteil zu belassen - wohl ohne zu ahnen, daß der italienische Magnat an der Mailänder Börse fleißig Olivetti-Aktien absorbierte.

Kein AT&T-Einfluß ohne Benedettis Okay

Die De-facto-Mehrheit im Olivetti-Verwaltungsrat, die AT&T mit dem 40-Prozent-Anteil gewonnen hätte, wäre ohne Benedettis Einverständnis übrigens nicht viel wert gewesen: Der Anfang 1984 in Kraft getretene Vertrag gibt Benedetti das Recht, bis 1993 Chairman zu bleiben. Und ohne direkten Einfluß auf das Tagesgeschäft wäre die Investition für den US-Konzern nicht sehr interessant.