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12.10.1984 - 

Ericsson sponsert 1. Weltkongreß Ergonomie für Computersysteme:

Benutzer sollten Maß aller Anwendungen sein

DÜSSELDORF (kul) - Mit den ergonomischen Standards verhält es sich wie mit den Hi-Fi-Normen: Ihre Erfüllung ist notwendig, aber bei weitem nicht ausreichend. Angesprochen von dieser Problematik sind nicht nur Hersteller von DV-Systemen, sondern auch die Benutzer selbst. Zu diesem Fazit kamen die Teilnehmer des 1. Weltkongresses Ergonomie für Computersysteme, der unter der Schirmherrschaft der Ericsson Information Systems GmbH in Düsseldorf stattfand.

Als Referenten hatte der schwedische Hersteller unter anderem Professor Alphonse Chapanis aus Baltimore, Begründer der Wissenschaft der Humanfaktoren und technischen Psychologie, Dr. Robert W. Bailey, Dozent für Humanfaktoren bei Computersystemen aus Menham/New Jersey sowie den britischen Ergonomiepädagogen Brian Shackel gewinnen können. Von deutscher Seite aus nahmen Dr. Ahmet Cakir, wissenschaftlicher Leiter des Ergonomic Institute for Social and Occupational Sciences in Berlin, sowie Dr. Ulf Merbold, Physiker und erster deutscher Raumfahrer, am Kongreß teil.

Wie vielfältig die ergonomischen Aspekte bei der Arbeitsplatzgestaltung sind, zeigte Dr. Toni Ivergard, Direktor der Abteilung Beschäftigungshygiene, Sicherheit und Ergonomie bei der skandinavischen Fluglinie SAS. Im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dieser Fluggesellschaft analysierte die schwedische Behörde für berufliche Gesundheit und Hygiene die physikalischen und psychologischen Bedingungen der Arbeitsumwelt in einem Verkaufs- und Buchungsbüro der SAS. Diese bereits seit 1976 laufenden Untersuchungen führten zu einer Reihe von Richtlinien für die Gestaltung von Büroarbeitsplätzen.

Benutzerfreundlichkeit fördert Akzeptanz

Ergonomisch konzipierte Computersysteme - so Dr. Robert W. Bailey in seinem Referat - helfen, die Benutzung zu verbessern, fördern eine positive Einstellung der Benutzer und kommen Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz zugute. Gesamtziel sei es, Lösungen zu finden, die dem Unternehmen einen Gewinn bringen. Bailey: "Die Akzeptanz wird durch Systeme gefördert, die der User leicht verstehen kann und die zu benutzen mehr Befriedigung und Freude verschafft."

Zum Thema Ergonomie bei der Hardware, also bei den Ein- und Ausgabegeräten, referierte Professor Brian Shackel. Berücksichtigt werden mußten bei der Konzeption vor allem die menschlichen Gewohnheiten. Shackel: "Viele ergonomische Aspekte lassen sich auf Verhaltensschemata zurückführen, die bereits in frühester Jugend erlernt wurden." Besonders eindringlich wies der britische Ergonomie-Experte darauf hin, daß die Computer-Anwendung benutzerorientiert sein müsse und nicht hard- und softwarezentriert.

Bildschirm im Zentrum der Diskussion

Im Mittelpunkt der Bemühungen um bessere ergonomische Gestaltung, aber auch der Kritik stand in Düsseldorf der Bildschirm. Welche Gesichtspunkte bei der Konzeption besonders zu beachten sind, war Thema des Vortrags von Wilbert O. Galitz, St. Charles, Illinois: Am wichtigsten seien eine geordnete, saubere Darstellung, klare Angaben, was zu tun oder einzugeben ist und welche Informationen verfügbar sind, sowie eine einfache Sprache.

Vor allem richtete sich die Kritik auf die gesundheitlichen Aspekte der Bildschirmarbeit. Beschäftigte und Gewerkschaften in allen Industrieländern, so war immer wieder zu hören, zeigten sich besorgt über die Auswirkungen der Arbeit am Rechner auf das körperliche und psychische Wohlbefinden der Mitarbeiter. Klagen über Ermüdung der Augen, Probleme mit der Körperhaltung und ähnliche Symptome seien weit verbreitet. Auch Bedenken wegen Strahlengefährdung, grauem Star und Epilepsie wurden im Teilnehmerkreis angemeldet. Wie Dr. Ahmet Cakir betonte, konnten derart schwere Auswirkungen bisher jedoch nicht nachgewiesen werden.

Inzwischen wurden in der ganzen Welt Richtlinien, Standards und Verordnungen über den Gebrauch von Bildschirmgeräten entwickelt, wobei die Bundesrepublik Deutschland eine führende Rolle einnimmt. Einige dieser Empfehlungen entstanden unter dem Druck des Marktes, andere kamen durch die Gesetzgebung zustande, wieder andere sind das Ergebnis von gewerkschaftlichen Forderungen. Beispiele sind die Arbeit im internationalen Normenverband ISO, in der internationalen Arbeitsorganisation ILO, in der Weltgesundheitsorganisation WHO oder die deutschen DIN-Normen. Resümierte Dr. Cakir: "Gemäß einer Definition der WHO bedeutet eine Störung des Wohlbefindens bereits eine Störung der Gesundheit." Bei den Geräteherstellern sollten die Forschungsanstrengungen folglich den Benutzer einbeziehen.