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26.04.1991 - 

User-Groups Lobby: oder Marketing-Werkzeug

Benutzergruppen sitzen zwischen den Stühlen

Mit der Etablierung der hiesigen DV-Szene entstanden etliche Anwendervereine und -verbände. Sie alle haben sich der Interessevertretung ihrer Mitglieder gegenüber den DV-Produzenten verschrieben. Allerdings gehen sie auf unterschiedliche Weise vor: Die einen sind sehr stark an bestimmten Produzenten orientiert, werden teilweise sogar von ihnen gesondert, die anderen hingegen haben sich Herstellerunabhängigkeit in die Vereinssatzungen geschrieben. Alle Gruppen halten selbstverständlich ihren jeweiligen Weg für den richtigen. Unabhängigkeit sei Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten sagen die einen; die Konzentration auf einen Produzenten biete die Gewähr für eine homogene Interessenslage der Gruppe und damit für die einfachere Durchsetzbarkeit der Forderung, postulieren die anderen. Weder die eine noch die andere Argumentationen läßt sich von der Hand weisen. Nur eines haben die herstellerbezogenen Gruppierungen gemeinsam: Neben der angestrebten Interessenvertretung fungieren sie automatisch - ob sie wollen oder nicht - auch als Marketing-Instrument für ihre Hersteller. Die COMPUTERWOCHE fragte neun User-Groups nach ihrer Arbeit, ihren Zielen und Schwierigkeiten.

Anwenderverbund Deutscher lnformationsverarbeiter e.V., ADI

Der ADI, einer der wenigen herstellerunabhängigen deutschen DV-Verbände, ist in weitgehend selbständige Landesverbände unterteilt, die ihre eigenen Veranstaltungen durchfuhren und selbst Arbeitskreise organisieren. Neben den regionalen gibt es verschiedene auf Bundesebene agierende Arbeitskreise zu den Themen Standardisierung, Telekommunikation und Datenschutz. Dem Bundesverband obliegen die Koordination, die Herausgabe der Verbandszeitung, die Pflege des Mitgliederbestandes, die Präsentation auf Messen und die Durchführung der einmal pro Jahr stattfindenden bundesweiten Veranstaltung. Zu den Beziehungen zu Herstellern befragt, erklärt der Vorstandsvorsitzende Gerhard Karck: "Uns gab es schon, als die Hersteller noch keine eigenen User-Groups hatten. Wir pflegen zu den DV-Produzenten gute Beziehungen, weil wir nicht von vornherein auf Konfrontationskurs gehen, sondern nur die Interessen und Forderungen der Anwender formulieren.

Als Beispiel für die Verbandsarbeit nennt er das frühzeitige Engagement bei Fragen der Datensicherheit. "Wir haben das, Thema Backup-Rechenzentren aufgebracht, und heute bietet praktisch jeder Hersteller solche Dienstleistungen an." Außerdem habe man sich schon 1972 mit den Problemen des Datenschutzes befaßt. "Wir forderten bereits damals die Politiker auf, sich mit dem, Problem intensiv zu befassen."

OS/2-User-Group

Im klassischen Sinne eigentlich keine Anwendergruppierung ist die OS/2-User-Group, die von Computerland Europa ins Leben gerufen wurde und nun seit Dezember 1989 in einer BGBähnlichen Rechtsform existiert. Ihre 400 Mitglieder setzen sich zu 50 Prozent aus Anwendern, zu 30 Prozent aus Software-Entwicklern und zu 20 Prozent aus Herstellern und IBM-System-Center-Händlern zusammen. Eine BGB-Gesellschaft habe man deshalb gegründet, weil der Verwaltungsaufwand geringer sei als bei einem Verein, berichtet Klaus Hopp, Koordinator der Gruppe.

Das Ziel bestehe in der "Verbreitung des Wissens um OS/2 und dem Austausch von entsprechenden Anwendungserfahrungen". Deshalb, berichtet Hopp weiter, würden etwa alle sechs bis acht Wochen eintägige Workshops beziehungsweise zweitägige Konferenzen durchgeführt.

Darüber hinaus seien acht Arbeitsgruppen eingerichtet die sich mit Themen wie Kommunikation unter OS/2, Office-Vision und OS/2-Systemtechnik befassen.

IBM, Microsoft und Novell unterstützen die Gruppe mit Zahlungen von rund 100 000 Mark im Jahr. Der Koordinator sieht die Unterschiede zu den klassischen User-Groups sehr wohl: "Die Hersteller betrachten diese Gruppe auch als Instrument, um das Verständnis für OS/2 zu erhöhen."

Was das Engagement der Mitglieder angeht, steht Hopp jedoch vor den gleichen Problemen wie die Vorstände der anderen User-Vereinigungen auch: "Wir würden uns mehr Aktivitäten unserer Mitglieder wünschen."

Interessenverband der Nixdorf-DV-Anwender, INA

Eine Anwendervereinigung ganz besonderer Art stellt der Interessenverband der Nixdorf DV-Anwender (INA) dar. Zwar ist die Gruppe bereits seit Mitte vergangenen Jahres aktiv, doch die Eintragung als Verein ist bis heute nicht geglückt.

Anlaß für die Gründung der Vereinigung von 8870-Besitzern war das Scheitern der Nixdorf AG. Die Mittelständler wußten, daß ihre Maschinen veraltet waren und hatten darauf vertraut, daß ihnen der Hersteller den Weg in die Unix/Targon-Zukunft weisen würde.

Auf ihrem ersten Treffen im Juni 1990 fragten sie Vertreter von Siemens und Nixdorf nach Zukunftsperspektiven und übten herbe Kritik. Daraufhin versicherten die Herstellervertreter nach Monaten ohne eine klare Stellungnahme, daß die zukünftige Siemens Nixdorf Informationssyteme (SNI) AG nicht gewillt sei, auf einen Markt mit immerhin 60 000 Installationen zu verzichten. Kurz: Die Anwender sollten mitsamt ihrer Comet-Software auf Unix umsteigen.

Kurze Zeit später bot die Siemens-User-Group Save den Nixdorf-Anwendern den Beitritt an. In einer von INA durchgeführten Umfrage zeigten die 8870-Anwender jedoch mehr Interesse an einem Umstieg in Richtung Unix als am Nixdorf-Nachfolge-Unternehmen SNI. Durchschnittlich 37 Prozent von über 400 Benutzern der Modelle M7 bis M75 wollten kurzfristig das System wechseln. Als Ausweichumgebungen wurden gleichermaßen PC-Netzwerke, proprietäre Midrange-Umgebungen wie die AS/400 von IBM, aber auch Unix-Lösungen angegeben.

Die Umfrage, zumal sie nicht vertraulich behandelt wurde, hat die Anwendervereinigung bei SNI nicht gerade beliebt gemacht. Die INA-Verantwortlichen sind recht eigenmächtig vorgegangen. Anstatt mit uns zu reden, haben sie sich lieber an die Presse gewandt, beschreibt SNI-Manger Wolfgang Wichmann, zuständig für die Migration der 8870-Anwender auf Sinix, die unbequeme Anwendervereinigung.

Inzwischen haben sich die INA-Gründer zerstritten. Der ursprüngliche Initiator, Max Pfefferle, ist nicht mehr mit von der Partie.

Kurz nachdem die Eintragung als Verein wegen - wie Pefferle sagt - formaler Mängel scheiterte, haben nun seine früheren Partner die Registrierung des Interessenverbandes der Nixdorf-DV-Anwender I/N/A beantragt.

Siemens Anwenderverein e.V. Save

Die Geschichte von Save begann bereits 1973, als der Verein der wissenschaftlichen Anwender der Siemens-Computer (Wasco) und das Siemens-Computer User-Team (Scout) gegründet wurden. Aus der Fusion der beiden Vereine entstand 1985 der Siemens-Informationstechnik Anwenderverein. Rund 510 Mitglieder hat der eingetragene Verein heute, die nach Save-Angaben rund 50 Prozent des BS2000-Installationswertes in Deutschland repräsentieren. "Wir haben in unseren Aufnahmebedingungen eine Mindestgröße fest gelegt. Der Anwender muß zumindest ein BS2000-System ab C30 oder eine MX500, mehrere vernetze MX300, Hicom 300 oder entsprechendes Nixdorf-Equipment einsetzend", erläutert Vorstandsmitglied Joachim Zeiler.

Die notwendigen Mittel für Verwaltung und Veranstaltungen stammen zum Teil aus den Mitgliedsbeiträgen, zum Teil aber auch von SNI. Der Hersteller bezahlt die Kosten für das Vereinsbüro und drei hauptamtliche Mitarbeiter.

Zur Zeit existieren 20 Arbeitskreise, die sich entweder an der Hardware, den Betriebssystemen oder an verschiedenen Applikationsprogrammen orientieren. Diese Arbeitskreise sind wiederum zu Divisions zusammengefaßt, für die jeweils ein Vorstandsmitglied zuständig ist. In den Arbeitskreisen werden neben dem Erfahrungsaustausch, der hier gepflegt wird, vor allem auch Entwicklungsanträge an den Hersteller formuliert. "In den letzten zehn Jahren ist unseren Vorschlägen in 60 Prozent aller Fälle entsprochen worden", freut sich Zeiler.

Der Einfluß geht soweit, daß die Anwendervereinigung in einem Review-Verfahren zu wichtigen Produktentwicklungen oder -änderungen Stellung nehmen kann.

Außerdem wurde bereits vor Jahren eine Schnittstellengarantie vereinbart, in der festgelegt ist, daß Modifikationen an wichtigen Interfaces erst zwei Jahre nach ihrer Ankündigung implementiert werden dürfen. Innerhalb der sogenannten Strategiekommission diskutiert man außerdem künftige Entwicklungslinien mit SNI.

Zeiner gibt allerdings zu, daß sich die Stärke von Save in erster Linie auf die BS2000-Welt bezieht. Wir versuchen zwar auch im Sinix-Bereich, Einfluß zu gewinnen, aber das ist bei einem für den Massenmarkt gestimmten Produkt nicht einfach."

Trotz des eingestandenermaßen engen Verhältnisses zum Hersteller sieht Zeiner keine Probleme für die Interessenvertretung: "Unsere Großanwender gehen nicht blauäugig mit SNI um und können auch den notwendigen Druck ausüben, weil sie nicht nur SNI-Produkte einsetzen.

Common Europe Deutschland e.V. Association of IBM Computer Users

Die Common Europe Deutschland vertritt vor allem die Interessen der Anwender von kleineren und mittleren IBM-Rechnern. Dabei stehen AS/400 und /3x im Vordergrund, deren Betreiber 70 Prozent der Mitglieder stellen.

Die Vereinigung vertritt aber auch Anwender der IBM-Unix- Systeme RS/6000 und der 43xx-Rechner, die unter DOS/VSE oder VM laufen. Obwohl die RS/6000 als Verkaufsschlager gilt, spielen die Kunden dieser Maschinen laut Ton Tilburg, Präsident von Common Europe Deutschland, bisher kaum eine Rolle.

Ganz anders die 43xx-Anwender. Hier gemahnt der Vereinspräsident den Hersteller an das Versprechen, die Investitionen der Anwender zu schützen: "Wir sorgen dafür, daß die so oft totgesagten VSE-Systeme weiterhin unterstützt werden." Auch der jüngste Erfolg von Common Europe betrifft die Weiterentwicklung eines von der IBM eigentlich schon aufgegebenen Systems. Die Gruppe konnte den Hersteller veranlassen, ein neues Betriebssystem-Release für die auslaufenden /36-Rechnermodelle anzubieten.

Den Kontakt zur IBM beschreibt Tilburg als eng. Die Stuttgarter greifen ihrer organisierten Anwenderschaft allerdings finanziell nur durch die kostenfreie Bereitstellung von Referenten unter die Arme. Die Abhängigkeit vom Hersteller ist deshalb für Tilburg kein Thema. Treffen mit der Geschäftsleitung finden auf der Jahreskonferenz der Vereinigung statt: Dort stellen sich die IBM-Manager den Fragen der Anwender.

Ein ähnliches Forum steht der Common Europe auch auf internationaler Ebene zur Verfügung, da sie organisatorisch der Common Europe International angegliedert ist. Außerdem veranstaltet die Vereinigung Workshops und gibt eine Vereinszeitung heraus.

Guide, Deutsche Region

Wenig zufrieden mit dem Einfluß auf seinen Hersteller gibt sich Guide-Regional-Manager Jürgen P. Dostal, der vor allem die Interessen der IBM-Großanwender vertritt. Zum einen, so räumt er ein, brauchen die wirklich großen Kunden des Mainframe-Riesen keine Interessenvertretung durch Guide. Auf der anderen Seite beklagt er, daß die Wünsche von US-Anwendern weit wichtiger genommen werden als die der hiesigen Mitglieder. Dostal faßt zusammen: "Mit dem langfristigen konzeptionellen Einfluß auf die IBM-Politik durch Guide bin ich auch Oberhaupt nicht zufrieden."

Die Frage, ob die Herstellernähe einer Anwendervereinigung wie Guide nicht zu Abhängigkeiten führe, beantwortet Dostal mit der Gegenfrage, wer hier von wem abhängig sei. Solange IBM seinen kommerziellen Erfolg dem Investitionsschutz der Anwender verdanke, könnten diese Einfluß auf die Entwicklungen der Armonker nehmen. Umgekehrt hätten die IBM-Kunden inzwischen recht gut gelernt, mit ihrer Herstellerabhängigkeit zu leben.

Neu ist die Beschäftigung von Guide mit offenen Systemen. So steht auf dem im Mai stattfindenden Manager-Forum zum ersten Mal das Thema Unix auf der Tagesordnung.

Dostal sieht keinen Grund, warum es nicht in ein bis zwei Jahren einen Arbeitskreis Unix geben sollte. Zu der Ansicht, daß offene Systeme Investionen besser schützen könnten als proprietäre Produkte, äußert er sich jedoch skeptisch: "Dafür ist nach wie vor die Wahl des oder der richtigen Partner viel entscheidender".

In der deutschen Region der IBM-Benutzervereinigung sind über 600 Firmen organisiert. Hierzu zählen nahezu, alle großen Unternehmen und öffentliche Verwaltungen. Kriterium für die Mitgliedschaft ist bislang die Installation eines IBM-Rechners der /370-Familie oder einer großen AS/400; außerdem wird die Bereitschaft gefordert, aktiv mitzuarbeiten.

Die Wang-User-Group Deutschland ist ein eingetragener Verein, der 1986 gegründet wurde. Die Gruppe verfügt heute über insgesamt 187 Mitglieder in Deutschland. Bis auf Vertriebspartner des Herstellers kann jeder Wang-Anwender Mitglied werden.

"Unser Hauptaugenmerk liegt auf dem Informationsaustausch, auf gegenseitiger Hilfestellung, auf der Weitergabe von lizenzfreier Software und auf der Interessenvertretung gegenüber dem Hersteller", erklärt der Vorstandsvorsitzende Michael Notowitz.

Einmal pro Jahr findet ein Anwendertreffen statt. Hier wünscht sich der Vorstand größeres Engagement seiner Mitglieder. "Es kommen jeweils 20 Prozent zu diesen Treffen. Die kommen zumeist deshalb, weil sie Probleme haben", bedauert Notowitz.

Dabei erwarten die Anwender einiges von ihrer User-Group. Das reicht von Beratungsaktivitäten, Informationen zu neuen Produkten bis hin zur Aufforderung an den Hersteller, bestimmte Probleme aus der Welt zu schaffen.

Geht es allerdings um den direkten Kontakt zwischen der Wang-User-Group und der deutschen Dependance des Herstellers, treten Probleme auf, die nichts mit Hard- oder Software zu tun haben. Wang ist in dieser Hinsicht besonders sperrig, bedauert Notowitz. Deshalb versucht die WUG, Probleme mit Hilfe ihrer Großanwender lösen zu lassen. "Die werden einfach ernster genommen als wir. Wenn die Schwierigkeiten haben, ist der Hersteller sofort zur Stelle."

Notowitz und Martin Glückmann, der bis vor kurzem den.

Neutrale herstellerunabhängige Informationsverarbeitungs-Benutzergruppe e.V., Nibeg

Vorsitz der WUG innehatte und jetzt im Vorstand als Berater fungiert, führen das schlechte Verhältnis zwischen User-Group und Hersteller zum einen auf Wangs Widerstreben zurück, eine kritische Anwendervereinigung anzuerkennen, in der zudem im Gründungsjahr keine Großanwender vertreten waren. "Inzwischen zählen aber auch Key-Accounts zu unseren Mitgliedern", berichtet Glückmann. Zum anderen plante Wang schon damals, eine eigene Gruppe ins Leben zu rufen. Allerdings erblickte diese Gruppierung erst im März dieses Jahres unter dem Namen Wang-Anwender-Forum das Licht der Welt.

Diese langen Geburtswehen waren offenbar für viele Anwender (auch von VS-Systemen) Grund genug, sich in der WUG zu engagieren. Die internationalen Kontakte der Gruppe sind nach Aussagen der beiden Vorstandsmitglieder gut. Allerdings bringt die Gründung der konkurrierenden Anwendergruppe, die laut WUG-Vorstand nach derem eigenen Bekunden an einer Zusammenarbeit nicht interessiert ist, der WUG große Schwierigkeiten.

"Über die Europazentrale von Wang wird Druck auf die europäische Vereinigung der Wang-User-Groups, die Eswu, ausgeübt, uns durch das Anwenderforum zu ersetzen, weiß der Vorstand, der das Verhalten der deutschen Wang für völlig verfehlt hält: "Die Mitglieder sind mit unserer Arbeit und unserem Engagement zufrieden."

Bis jetzt, ergänzt Notowitz, sei aus ihrer Gruppe kaum jemand ausgetreten, weil er unzufrieden gewesen sei, sondern nur, wenn er das Equipment gewechselt habe.

Die Übersetzung des Kürzels war bis zum vergangenen Jahr einfacher, damals stand die Abkürzung für Nixdorf-Benutzergruppe, eine Art Notgemeinschaft, die Nixdorfs 8870- und 8890-Anwender vertrat. Heute versteht sich die Benutzergruppe als herstellerunabhängig und strebt nach eigenem Bekunden zu offenen Systemen. Die bisher 35 Mitglieder kämen zwar, so Vorstandsvorsitzender Hans Peter Nickenig, aus der Nixdorf-Welt, aber "wir sind gegenüber jedem DV- beziehungsweise IS-Verantwortlichen offen, der ein Forum für den gemeinsamen unabhängigen Erfahrungsaustausch sucht.

Um der Aufgabe, - "den Anwendern ein starker Partner auf dem Weg zu offenen Systemen zu sein" - gerecht werden zu können, hat der Vorstand des Vereins eine Aufgabenmatrix erarbeitet: "In der Horizontalen geht es um Systemgruppen wie Mainframes und PCs, aber auch um Bürokommunikations- und

Deutsche Oracle Anwender-Gruppe e.V., Doag

Vermittlungssysteme. In der Vertikalen wird das Ziel verfolgt, die DV- beziehungsweise IS-Komponenten zu definieren, die im Spannungsfeld der Systemgruppen strategische Bedeutung haben. Dies sind zum Beispiel Hardware-Architekturen, Betriebssysteme, Netzwerke und andere wichtige Komponenten wie auch das Vertragsrecht. Es geht jetzt darum, Arbeitsgruppen einzurichten, die sich mit den Aufgabenfeldern dieser Matrix speziell aus der Anwendersicht beschäftigen", erläutert Nickenig das Programm. Selbstverständlich könne man am Anfang nicht für jede Systemgruppe Arbeitskreise einrichten, vielmehr solle die Matrix dem Verein als gemeinsame Arbeitsplattform dienen.

Die Nibeg ist nach eigenen Aussagen von keinem Hersteller abhängig: "Damit schaffen wir eine wesentliche Voraussetzung für die unabhängige Unterstützung der Anwender", postuliert Nickenig.

Die Vereinigung um den Datenbankhersteller Oracle ist zwar ein eingetragener Verein und nicht an Gewinn orientiert, ein Antrag auf "Gemeinnützigkeit" wurde allerdings mit der Begründung abgelehnt, daß sie sich an einem einzigen Hersteller orientiere. Doag-Vorsitzender Jochen Frickel läßt dieses Argument allerdings nur eingeschränkt gelten. Zwar seien die Mitglieder alle Oracle-Kunden, sie würden aber auch über Produkte anderer Unternehmen informiert. Als Beispiel nennt er Seminare zu den Themen KI-Shells und 4GL-Werkzeuge.

Besonderen Wert legt Frickel auf die Feststellung, daß die Doag ihre Mitglieder unbeeinflußt von der Herstellermeinung über alle wichtigen Vorgänge im DV-Bereich informiere. Die Jahresversammlung wird allerdings traditionell von der Marketing-Abteilung von Oracle organisiert.

Finanzielle Unterstützung gibt es laut Frickel nicht. So zahlt die Doag für ihr Sekretariat im Oracle-Gebäude sowohl Miete als auch Büromaterial. Das Geld dafür bringt der Verein vor allem durch die Mitgliedsbeträge auf. Zusätzliche Finanzmittel kommen durch die Jahreshauptversammlung in die Vereinskasse.

Bei der Einflußnahme auf die Produktpolitik von Oracle kann die seit drei Jahren existierende Gruppe erste Erfolge aufweisen. Als sich die Probleme bei der Umstellung der Anwender auf die Version 6 des Oracle-Datenbanksystems häuften, konnten wir den Hersteller dazu bringen", so Frickel, "daß er kurzfristige Umstellungshilfen organisierte und zudem Informationen freigab die eigentlich nicht für die Anwender gedacht waren." Weil Oracle seine Datenbank auf immer mehr Betriebssystem-Plattformen anbietet, denkt man auch im Verein daran, Untergruppen für die verschiedenen "Welten" einzurichten. Angesichts der bisher knapp 170 Mitglieder fehlt Fricke noch die für eine solche Aufspaltung nötige "kritische Masse". Außerdem seien die PC und Mainframe-Anwender in der Minderheit; die meisten benutzen die Datenbank unter Unix oder unter dem Digital-Betriebssystem VMS.