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13.01.2005

Berater müssen organisieren können

Petra Stange*
IT-Dienstleister suchen Mitarbeiter, die nicht nur das technische Handwerkszeug mitbringen. Sie brauchen auch praktische Erfahrungen in der Projektorganisation, Kommunikation und simultanen Zusammenarbeit mit mehreren Teams.

Alles deutet auf Entspannung hin: Die Gesellschaft für Informatik bezeichnete jüngst die langfristigen Berufsaussichten für IT-Spezialisten als "gut". Auch die Zahl der Stelleninserate ist im zurückliegenden Jahr wieder gestiegen. Doch nach wie vor haben viele Absolventen große Schwierigkeiten, eine adäquate Anstellung zu bekommen. Der Grund: Sehr gute Kenntnisse und Fähigkeiten in der IT allein reichen heute oft nicht mehr aus, eine interessante Aufgabe zu finden.

Arbeitsmarkt normalisiert sich

Was hat sich im Vergleich zur Situation von vor fünf Jahren geändert? Erstens war damals der IT-Arbeitsmarkt durch die Sonderkonjunkturen der Jahr-2000- und Euro-Umstellung vorübergehend überlastet. Sie brachten nur zeitweise zusätzliche Informatiker in Lohn und Brot. Zweitens stehen in deutschen Unternehmen heute immer weniger die rein operativen IT-Aufgaben auf der Tagesordnung. Das verbesserte Management bestehender Anwendungen und deren engere Verknüpfung mit den Geschäftsprozessen machen das Gros der Aufgaben aus. Drittens macht sich auch in der IT die internationale Konkurrenz zunehmend bemerkbar: In anderen Ländern gibt es inzwischen ebenfalls gut ausgebildete Entwickler und Tester, die ausführende Tätigkeiten für weniger Geld erbringen.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass in der deutschen IT-Branche die Arbeit knapp wird. Vielmehr verändern sich die Anforderungen. Verlagern Unternehmen Entwicklungsaufgaben nach Indien oder Osteuropa, entstehen auch hierzulande neue Arbeitsplätze. Denn je verteilter ein Softwareprojekt geografisch und von den beteiligten Partnern her ist, um so mehr muss ein Auftraggeber vor allem in Projekt- und Qualitäts-Management investieren. Dieses Know-how findet er wiederum bei den heimischen Dienstleistern.

Ein Beispiel für benötigte Services ist das Monitoring der Lieferanten: Je mehr Aufgaben Unternehmen an Zulieferer vergeben, umso mehr müssen sie in Mitarbeiter und Verfahren investieren, welche die Qualität der Leistungen über so genannte Key Process Indicators sicherstellen.

Moderation im Konfliktfall

Ein weiteres Beispiel ist die Moderation im Konfliktfall: Mit der Anzahl der Partner steigt auch das Konfliktpotenzial in einem Projekt. Zahlreiche IT-Projekte geraten durch Zeit-, Budgetüberschreitungen oder inhaltliche, später dann durch juristische Auseinandersetzungen zwischen Auftraggeber und -nehmer in eine Schieflage. Unabhängige Qualitätsprüfer und Moderatoren tragen dazu bei, die Zusammenarbeit der Partner von Anfang an klar zu strukturieren und im Konfliktfall zu versachlichen. Experten, die hier die kritischen Erfolgsfaktoren kennen, brauchen vor allem Projekterfahrung.

Deshalb haben Berater, die schon einige Jahre in wechselnden Projekten ihre Management-Qualifikation ausbauen konnten, derzeit bei Anbietern von IT-Services die besten Chancen. Das Beispiel der SQS Software Quality Systems AG spiegelt diesen Wandel wider: Viele Kunden fragten bei den Kölner Experten für Software-Qualitäts-Management vor fünf Jahren nach, um eine personelle Entlastung zu erreichen; sie brauchten Mitarbeiter für rein operative Tätigkeiten in Entwicklung und Test. Auch fachfremde Akademiker wie Geologen, Biologen oder Geisteswissenschaftler hatten eine Chance, wenn sie ein ausreichendes Interesse an IT-Themen mitbrachten und das notwendige Fachwissen schnell lernten. Ebenso waren Diplominformatiker auch ohne Berufs- erfahrung gefragt. Beide Gruppen haben es heute schwerer: Quereinsteiger und Informatikabsolventen mit bloßem Technikwissen kommen unter den derzeitigen SQS-Einstellungen praktisch nicht mehr vor. Dagegen zählt die Kombination aus technischem Spezialwissen und Management-Qualitäten.

"Unsere Kunden fragen heute vor allem, welchen Beitrag die IT fürs Geschäft leistet, und stellen viele ihrer IT-Prozesse auf den Prüfstand", sagt der im SQS-Vorstand für die Personalentwicklung zuständige Heinz Bons. "Gefragt sind deshalb Experten, die Strukturen und Prozesse wirtschaftlicher machen können." Die künftigen Berater müssten über technisches Know-how und die Fähigkeit verfügen, in Prozessen, wirtschaftlichen Zusammenhängen und über Fachgrenzen hinaus zu denken.

Das auf dem IT-Arbeitsmarkt nach-gefragte Bewerberprofil ist anspruchsvoller geworden: Basis bleibt zwar eine handwerklich gute technische Aus-bildung, am besten mit Schwerpunkten in zukunftsträchtigen Technologien. Immer wichtiger werden jedoch praktische Erfahrungen bei der Projektorganisation, in Kommunikation und simultaner Zusammenarbeit mit mehreren Teams. Entsprechend sind IT-Dienstleister vor allem in der Weiterbildung ihrer bereits vorhandenen Mitarbeiter in der Pflicht. "Heute müssen wir dafür sorgen, dass unsere Mitarbeiter ihre Fähigkeiten ständig verbreitern und vertiefen." (am)