Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

24.01.1986

Berater werden zunehmend zur Spezialisierung gezwungen

Der Bereich Informatik hat inzwischen eine Wissensbreite erreicht, die es auch Fachleuten unmöglich macht, in allen Einsatzgebieten vollständig auf dem laufenden zu sein. Für die Beraterzunft bedeutet dies nach Ansicht von Professor Wolfgang H. Janko von der Universität Karlsruhe die Einschränkung der Beratung auf ein überschaubares Teilgebiet. So halt Rüdiger De Schmidt, Leiter Bürosysteme bei der Degussa AG, den Bereich Bürokommunikation für ein Iohnendes, aber sehr schwieriges Tätigkeitsfeld. Hier helfe nämlich Technikwissen allein nicht weiter. "Zu beneiden sind diese Spezialisten jedenfalls nicht", betont Herbert Mayer, Leiter RZ bei der Falken-Gruppe. Schließlich müßten sie ständig dem neuesten Wissensstand in ihrer Spezialdisziplin hinterherjagen. bk

Herbert Mayer

Leiter Rechenzentrum,

Franz Falke-Rohen

Strumpfwarenfabriken GmbH,

Schmallenberg

Bei den "Beratern" unterscheide ich zwei Gruppen: die Beratungsunternehmen und die Einzelkämpfer.

Die Anforderungen des Anwenders an beide Gruppen sind sicher immer gleich: Der Berater soll die ihm gegebene Aufgabenstellung richtig erkennen, eine vernünftige Lösung finden und auch dafür geradestehen.

Wie sieht die Praxis aus? Beratungsunternehmen werben bei der Akquisition damit, daß aus einem großen Stab hochqualifizierter, akademisch ausgebildeter Mitarbeiter mit umfangreicher Praxiserfahrung für jedes Problem Fachleute verfügbar sind. Einzelkämpfer werben mit Referenzen und versuchen, in persönlichen Gesprächen zu überzeugen.

Die Erfahrungen meines Hauses bei der Zusammenarbeit mit Vertretern aus beiden Gruppen sind gleich: Alle kochen nur mit Wasser. War die Beratungsarbeit erfolgreich, auch aus der Distanz einiger Jahre gesehen, herrscht eitel Sonnenschein. Zeigt die Praxis, daß das Ergebnis der Beratungsarbeit den gewünschten und vor allem den versprochenen Erfolg nicht bringt, ist das gute Geld für den Berater ohne Nutzen ausgegeben. Regreßansprüche können nicht geltend gemacht werden.

Trotzdem, so glaube ich, hat die Zunft der Berater eine Zukunft. Gerade in unserer heutigen Zeit, in der die Intervalle der Innovationen immer kürzer werden. Denn nicht jedes Unternehmen kann Mitarbeiter beschäftigen, die für jedes Organisationsproblem, egal ob technisch oder administrativ, moderne Lösungen erarbeiten können.

Zumal durch die Preisentwicklung der DV-Geräte immer mehr mittlere und kleine Unternehmungen Datenverarbeitung und Prozeßsteuerung zur Kostenreduzierung einsetzen. Dieser Markt wird für die "Einzelkämpfer" interessant werden.

Hinzu kommt noch, daß sich durch den Einbau von Mikroprozessoren in unterschiedliche Geräte (Hantierungsautomaten, Maschinensteuerung) oder die Leistungsexplosion bei den PCs der Einsatz solcher Geräte und Verfahren insgesamt sehr schwer beziehungsweise nicht mehr überblicken läßt.

Berater mit entsprechendem Spezialwissen und Spezialerfahrung können und müssen hier helfen.

Zu beneiden sind diese Spezialisten nicht. Sie sind gezwungen, dem neuesten Wissensstand in ihrer "Spezialdisziplin" hinterherzujagen. Wer den Anschluß verpaßt oder auf das falsche Pferd setzt, ist dann schnell weg "vom Fenster".

Rüdiger De Schmidt

Leiter Bürosysteme, Degussa

AG, Frankfurt

Drei unterschiedliche Anlässe für den Einsatz von externen Beratern in einem Unternehmen kann man unterscheiden:

1. Es wird ein Spezialist benötigt mit besonderem Fachwissen, das im eigenen Haus nicht oder noch nicht vorhanden ist.

2. Es wird zusätzliche, meist zeitlich befristete Personalkapazität benötigt, um Engpässe zu beheben.

3. Es wird ein Katalysator benötigt, der schwierige Entscheidungsprozesse in Gang bringen und beschleunigen kann.

Aus diesen unterschiedlichen Einsatzarten ergeben sich auch unterschiedliche Qualifikationsanforderungen an die Berater. Um das Niveau eines besonderen Spezialisten erreichen und halten zu können, sind außerordentliche Maßnahmen der Fort- und Weiterbildung erforderlich, die nur beim Vorhandensein der erforderlichen persönlichen Voraussetzungen erfolgreich sein können. Beim Einsatz als Kapazitätserweiterung ist der in diesem Tätigkeitsfeld übliche Bedarf an Weiterbildung zu berücksichtigen. Der "Katalysator" benötigt zwar auch großes Fachwissen und -können, wichtiger sind hier aber die persönlichen Voraussetzungen für eine solche Aufgabe. Da diese Fähigkeiten mehr im Verhaltensbereich liegen, sind sie nur schwer beziehungsweise nur mit hohem Aufwand erlernbar.

Ähnlich schwierig sieht es auf einem relativ neuen Aufgabengebiet der Beratung aus, der Bürokommunikation. Solange dieses Aufgabengebiet auch von den Beratern noch als ein rein technisches Problem gesehen wird, werden sich die Mißerfolge weiter mehren. Die Planung und Realisierung von Konzepten der Bürokommunikation greifen sehr stark in die Arbeitsweisen und Arbeitsabläufe in den Verwaltungen ein. Die hierdurch ausgelösten Änderungsprozesse sind sehr komplex. Sie erfordern von den Verantwortlichen beziehungsweise Beratern ein hohes Maß an Kenntnissen und möglichst auch Erfahrungen über den Ablauf und die Steuerung solcher organisatorischen Sinderungsprozesse. Technikwissen allein hilft da wenig weiter. Hier ist ein erhebliches Defizit an organisationspsychologischen Kenntnissen feststellbar. Fairerweise muß man allerdings sagen, daß dieses Defizit zur Zeit nicht nur bei den Beratern besteht, sondern auch bei vielen Fachspezialisten in den Unternehmen und bei den Herstellern. Wenn sich Berater als eine Art Vorhut für neue Entwicklungen verstehen, eröffnet sich ihnen hier ein zwar schwieriges, aber auch lohnendes Tätigkeitsfeld.

Prof. Dr. Wolfgang

H. Janko

Institut für Angewandte

Betriebswirtschaftslehre und

Unternehmensführung,

Universität Karlsruhe

Die Informatik hat in diesem Jahrzehnt eine Wissensfülle und Wissensbreite erreicht, die es auch dem Fachmann bereits unmöglich macht, in allen Einsatzbereichen einigermaßen vollständig informiert zu sein, geschweige den über die neuesten Entwicklungen in den verschiedenen Arbeitsbereichen der Informatik Bescheid zu wissen. Die daraus zu ziehende Schlußfolgerung ist eine Notwendigkeit der Einschränkung des Informations- und Beratungsbereichs auf einen überschaubaren und entwicklungsfähigen Teilbereich. Durch gezielte Aufteilung eines gesamten Fachbereiches auf Gruppen und Gruppenmitglieder kann bei breiterer Personaldecke durchaus ein großes Feld abgedeckt werden.

Um nun auf einem entsprechend eingeschränkten Arbeitsbereich gezielt informiert zu sein, ist es zweckmäßig, zwischen aktuellem, taktischem und strategischem Wissen nach der Weite des Informationshorizontes zu unterscheiden. Strategisches Wissen soll erlauben, grundsätzliche Trends der Forschung und Entwicklung in einem Fachbereich zu erkennen, um mit den Entwicklungen der nächsten Jahre gedanklich und somit planerisch frühzeitig vertraut zu werden. Zu diesem Zwecke ist es notwendig, in den entsprechenden Fachpublikationen, die sich der Grundlagenforschung der einzelnen Arbeitsbereiche widmen, zumindest die Trends in Forschung und Entwicklung in ihren wesentlichen Ergebnissen zu verfolgen.

Da auch bei diesen Publikationen infolge des Referierungsverfahrens beträchtliche Zeit vergeht, bis die Forschungsresultate veröffentlicht werden, empfiehlt es sich, solche Konferenzen zu besuchen, in denen einschlägig tätige Forscher und Entwickler über ihre Ergebnisse kurzfristig berichten. Die mündliche Diskussion und das mündliche Gespräch anläßlich solcher Konferenzen ist ein bedeutender Informationsfaktor, der nicht nur den eigenen Wissensstand, sondern auch die eigene Beurteilungsfähigkeit von Entwicklungstendenzen erweitert.

Taktisches Wissen mit einem Informationshorizont von etwa ein bis anderthalb Jahren wird man durch Studium der Ankündigungsberichte, durch Studium von Artikeln in anwendungsorientierten Zeitschriften und durch Besuch von geeigneten anwendungsorientierten beziehungsweise produktorientierten Konferenzen und Messen ähnlich wie strategisches Wissen erwerben.

Aktuelles Wissen über Stand von Hard-, Soft- und Orgwareangebot, Konsumentengewohnheiten sowie Konsumentenbedarf erwirbt man insbesondere in Ausbildungslehrgängen durch Hersteller, Datenverarbeitungsschulen beziehungsweise ähnlichen Institutionen und Berichte a Marktforschung(sinstitute).

Ebenso können Messen und Ausstellungen, populärwissenschaftliche Zeitschriften, fachspezifische Wochenblätter, Herstelleranfragen und Einsatzberichte den Stand des Wissens über die Verwendung von Hard-, Soft- und Orgware und existierende Benutzertrends verbessern. Lehrbücher, Handbücher und andere Unterrichtshilfsmittel sind geeignet, den Wissensstand in verschiedenen Bereichen zu vertiefen beziehungsweise einen eigenen Kenntnisstand zu erweitern oder erst zu schaffen. Allerdings ist es vom Schritt passiven Wissens ein beträchtlicher Schritt zum aktiven Wissen, also zur Umsetzung bekannter Methoden und Verfahren im Rahmen eigener Handlungen zur Lösung von Problemen. Strategisches, taktisches und aktuell beurteilendes Wissen kann nicht scharf untereinander abgegrenzt werden. Im Idealfall wächst aus dem strategischen Wissen eine zunehmende Aktualitätskenntnis, die mit den Entwicklungen im Fachbereich einhergeht und sich im Rahmen aktueller Kenntnisse über Produktentwicklungen und Produkte beziehungsweise existierende Bedarfsstrukturen in aktuellem Wissen niederschlägt.