Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

29.11.1996 - 

IT-Arbeitsmarkt/Entwicklung und aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt für IT-Experten

Beratungs- und Softwarehäuser suchenden flexiblen "Anpasser"

Bei der Analyse des Fach- und Führungskräftemarkts im IT-Sektor sind zwei Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Zum einen ist dies die allgemeine konjunkturelle Schwäche, zum anderen der Umstand, daß Unternehmen trotzdem IT-Fach- und Führungskräfte suchen.

Auf den ersten Blick entwickeln sich über einen langen Zeitraum - 1981 bis 1996 - die Stellenangebote im Markt für qualifiziertes Personal parallel mit dem Konjunkturverlauf. Die Zahl der Offerten für Aufgaben in Organisation/IT, Software und IT-Beratung verändert sich jedoch kräftiger. In den letzten Jahren, etwa seit 1994, kletterte sie auf Höhen, die bisher nicht erreicht wurden. Qualifizierte IT-Kräfte werden demnach immer mehr gesucht.

1989 lagen die Stellenangebote für IT-Experten mit einem Anteil von 12,3 Prozent im Printmedienmarkt ("FAZ", "Süddeutsche Zeitung", "Die Welt") auf einem Spitzenniveau. Vom Tiefpunkt der Jahre 1993/94 mit einem Anteil von nur sechs bis sieben Prozent schnellte das Angebot 1995 auf 14,2 Prozent hoch, und im Jahr 1996 wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit die 20-Prozent-Marke überschreiten.

Selbstverständlich haben diese starken Ausschläge eine Reihe von Ursachen. Der steile Rückgang von 1989 bis 1993/94 dürfte vor allem drei Gründe haben:

-Der konjunkturelle Abschwung ließ sämtliche Investitionen schrumpfen

-die verstärkte Einführung des PCs machte viele Anwender zum DV-Spezialisten in eigener Sache

-Outsourcing und der Trend zum Downsizing betrafen und betreffen vor allem die Rechenzentren und DV-Abteilungen.

Mittlerweile sehen sich DV-Experten veränderten Anforderungen gegenüber, denn auch der PC braucht Wartung und seine Anwender fachliche Betreuung. Das betrifft vor allem die interne und externe Vernetzung: Mit den weiterentwickelten Techniken steigt die Zahl der Anwendungen enorm. Die Stichworte für diese Entwicklung lauten Vernetzung, Multimedia und Telekommunikation.

Zudem hält der Trend zum Outsourcing offenbar an. Spezialisierungen werden dann nicht im eigenen Unternehmen, sondern von Beratern vorgenommen. Auch diese Entwicklung wird durch den Langzeitvergleich bestätigt.

In den drei genannten Zeitungen kamen im Jahre 1989 von den Beratungsunternehmen und der Softwarebranche etwa ein Fünf- tel der Offerten für DV-Spezialisten, heute sind es mehr als 50 Prozent.

Verstärkt hat sich aber auch die Nachfrage aus den Bereichen Telekommunikation, elektronische Medien und sonstige private Dienstleister sowie Handel. In allen anderen Branchen sind die Anteile der Offerten für DV-Spezialisten zum Teil deutlich zurückgegangen - am drastischsten in der Hardwarebranche, bei den Computerherstellern beziehungsweise bei der Elektronikindustrie insgesamt. Hier hat er sich innerhalb von sieben Jahren von zehn auf fünfzehn Prozent weit mehr als halbiert. Als relativ stabil haben sich die Finanzdienstleister erwiesen.

Gegenüber den ersten drei Quartalen 1995 haben die Stellenangebote für DV-Spezialisten in den letzten neun Monaten dieses Jahres im Durchschnitt um 82 Prozent zugenommen. Besonders intensiv, und aufgrund der bisher beschriebenen Beobachtungen auch nicht weiter verwunderlich, waren die Zuwächse in der Telekommunikation, der Software- und Beratungsbranche. Kräftige Impulse kamen auch aus Teilbereichen des Maschinen- und Fahrzeugbaus, weniger dagegen aus der Elektronik-Hardware-Industrie. Auch Handel und Finanzdienstleister legten mit gut 80 beziehungsweise knapp 70 Prozent Steigerung gegenüber dem Vorjahr deutlich zu.

Welche DV-Fachleute werden im einzelnen gesucht? Besonders groß ist die Nachfrage nach sogenannten Anpassern. Das sind zum Beispiel Anwendungsentwickler und SAP-Fachleute, die am Markt erhältliche Standardprogramme entsprechend den eigenen betrieblichen Erfordernisse einrichten. Mit 36 Prozent richtet sich daher der größte Teil dieser Offerten an den Bereich Anwendungsentwicklung, vorwiegend an Software-Entwickler sowie Organisations- und Anwendungsprogrammierer. Auch Systemanalytiker, Entwicklungsingenieure und Fachleute für Benutzer- beziehungsweise Hotline-Service stehen im Vordergrund.

Ein Großteil der Angebote bezieht sich auf das Segment Vertrieb beziehungsweise Verkauf. Hier werden neben Vertriebsingenieuren Verkaufsspezialisten und Vertriebsrepräsentanten auch Fachleute für Support, Wartung und Service gesucht.

Ein weiteres großes Stellenangebot gilt den Experten aus den Bereichen Systeme und Kommunikation. Gefragt sind Systemspezialisten, -berater und -programmierer. Aber auch System-Manager, -ingenieure sowie System- und Datenbankverwalter kommen zum Zuge. Im Bereich der Kommunikation sind vor allem Positionen für Netzwerkspezialisten, Netzwerk-Manager, Kommunikationsberater und Projektleiter ausgeschrieben.

Bei fast der Hälfte der analysierten Stellenangebote werden Zusatzqualifikationen verlangt. Im Vordergrund stehen Unix/Sinix-, Client-Server- und SAP-Anforderungen. Aber auch Mainframe- und Midrange-Erfahrungen sind bei 7,6 Prozent der Stellen erwünscht.

Nicht jedem Inserat entspricht eine freie Position. Ein wichtiger Grund für die Zunahme der Stellenanzeigen ist eben, daß hochkarätige Experten oft nur schwer zu finden sind. Deshalb schalten die suchenden Unternehmen oft mehrere Anzeigen in verschiedenen Zeitungen, bis sie den Richtigen gefunden haben.

Insgesamt scheint sich der Markt für DV-Spezialisten zur Zeit etwas abzukühlen. Im Durchschnitt über die ersten drei Quartale 1996 betrug die Steigerungsrate zwar noch 82 Prozent. Sie ist aber von 95 Prozent im ersten auf 69 Prozent im dritten Vierteljahr gesunken.

AngeklicktDer Trend zum Outsourcing führt dazu, daß die Beratungs- und Softwarehäuser die meisten Informatiker einstellen. Die klassischen Anwender verzichten auf den Ausbau ihrer eigenen IT-Abteilungen und greifen auf externe Dienstleister zurück. Durch diese veränderte Lage am Arbeitsmarkt ändern sich auch die Anforderungen an künftige Mitarbeiter gesucht wird weniger der verspielte und kreative Informatiker als vielmehr der an Kosten, an Zeit und an Kundenwünschen orientierte Fachmann.

*Dr. Sigmar Gleiser arbeitet bei der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in der Arbeitsmarkt-Informationsstelle in Frankfurt am Main.