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10.11.2004

Beratungshäuser suchen wieder Personal

Von Ina
An Kandidaten mangelt es nicht. Gute Chancen auf einen Job haben Hochschulabsolventen mit hervorragenden Abschlüssen und erfahrene IT-Profis.

Glaubt man den Experten, zieht der Arbeitsmarkt in der IT wieder an. Glaubt man den Beratungshäusern, zieht das Beratungsgeschäft nach zwei Jahren Flaute ebenfalls wieder an. Kein Wunder also, dass neben SAP-Experten und Security-Profis auch die Berater vom Aufschwung profitieren. McKinsey will in Deutschland 200, die Boston Consulting Group 120 und Roland Berger 150 neue Mitarbeiter einstellen. Vergessen sind die Entlassungen der vergangenen zwei Jahre. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören: Da wurden die Schotten wohl zu sehr heruntergelassen.

An Kandidaten mangelt es nicht. In den Beratungshäusern gehen täglich Hunderte von Bewerbungen ein. Offensichtlich können die Schattenseiten des Berufs nicht schrecken: Pünktlicher Feierabend ist in diesem Beruf die absolute Ausnahme, mehrere Tage die Woche wird vor Ort beim Kunden gearbeitet und im Hotel übernachtet, der Leistungsdruck ist groß.

Die Anforderungen sind aufgrund von Globalisierung, Outsourcing, Off- und Nearshoring gestiegen, darin sind sich die befragten Rekrutierungsexperten einig. Programmierer tun sich schwer, denn ihre Jobs können auch in Ländern mit niedrigeren Löhnen erledigt werden. Allerdings stellt die Verlagerung von IT-Tätigkeiten für gut ausgebildete Informatiker nach Meinung der Fachleute keine Gefahr dar. Schließlich würden die Unternehmen, die sich für Offshore entscheiden, gerade Hochschulabsolventen benötigen, um die entsprechenden Aktivitäten vorzubereiten. Das Augenmerk der Personalchefs gilt darum den High Potentials, den überdurchschnittlich Qualifizierten eines Jahrgangs.

1000 neue Stellen

Das trifft auch auf Accenture zu. Alexandra Braun, zuständig für das Recruiting im Bereich Technologie und Outsourcing: "Wir haben 2003 etwa 650 Leute eingestellt - rund 1000 sind für das kommende Fiskaljahr für den deutschsprachigen Raum geplant. Der Schwerpunkt bei unserer Suche liegt in der IT."

Bei Accenture unterscheidet sich der IT-Bereich in Accenture Technology Solutions und Consulting. Beide Bereiche sollen um jeweils 250 Mitarbeiter aufgestockt werden, wovon drei Viertel aller Stellen von Hochschulabsolventen oder Young Professionals mit ein- bis dreijähriger Erfahrung besetzt werden. Braun: "In dem stark wachsenden Technology-Solutions-Bereich liegt der Fokus auf der Softwareentwicklung. Hierfür benötigen wir Programmierer, die sich mit Entwicklung, Analyse und Design beschäftigen." Wer sich für die klassische Führungskarriere interessiere, sei hier fehl am Platz. "Diesen IT-Profis wird - allerdings zu einem späteren Zeitpunkt - vor allem die fachliche Projektverantwortung übertragen."

Was Offshore verändert

Der größte Unterschied zwischen beiden Gruppen ist laut Braun der betriebswirtschaftliche Hintergrund. Während sich die Consultants auf bestimmte Branchen konzentrieren, zählen bei den IT-Profis die technischen Skills. Voraussetzungen für die IT-Berater seien ein überdurchschnittlicher Hochschulabschluss, eine kurze Studiendauer sowie diverse Praktika. Dazu kämen die Beherrschung der englischen Sprache, Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Mobilität sowie die Fähigkeit, Führungskompetenz zu entwickeln. Ob die Bewerber wirklich fließend Englisch sprechen, wird zu Anfang in einem ersten Telefoninterview überprüft. Ist diese Hürde genommen, wird der Kandidat in einem Auswahltag auf Herz und Nieren geprüft.

Stephan Scholtissek, Sprecher der Accenture-Geschäftsführung, beschreibt die erhöhten Anforderungen aufgrund von Outsourcing und Offshore-Projekten: "Die Aufgaben werden anspruchsvoller, aber das macht sie interessanter." Er nennt ein Beispiel: "Bei einem Projekt vor Ort können die Verantwortlichen bereits nach ein oder zwei Tagen erkennen, ob etwas schief läuft - bei einem Projekt in Indien beispielsweise kann das Wochen dauern." Er ist überzeugt, dass gerade die Deutschen gute Voraussetzungen mitbringen, um ausgelagerte Arbeiten professionell zu steuern: "Benötigt werden Organisationstalent, Genauigkeit und Begeisterung - kurzum alles deutsche Tugenden."

Auf der gleichen Welle schwimmt Christoph Dambeck, Personalchef bei Capgemini. Vor allem von den Frontend-Mitarbeitern verlangt das französische Beratungshaus viel. Dambeck: "Neben technischem Wissen und Kommunikationsfähigkeiten müssen sie die englische Sprache fließend beherrschen und in der Lage sein, als Moderator und Gestalter aufzutreten. IT-Profis, die hier Defizite aufweisen, befinden sich irgendwann auf der Verliererstraße."

Steigende Anforderungen an die Berater kommen laut Dambeck auch aus der Industrie. So würden in den Energieunternehmen verstärkt technische Entwicklungen auf den Weg gebracht. Das verlange den Beratern neue Fähigkeiten ab. Der Personalexperte: "Entsprechend müssen unsere Mitarbeiter qualifiziert werden. Neben den technischen Aspekten müssen sie wissen, warum das System eingesetzt wird - Implementierung allein reicht nicht." Bei Capgemini, das in den nächsten Monaten etwa 120 Strategie- und IT-Berater einstellen wird, geht der Trend zum erfahrenen Consultant. Dambeck: "Wir benötigen Leute, die über Technikwissen, Projekterfahrung und Wettbewerbs-Know-how verfügen."

Strategieberatung im Aufwind

Einen großen Schub nach vorn hat die klassische Strategieberatung erhalten. Laut Dambeck wollen die Anwenderunternehmen wieder verstärkt wissen, wie sich ihr Markt entwickelt, wie sie sich strategisch positionieren und ihre Geschäftsprozesse verändern sollen: "Darum stellen wir in diesem Bereich ebenfalls verstärkt Mitarbeiter ein." Eines steht fest: Wer bei dem Beratungshaus einen guten Stand haben will, muss vor allem mit Kunden professionell umgehen können. Dambeck: "Deshalb sind gerade im Bereich Kundenbindung die Qualifizierungsmaßnahmen für unsere Consultants so hoch." Einen anderen Weg, um beim Kunden das erforderliche Entree zu erreichen, sieht er aber auch in der Art und Weise der Zusammenarbeit - bei Capgemini heißt das Collaborative Business Experience.

Interessant findet der Personalexperte indes, dass sich auch bei den Bewerbern etwas verändert hat. Obwohl die Jobs auch für Hightech-Experten nach wie vor nicht auf der Straße liegen, würden die Kandidaten Namen und Image ihres künftigen Arbeitgebers sehr genau unter die Lupe nehmen. Um die Mitbewerber auszustechen und die Besten zu rekrutieren, müssten sich die Unternehmen - vor allem in puncto Imagepflege und Personalentwicklung - etwas einfallen lassen. In der Tat arbeiten die Beratungshäuser verstärkt an Integrations- und Personalentwicklungsprogrammen. Ein Grund dafür, so der einhellige Tenor, sind die Fluktuationsraten, die bei Beratern höher als in Anwenderunternehmen sind. Die Firmenzugehörigkeit beträgt, egal ob es sich um McKinsey, Capgemini oder Boston Consulting handelt, im Schnitt drei bis fünf Jahre.

Steigende Anforderungen

Die Suche nach neuen Mitarbeitern ging bei der Düsseldorfer Consulting-Firma Booz Allen Hamilton in den letzten Jahren kontinuierlich weiter. In diesem Jahr sollen zwischen 50 und 60 Berater dazukommen. "Gute Studienabschlüsse, Kommunikationsfähigkeit, Mobilität, analytische Schärfe und soziale Kompetenz sind bei uns die Voraussetzungen für einen Job", erklärt Roman Friedrich, Partner Geschäftsführer und verantwortlich für das Recruiting in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er ist interessiert an Hochschulabsolventen, die in allen Bereichen der Industrie einsetzbar sind. Die Spezialisierung ergibt sich laut Friedrich erst dann, wenn der Young Professional sich für einen bestimmten Bereich entscheidet.

Darüber hinaus sucht er auch nach erfahrenen IT-Spezialisten. "Wir streben einen gesunden Mix aus Alt und Jung an. Die etwas älteren und erfahrenen Profis werden zumeist in unsere Industriegruppen, darunter Telekommunikation oder die IT-Gruppe, integriert", sagt Friedrich, der die gestiegenen Anforderungen nicht nur bei Outsourcing-Projekten, sondern auch in der Industrie ausmacht: "Das Niveau wurde nach oben geschraubt - die Anforderungen werden immer komplexer. Um hier mithalten zu können, müssen sich die jungen Leute die Fähigkeit aneignen, ständig lernen zu können." Ansonsten rät der Düsseldorfer Personalexperte dem akademischen Nachwuchs, sich bei der Studienauswahl vor allem nach der Neigung zu richten: "Wer überlegt, welcher Beruf in fünf Jahren auf dem Arbeitsmarkt gefragt sein könnte und sich dementsprechend entscheidet, hat ganz sicher die falsche Einstellung." (am)