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24.02.1984 - 

Mittelständler fordern bessere, objektive Software-Beratung:

Beratungsloch führt zur DV-Abstinenz

MÜNCHEN - So richtig warm scheinen deutsche Handwerksbetriebe mit der Datenverarbeitung trotz eines ausreichenden Angebotes an Spezialsoftware noch nicht zu werden. Zwei Gründe kristallisieren sich für diese Aussage heraus: mangelnde objektive Informationsmöglichkeiten sowie Skepsis der Handwerker und Mittelständler gegenüber dem Nutzen der DV. Dennoch gibt es den sprichwörtlichen Silberstreif am Horizont.

Je nach Branche zeichnet sich ein unterschiedliches Bild der DV-Durchdringung. So sind nach Aussagen des Geschäftsführers der Kfz-Innung München-Oberbayern, Eicke Schneider, die 1800 Mitgliedsbetriebe zu gut 75 Prozent mit DV-Anlagen bestückt. Bei der Auswahl der Systeme werden diese Unternehmen in aller Regel direkt von den Vertragsherstellern wie etwa Opel oder Mercedes beraten. Für den Rest der - hauptsächlich vertragsfrei arbeitenden - Werkstätten und Kfz-Händler fällt diese Möglichkeit allerdings flach. Ihnen bleibt nur die Information über Zweitquellen.

Zudem stellt sich für viele Mittelständler dieser Gruppe die Frage nach dem Nutzen der Datenverarbeitung im eigenen Haus, da die Betriebsverwaltung häufig bereits über einen Steuerberater geführt wird.

Anders stellt sich die Situation im Bäcker-Handwerk dar. Die rund 6000 Betriebe, die aus dieser Branche zu den Verbandsmitgliedern zählen, sind so unterschiedlich strukturiert, daß eine standardisierte Beratung fast nicht möglich ist. Neben den Genossenschaften und den Dienstleistern des Bäckereibetriebes bietet hier zusätzlich der Landesinnungsverband kostenlose Beratung an. Wilhelm Ries, zuständig für diese Aufgabe, erläutert allerdings, daß sich nur rund 20 Prozent seiner Beratungsleistungen speziell mit Fragen der EDV befassen.

Auch hier bleibt den Bäckern als vordergründige Informationsquelle nur der Weg über Steuerberater, Seminare oder Presseorgane. Eine andere Info-Quelle bietet sich den Betrieben des Bauhandwerkes. Hier bietet sich das Bau-Rechenzentrum für Beratungsleistungen im DV-Sektor an.

Dennoch: allzu rosig stellt sich die Situation der Mittelständler auf diesem Gebiet nicht dar. Eine Blitzumfrage der COMPUTERWOCHE bei den Münchner Innungen, der kleinsten Organisationseinheiten von Handwerksbetrieben, ergab ein eher tristes Bild.

Von den 36 in München ansässigen Innungen erreichten wir 30 - lediglich fünf in ihnen, also nicht einmal 20 Prozent, bieten für ihre Mitglieder Beratungsleistungen an. Neben häufigem Unverständnis gegenüber der Problematik erstaunte die Begründung, daß sich die Einrichtung einer eigenen Informationsquelle mangels Nachfrage nicht lohne. Die Mitglieder, so hieß es, informierten sich in der Regel selbst über angebotene Branchenleistungen im DV-Bereich, oder aber die angeschlossenen Betriebe seien so klein daß sich der Einsatz dieser modernen Technologien von vornherein nicht lohne. Verwiesen wurde in einigen Fällen auf die Handwerkskammern die zumindest Betriebsberatung leisten oder Referenzadressen nennen können.

Skepsis seitens der Handwerker stellt freilich auch Ralf Süßbauer von der Innung der mechanischen Metallhandwerker fest. Eine gewisse Zurückhaltung gegenüber neuen Technologien sei bei Handwerkern nicht zu leugnen, meint er. Dennoch bestehe zunehmend die Tendenz sich um dieses Gebiet zu kümmern da man eine neue Entwicklung nicht verschlafen wolle. Diese Ansätze gelte es zu vertiefen. Beiträge in Verbandszeitschriften, Schulungen und Seminare böten sich hier als guter Weg an.

Eine solche Erfahrung machte Süßbauer mit einem kürzlich veranstalteten Seminar seiner Innung zum Thema "Mikros". Gewünscht hätten sich die Seminaristen indes vor allem eine stärkere branchenbezogene Beratung mit großem Praxisbezug.

Wie der Verbandsmanager aus Erfahrung weiß, kommt der Maxifrust kurz nach der Mikro-Lust. Erstaunt über die doch einfache Bedienung der Kleinrechner, die Händler, Hersteller und Verkäufer in ihren Werbeaussagen weidlich ausschlachten, komme kurz nach dem Mikrokauf die große Enttäuschung auf. Denn der Einsatz im handwerklichen Betrieb braucht gut ein bis zwei Jahre Vorlauf - was mit geschickten Demo-Programmen oft verniedlicht wird. Hier verlangt nicht nur der Betriebsleiter objektive Beratung - die Struktur der häufig noch mit Familienmitgliedern geführten mittelständischen Betriebe erfordert auch eine Ausweitung der Leistungen auf die engsten Mitarbeiter.

Die Innungen scheinen für diese Aufgabe in der Regel personell überfordert, die Handwerkskammern bieten zwar die Leistung, beschränken sich aber allzuhäufig auf betriebswirtschaftliche Belange. System- und Softwarehäuser sollten sich der Handwerksbranchen annehmen - das Interesse sollte gepflegt werden.