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10.10.1975 - 

Linzer Ausbildungsmodell vereinigt Theorie und Praxis

Bereits jetzt für die Zukunft ausbilden

LINZ - Der Informatiker-Ausbildung an deutschen Universitäten und Hochschulen haftet der Ruch an, die Absolventen seien zwar kluge Leute, aber für Anwender doch nicht die rechten Mitarbeiter. Die Kritik wird von DV-Personalberatern und Personalchefs bei Herstellern und Anwendern ergänzt durch die Empfehlung, Informatik nicht solo zu studieren, sondern nur auf der Grundlage eines Fachstudiums wie etwa Betriebswirtschaft.

An der Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Linz am Institut "Statistik und Information" hat man ein Informatik-Ausbildungsmodell entwickelt, das praxisnäher zu sein scheint. Jedenfalls fanden von den Informatik-Absolventen des Jahres 1974 immerhin 42 Prozent einen Arbeitsplatz direkt bei DV-Anwendern und acht Prozent bei Software- und Beratungsfirmen. Computerhersteller engagierten nur 14 Prozent.

Allround-Mann gefragt

Prof. Dr. A. Schulz kommentiert das Linzer Modell: "Es ist zu berücksichtigen, daß der Bedarf an anwendungsorientierten Informatikern immer größer sein wird als der Bedarf an Kerninformatikern, um optimale Anwendungskonzeptionen zu erarbeiten" Anwendung heißt für Österreich offenbar die Dominanz kleinerer EDV-Systeme Insbesondere MDT-Computer, im Markt. Auch daraus zog das Lehr-Modell Konsequenzen. "Da bei Benutzern von kleineren und mittleren DVA in den EDV-Abteilungen keine so starke Arbeitsteilung wie in Großinstallationen besteht, ist nicht so sehr der Computerspezialist gefragt, sondern der Allround-Mann, der Aufgaben aus dem Gebiet der Systemanalyse, der Systemplanung, der Programmentwicklung bis hin zur Wartung von System-Software übernehmen kann", erläutert Schulz.

DV-Axiome als Beweis

Diesen Gedankengängen liegen vier "Axiome" zugrunde, die Gegenwart und Praxis der Computerei und der rund um den Computer Beschäftigten einbeziehen.

1. Zukünftige Computergenerationen sind nicht mehr speicherorientiert, sondern kommunikationsorientierte Bestandteile von Computerverbundnetzen.

2. Aus Preisgründen werden Mini- und Microcomputer neben die vorhandenen Systeme treten und die Dezentralisation der Speicher- und Verarbeitungsmöglichkeiten weiter fördern.

3. Die Software dient in Zukunft immer mehr der Kommunikation zwischen Benutzer und Computernetzwerk. Sie übernimmt nicht mehr Funktionen, die sich hardwareseitig darstellen lassen und bisher nur aus Preisgründen Bestandteil der Software waren.

4. Als Fazit kann gelten, daß der Anwender, auch wenn er Kleinsysteme benutzt, in Zukunft mehr als bisher systemorientiert arbeiten sollte.

Soweit die Theorie. Die Nutzanwendung sieht so aus: Im ersten Abschnitt des Linzer Informatikstudiums: theoretische, mathematische und physikalische Grundlagen. Im zweiten Abschnitt: Entwurf von DV-Systemen, Organisation und Betrieb von DVA und Programmierung im Schwerpunkt. Das Linzer Informatik-Produkt ist ein Diplom-Ingenieur im Gegensatz zum deutschen Universitätsabschluß "Diplom-Informatiker". os