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09.11.2016 - 

Bye bye ISDN - Stand der Telekom-Pläne für 2018

Bereits über 1,1 Millionen Geschäftskunden auf All-IP migriert

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Bis 2018 will sich die Telekom vom klassischen Telefonnetz (ISDN und analog) verabschieden und ihr gesamtes Netz auf All-IP umstellen. Mit SIP-Trunk und CloudPBX offeriert die Telekom Business-Kunden zwei weitere Optionen zur IP-Migration.
Die Tage von ISDN und klassischer Telefonie sind gezählt. Im Zuge des Netzausbaus setzt die Telekom auf All-IP.
Die Tage von ISDN und klassischer Telefonie sind gezählt. Im Zuge des Netzausbaus setzt die Telekom auf All-IP.
Foto: Deutsche Telekom

Die Telekom drückt aufs Gas: Derzeit stellt der Bonner Carrier eigenen Angaben zufolge rund 70.000 Kunden pro Woche auf IP um. Hintergrund ist, dass die Telekom Ende 2018 ISDN und klassisches Telefonnetz endgültig abschalten will. Wie es weiter heißt, wurden bislang 1,1 Millionen Geschäftskunden bereits auf IP migriert. Dies sei ein Drittel aller Business-Kunden. Nimmt man Geschäfts- und Privatkunden zusammen, dann liegt diese Zahl bei über 11 Millionen - was in etwa 48 Prozent aller Telekom-Anschlüsse entspricht. Bis Weihnachten 2016 will die Telekom die 50 Prozent Marke erreichen. Fragen, ob jetzt eine verstärkte Wechselbereitschaft zu anderen Carriern mit ISDN-Angebot nach 2018 zu beobachten seien, verneint die Telekom. Die Wechselquote liege bei den im Geschäftskundensegment üblichen drei bis vier Prozent.

2018 ist das Ende für ISDN

Diese Migrationspläne und das Aus für ISDN und Co in 2018 scheinen für die Telekom unumstößlich zu sein. Auf einer Presseveranstaltung in München kündigte der Carrier an, dass man auch migrationsunwilligen Geschäftskunden 2018 den Anschluss kündigen werde. Diese rigorose Haltung der Telekom ist durchaus verständlich, wenn man bedenkt, dass es zunehmend schwieriger wird, für das alte Telefonnetz noch Ersatzteile zu bekommen - viele dieser Hersteller sind ja mittlerweile vom Markt verschwunden. Des Weiteren benötigt die Telekom ein einheitliches IP-Netz, um neue Services und Technologien einsetzen zu können. So soll etwa 2017 in Hamburg mit Abschluss der All-IP-Migration Vectoring aktiviert werden, um so mehr Bandbreite offerieren zu können. Glaubt man der Telekom, dann sind die Erfahrungen mit der All-IP-Umstellung bislang positiv. Zwar gebe es durchaus technische Störungen aber insgesamt seien die KPIs gleich oder besser als mit ISDN oder PSTN.

Cloud PBX

Egal ob Privat- oder Geschäftskunde - in der All-IP-Welt offeriert ein IP-Anschluss die unterschiedlichsten Services.
Egal ob Privat- oder Geschäftskunde - in der All-IP-Welt offeriert ein IP-Anschluss die unterschiedlichsten Services.
Foto: Deutsche Telekom

Für Geschäftskunden bieten die Bonner nun zwei weitere Optionen zur IP-Migration. Ab Mitte November ist mit DeutschlandLAN Cloud PBX ein virtuelle TK-Anlage erhältlich, die in der Rechenzentren der Telekom gehostet wird. Mit der aktiven Vermarktung der Cloud PBX soll dann zur CeBIT 2017 gestartet werden. Die Telekom-Lösung basiert auf Software von Broadsoft und verfügt etwa über Präsenzfunktionen oder erlaubt die Einbindung von Mobiltelefonen als Nebenstellen. Die Administration der Anlage können Unternehmen selbst über ein Online-Portal vornehmen.

SIP-Trunk kommt 2017

Bis 2017 soll auch endlich SIP-Trunk Deutschland-weit zur Verführung stehen. SIP-Trunk wurde im April 2016 in das Produktportfolio der Telekom aufgenommen, war aber nicht für jeden Kunden erhältlich. Damit lassen sich einem SIP-Account jetzt mehrere Rufnummern oder auch Rufnummernblöcke zu ordnen, so dass ein IP-TK-Anlage auch on premise wie gewohnt genutzt werden kann (siehe auch ISDN-Alternative SIP-Trunking). Ist SIP Trunk wirklich ab 2017 flächendeckend verfügbar, dann hat die Telekom damit eines der großen Hindernisse, die Business-Kunden bislang von einer Migration zu All-IP abhielten, beseitigt.

IP-Sonderdienste

Klassische TK-Verteiler haben künftig ausgedient.
Klassische TK-Verteiler haben künftig ausgedient.
Foto: zhuda - shutterstock.com

Ein anderes häufig genanntes Problem das gegen eine All-IP-Umstellung ins Feld geführt wird - die sogenannten Sonderdienste - existiert in den Augen der Telekom nicht mehr, da es Lösungen am Markt gebe. Und der Sonderdienste sind im Telekom-Jargon etwa Aufzugnotruf, Brandmelder, ec-Cash-Terminals, Hausnotruf, Zähler fernauslesen etc. zu verstehen. Laut Telekom laufen neuere Lösungen bereits seit längerem problemlos mit IP. Allerdings gilt es einen Fallstrick zu beachten: Nicht alle IP-Lösungen eignen sich wirklich, wenn die Lösung (etwa Aufzugnotruf) auch noch im Falle einer Stromunterbrechung funktionieren muss. In diesem Fall müsste nämlich der weitere Betrieb aller aktiven LAN-Komponenten per USV sichergestellt werden - ein Szenario das wohl nur selten finanziell abzubilden ist. Ein Ausweg wäre die Bestellung eines Standardanschlusses ohne Internet (Sprachanschluss auf Basis MSAN POTS) bei der Telekom. Bei dieser Lösung wird in den KVZs aus All-IP wieder ein klassisches Telefonsignal generiert, um so Sonderdienste zu ermöglichen oder klassische Telefonanschlüsse mit nur einem Telefon zu versorgen. Eine andere Alternative ist eine Umstellung der Sonderdienste auf Mobilfunktechnologien wie GPRS, UMTS oder LTE.

Um eine reibungslose Migration zu gewährleisten, hat die Telekom ein Testcenter aufgebaut, in dem Anbieter von Sonderdiensten und Hersteller von Telefonanlagen oder Routern ihr Equipment schon vor der IP-Umstellung testen können. Für Geschäftskunden ab einer bestimmten Größe bietet die Telekom zudem dedizierte Workshops an, um Fragen der All-IP-Migration zu klären. Nach eigenen Angaben führen die Bonner jeden Tag etwa 100 Workshops durch und haben seit Beginn 2015 bereits um die 40.000 solcher Veranstaltungen abgehalten. Die Workshops beinhalten, so die Telekom, auch einen kostenlosen Vorab-Check, ob das Netz des Anwenders etc. fit für die All-IP-Umstellung ist. Ein ausführlicher VoIP-ready-Check ist allerdings kostenpflichtig.

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