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05.12.1986 - 

Paderborner eröffnen Werk auf früherem AEG-Gelände:

Berlin ist für Nixdorf wichtiger als München

BERLIN - Mit unter dem Eindruck eines vereitelten Brandanschlags verschärften Sicherheitsvorkehrungen hat die Nixdorf AG in Anwesenheit politischer Prominenz ihren neuen Fabrikationsstandort im Wedding eingeweiht. Mit einer eigenen Fertigung von Winchester Laufwerken auf dem einstigen AEG Stammgelände will sich das westfälische Unternehmen von Zulieferanten unabhängiger machen.

Mehr als 20 Prozent des weltweiten Nixdorf-Produktionsvolumens - Schwerpunkte: Speicher und Terminals - sollen demnächst in Berlin gefertigt werden. Das Werk an der Brunnenstraße, hinter dem historischen "Beamtentor" der AEG aus Nixdorf-Standardelementen gebaut, wird in der Produktion zunächst 1050 Mitarbeiter, darunter rund 250 Auszubildende, beschäftigen. Mit der Eröffnung des neuen Standorts gibt der Konzern übrigens das zu klein gewordene Gelände an der Prinzenstraße in Kreuzberg auf; die meisten Arbeitnehmer ziehen mit um ins Wedding.

Von heute insgesamt knapp 2000 Beschäftigten wollen die Paderborner ihre Belegschaft an der Spree binnen der nächsten Jahre auf bis zu 6000 ausweiten, Die den Politikern gegebene Zusage ist allerdings nicht verbindlich, denn der Vorstand verknüpfte sie mit einer positiven Entwicklung des DV-Marktes. Als Nahziel kündigte die Werksleitung die Einstellung von 400 bis 500 neuen Kräften im kommenden Jahr an, wobei man versuchen werde, den Bedarf weitestgehend am Berliner Arbeitsmarkt zu decken.

Die Niederlassung in München, einst von Heinz Nixdorf als zweites Bein neben Paderborn gepriesen, ist den jüngsten Äußerungen des Vorstandsvorsitzenden zufolge offenbar auf den dritten Rang in der Firmenhierarchie heruntergestuft worden: Klaus Luft bezeichnete Berlin als "mittlerweile wichtigsten Standort von Nixdorf nach Paderborn".

Entsprechend plant das Unternehmen, nach Abschluß der nächsten Baustufen auch Teile des Bereichs Forschung und Entwicklung - namentlich die formal selbständigen Töchter Nixdorf Microprozessor Engineering GmbH (NME) und Nixdorf Entwicklungsgesellschaft für Kommunikationstechnik mbH - in den Berliner Neubaukomplex einzubeziehen. Dann wird das Areal im Wedding anstelle der heutigen 3 1000 stattliche 130 000 Quadratmeter Nutzfläche aufweisen. Rund 70 Millionen Mark hat das Projekt bis jetzt verschlungen; insgesamt soll eine Investitionssumme von 300 Millionen Mark in das Bauvorhaben fließen.

Als Zeitrahmen für die Verwirklichung der Pläne gibt Nixdorf das Jahr 1992 an.

Die bisher auf verschiedene Standorte verteilte Produktion von Bildschirmarbeitsplätzen - also Terminals - wird nach Aussagen des Werksleiters, Gerhard Lüdtke, demnächst in Berlin zusammengezogen. Aus der neuen Fabrik sollen bald auch einige Druckermodelle kommen. Ferner verlagert der Konzern die Produktion der Magnetplatteneinheiten für die 8870 ins Werk Wedding. Als erste neue Produktlinie kündigte Lüdtke Winchesterlaufwerke an, mit denen sich Nixdorf in diesem Bereich von Zulieferanten unabhängig machen wolle.

Zur Zeremonie in den künftigen Sozialräumen hatte sich nicht nur der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen die Ehre gegeben, als Vorstandschef Klaus Luft die erst halbfertige Fabrik ihrer Bestimmung übergab. Auch Helmut Kohl nutzte die Feier im Unternehmen seines verstorbenen Parteifreunds Heinz Nixdorf zu einem Vortrag über die Bedeutung eines solchen Betriebs für die Volkswirtschaft.

Der Kanzler sprach sich vor Vertretern der Öffentlichkeit und einer großen Zahl von Betriebsangehörigen dafür aus, moderne Technik nicht "primitiv-negativ" zu betrachten und der "Industrie nicht mit Naturromantik von gestern" zu begegnen. Nicht nur Kohls Äußerungen zeigten, daß der Wahlkampf in vollem Gange ist; Mitglieder der IG Metall entrollten ein rotes Transparent, auf dem sie neben der 35-Stunden-Woche forderten: "Weg mit befristeten Arbeitsverträgen - auch bei Nixdorf!"

Schon im Vorfeld der Veranstaltung war der Paderborner Konzern ins, politische Schußfeld geraten. In der gereizten Stimmung, die im Stadtstaat seit der Antes-Affäre beim Thema Subventionen und Fördermittel herrscht, wurde der Nixdorf AG angekreidet, daß sie sich reichlich aus dem angebotenen Steuertopf bedient habe. Wie hoch die Zuschüsse wirklich waren, mit denen das Amt für Wirtschaftsförderung das noch vom verstorbenen Konzerngründer initiierte Projekt unterstützt hat, mochte Klaus Luft nicht preisgeben.