Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

01.12.2000 - 

Senat kündigt Vertrag mit Softwarehäusern

Berliner Großprojekt endet in einem Scherbenhaufen

MÜNCHEN (CW) - Oracle kapituliert. Der Consulting-Bereich des Datenbankherstellers entledigt sich der Verantwortung für das 15-Millionen-Mark-Projekt "Basis 3000". In diesem wollte das Konsortium aus Oracle und der Berliner PSI AG eine besonders innovative und benutzerfreundliche Software für die rund 3000 Mitarbeiter aller Berliner Sozialämtern stricken.

Die Berliner Tageszeitung "TAZ" brachte die Nachricht in der vergangenen Woche zuerst: Oracle wirft das Handtuch. In der Verantwortung des Datenbankherstellers lagen Design, Programmierung und Projektleitung. Für Spezifikation, Tests und Einführung in den Sozialämtern zeichnet hingegen PSI verantwortlich.

Die im Vertrag mit dem Berliner Senat vereinbarte Konventionalstrafe kommt das Konsortium billiger als eine Weiterentwicklung von Basis 3000. Die Geldbuße liegt bei rund einem Sechstel der 15 Millionen Mark, die das Land für die Erstellung sowie für Softwarelizenzen aufwenden wollte.

Bereits im Sommer 1999 sollte die Software ursprünglich in den ersten Sozialämtern laufen. Zwischenzeitlich sind jedoch erhebliche Verzögerungen eingetreten. Einige Bezirksämter könnten nach jüngeren Schätzungen erst im Jahr 2004 mit der Installation rechnen. Da der Senat für die Software aus Oracle-Datenbanken und -Application-Server, Corba-Middleware und Java-Tools einen Festpreis ausgehandelt hatte, geht jede Verzögerung und Fehlentwicklung zu Lasten von Oracle und PSI.

Die Oracle Deutschland GmbH dementiert ihren Rückzug derzeit: "Eine Entscheidung ist definitiv noch nicht gefallen", so die Oracle-Pressesprecherin Chari Lazardis. Vielmehr seien die Verhandlungen über die "Rückabwicklung" des Projekts noch im Gange.

Derweil ist die PSI AG bereits in die Offensive gegangen. Das Berliner Softwarehaus sieht sich aufgrund der bestehenden Vereinbarungen mit dem Land Berlin berechtigt, das Vertragsverhältnis allein fortzusetzen, zumal Oracle dem Senat seinen Rückzug ohne Absprache mit dem Konsortialpartner verkündet habe. Wie Ortwin Wohlrab, Leiter des Consulting-Bereichs bei der PSI und verantwortlich für das Basis-Projekt, wirbt, ist sein Unternehmen in der Lage, einen klaren Schnitt zu machen. Man wolle auswerten, was von den entstandenen Basis-Bruchstücken verwertbar sei, und das Projekt erfolgreich zu Ende führen.

Doch Klaus-Peter Florian, Pressesprecher der Senatssozialverwaltung, hat kein Vertrauen mehr in die Entwicklungspartner. Die Anbieter hätten eindeutig signalisiert, dass sie nicht in der Lage seien, die vereinbarte Leistung zu erbringen. Darüber hinaus lasse der Senat prüfen, wie das gezahlte Geld - ein Betrag von 8,9 Millionen Mark - zurückgefordert beziehungsweise ob Schadensersatz verlangt werden könne.

Unterdessen sitzen die Bezirksverwaltungen auf heißen Kohlen. Für ihre jetzige Sozialamtssoftware "Prosoz" vom Prosoz-Institut Herten läuft zum 31. Januar 2001 der Supportvertrag aus. Zudem arbeiten die Sozialämter bereits seit sieben Jahren mit der hoffnungslos veralteten DOS-Variante, obwohl das Produkt von jeher nur als Übergangslösung gedacht war.

Längst haben die Berliner Bürgermeister beschlossen, die derzeit aktuelle Windows-Variante des Hertener Produkts einzuführen, doch der Senat besteht auf der weiteren Nutzung der DOS-Programme. "DOS-Prosoz ist funktionsfähig", insistiert Pressesprecher Florian. Kein Berechtigter brauche um seine Sozialhilfe zu bangen.

Nach Angaben von Arya Roick, Leiterin der bezirksübergreifenden Servicestelle für die Software der Sozial- und Jugendämter Berlins, genügt die DOS-Variante wegen der fehlenden grafischen Benutzeroberfläche nicht einmal der ISO-Norm 9241. Außerdem sei der organisatorische Aufwand für den Betrieb der Programme entschieden zu hoch. Roick plädiert zumindest übergangsweise für eine Umstellung auf "Prosoz S für Windows".

Die Bezirksämter wollen dafür aber nicht zahlen. Die Kosten habe der Senat zu übernehmen, da er für die Basissoftware sorgen wollte, so die Argumentation in den Bezirken. Offenbar ist das DOS-Update aber preisgünstiger als die Einführung der Windows-Variante, zumal die Sozialamtsmitarbeiter im Gebrauch der neuen Software erst noch geschult werden müssten.

Zwar stehen die Konditionen für ein Software-Upgrade noch nicht fest, betonen die Vertragsparteien, doch das Angebot der Hertener für eine Windows-Version steht schon. So berichtete die "Berliner Morgenpost" kürzlich, der Senat solle dafür statt der üblichen 780 Mark pro Arbeitsplatzlizenz lediglich 530 Mark aufbringen.