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03.11.1995

Bernhard Dorn und Wolfram Staiger scheiden aus dem Management aus Die deutsche IBM-Niederlassung trennt sich von ihrem Urgestein

MUENCHEN (qua) - Grossreinemachen ist angesagt in der obersten Etage der deutschen IBM-Holding: Die langjaehrigen Topmanager Bernhard Dorn, zuletzt fuer das Dienstleistungsgeschaeft verantwortlich, und Wolfram Staiger, Chef des Produkt-Marketings, raeumen zum Jahresende ihre Schreibtische auf. Waehrend Staiger das Unternehmen verlaesst, bleibt Dorn der IBM als Berater und Mitglied des Aufsichtsrats vorlaeufig erhalten.

Im vorletzten Jahr hatte sich Dorn noch dafuer stark gemacht, die deutsche IBM-Belegschaft ueber das von der Zentrale verordnete Mass hinaus zu reduzieren (vgl. CW Nr. 14 vom 2. April 1993, Seite 1). Jetzt sieht es so aus, als sei er selbst einer restriktiven Personalpolitik zum Opfer gefallen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Staiger muss er zum 31. Dezember dieses Jahres sein Amt als Geschaeftsfuehrer der deutschen IBM-Holding aufgeben.

Auch wenn die Koinzidenz der Ereignisse dagegen spricht - einige IBM-Insider vertreten die Auffassung, dass Dorn selbst das Handtuch geworfen habe. In der neuen, vertikal gegliederten Struktur des Weltkonzerns habe der ehemals zweitstaerkste Mann der deutschen IBM fuer sich keinen Platz mehr gesehen.

Dorns Einfluss begann bereits 1992 zu schwinden, als der Deutschland-Chef Hans-Olaf Henkel in die Europa-Zentrale nach Paris wechselte. Henkels Stellvertreter Dorn durfte durchaus auf dessen Nachfolge spekulieren. Aber zur Ueberraschung der Branche machte nicht er, sondern Edmund Hug das Rennen. Augenscheinlich galt Dorn in den Augen der neuen IBM-Spitze als Synonym fuer die konservativen Stroemungen innerhalb der deutschen Niederlassung. Immerhin vertraute Louis Gerstner dem Marketing- und Vertriebs- Manager aber den wichtigen Servicebereich an.

Mittlerweile sind jedoch die hierarchischen Strukturen der gesamten deutschen IBM-Holding der Erosion unterworfen. Lediglich der Finanzchef Hans-Juergen Reitermann und der Personalverantwortliche Hans-Werner Richter erfreuen sich ungeschmaelerter Kompetenzen. Die Macht des Vorsitzenden Edmund Hug sowie seines Mitgeschaeftsfuehrers Winfried Pierlo broeckelt nach Ansicht von IBM-Beobachtern jedoch in dem Masse, wie die branchenorientierte Organisation zu greifen beginnt.

Die Verantwortlichen fuer die neuen, nach Wertschoepfungsketten organisierten Geschaeftseinheiten berichten nicht mehr an das jeweilige lokale Management, sondern direkt in die IBM-Zentrale nach Armonk, New York. Das galt auch fuer den ehemaligen deutschen Vertriebschef Erwin Staudt, der bis vor kurzem von Paris aus das Geschaefsfeld Grundstoffe, sprich: Prozessindustrie, leitete. Von Marktbeobachtern wird Staudt als heissester Tip fuer die Dorn- Nachfolge gehandelt. Zwar haelt sich die deutsche Unternehmenszentrale noch bedeckt, aber IBM Europe bestaetigte immerhin, dass der Schreibtisch des Vertriebs- und Marketing- Experten neuerdings wieder in Stuttgart stehe.

Einen Sitz in der Geschaeftsfuehrung der IBM Informationssysteme GmbH hat Staudt seit Anfang 1994. Sollte er den Sprung in die Holding-Spitze schaffen, so wird seine Aufgabe darin bestehen, Vertrieb und Marketing auch hierzulande mit der branchenorientierten Struktur des Gesamtkonzerns in Einklang zu bringen. Das bedeutet de facto eine Abkehr vom "One-face-to-the- Customer"-Prinzip.

Nach uebereinstimmender Einschaetzung von Analysten und Kunden war es vor allem Dorn, der diesen Grundsatz verkoerperte und damit die IBM-Verkaeufer daran hinderte, sich beim Kunden mit ihren Angeboten gegenseitig Konkurrenz zu machen. Zudem lobten Brancheninsider Dorns Verstaendnis fuer die Technik und seine Faehigkeit, einerseits die Vertriebsinteressen der IBM zu vertreten und andererseits die Kundenforderungen in das Management des Anbieters hineinzutragen. Vielleicht ist dies der Grund, warum Hug ihn durch Beratervertrag und Sitz im Kontrollgremium weiterhin an die deutsche IBM binden will.

Im Gegensatz zu Dorn wird der Marketing-Mann Staiger einen Schlussstrich unter das Kapitel IBM ziehen. "Ein Beratervertrag liegt nicht im Interesse von Herrn Staiger", lautet die offizielle Stellungnahme der IBM-Geschaeftsfuehrung. Wie Dorn hat auch Staiger der IBM fast drei Jahrzehnte lang angehoert. Sein Stern begann zu sinken, als er im vergangenen Jahr den von Dorn geerbten Vertriebsbereich an Staudt uebergeben musste und fortan nur noch fuer das Produkt-Marketing verantwortlich zeichnete.

Weitere Personalveraenderungen sind laut IBM 1995 nicht mehr geplant - jedenfalls nicht im Topmanagement. Lediglich auf der Direktionsebene werde es "vor Weihnachten" noch zu einer Umstellung kommen.