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02.07.1993

Berufsakademie-Schueler werden nicht mehr uebernommen BA-Absolventen werfen IBM mangelndes Engagement vor

MUENCHEN/STUTTGART (hk- Selbst die in der Vergangenheit vielumworbenen Absolventen von Berufsakademien (BA) spueren die Krise am Arbeitsmarkt. Modellausbilder IBM, der bisher jeden selbst geschulten Studenten uebernahm, will in diesem Jahr keinen Absolventen mehr einstellen und hat es bisher, so der Vorwurf von seiten der Auszubildenden, am noetigen Engagement fehlen lassen, die Junginformatiker zumindest anderweitig unterzubringen.

Die Ausbildung an den baden-wuerttembergischen Berufsakademien gilt als modellhaft: kurze Schulzeit mit einem starken Praxisbezug. Die Absolventen sind in der Industrie begehrt, weil sie sofort einsetzbar sind und die langen Einarbeitungszeiten entfallen. Fuer BA-Schueler war es bisher selbstverstaendlich, dass sie vom Unternehmen uebernommen wurden, bei dem sie ihre Praktikumszeit ableisteten und ihre Diplomarbeit schrieben.

Der Betrieb hatte zwar etwa 100 000 Mark pro Student - so die Schaetzungen - in die Ausbildung investiert, er bekam aber dafuer einen auf die firmeninternen Beduerfnisse gut vorbereiteten Mitarbeiter.

Das Modell funktionierte gut, solange die Unternehmen fuer den Nachwuchs auch ausreichend Jobs zur Verfuegung stellen konnten. Zwar versprach kein Arbeitgeber bei Ausbildungsantritt auch die spaetere Einstellung, allerdings galt es vor allem bei grossen Namen der Industrie wie IBM und Bosch als selbstverstaendlich, die BA- Studenten zu uebernehmen.

Um so groesser war nun in diesem Jahr bei den IBM-Praktikanten die Enttaeuschung, als ihnen der Computerriese in einem formlosen Schreiben mitteilte, dass er sie nicht uebernimmt. Zwar gab es bereits in den letzten beiden Jahren Engpaesse, aber immerhin soll sich die IBM bemueht haben, die Studenten bei Vertriebs- und Geschaeftspartnern unterzubringen.

Der Branchenprimus rechtfertigt die Nichtuebernahme mit personellen Ueberkapazitaeten. Bis zum Ende des Jahres sollen 3500 Arbeitsplaetze abgebaut werden. In dieser Situation koenne man schon allein aus psychologischen Motiven keine Mitarbeiter einstellen, so die Begruendung.

Was das mangelnde IBM-Engagement in bezug auf die Jobhilfe fuer BA-Absolventen angeht, meint Rudolf Messer, Professor an der Stuttgarter Berufsakademie: "Die sind im Moment zu sehr mit sich selbst beschaeftigt."

Auch wenn es zunaechst keine Uebernahmen mehr geben wird, wollen die Stuttgarter weiterhin BA-Schueler ausbilden. Allerdings rechnet Messer damit, dass die Bereitschaft der Unternehmen in Sachen BA- Ausbildung nachlaesst und dass die Neueinschreibungen im Herbst um bis zu 40 Prozent zurueckgehen werden. Er setzt seine Hoffnungen in den Mittelstand, von dem jetzt schon positive Signale ausgehen.