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31.08.1979

Berufsbild Programmierer: Chancen nur für spezialisierte Spezialisten?

"Der Programmierer der ersten Stunde", apostrophiert Eckhard Haas, DV-Chef der Optimol-Ölwerke in München, "der Allround-Mann für Betriebsorganisation, Programm-Ablauforganisation, Kodierung und Maschinen-Implementierung ist out." Die "Softwareschmiede" der Zukunft werden nach Meinung vor Dr. Gerhard Heldmann, Geschäftsführer der Münchener Softlab GmbH, ihr Handwerk innerhalb eines Hochschul- oder Fachhochschulstudiums erlernen. Denn: "Leute, die sich mit einfacher Batch-Programmierung über die Runden retten wollen", so Rainer Eglseder, EDV-Leiter bei der Deutschen Wrigley GmbH, "werden Probleme bekommen, um nicht zu sagen, sie werden überflüssig." CW befragte zwei EDV-Chefs und einen Software-Manager zum Thema: Wie entwickelt sich das Berufsbild des Programmierers innerhalb der nächsten zehn Jahre? ha

Rainer Eglseder

DV-Leiter, Deutsche Wrigley GmbH, München

Zunächst zur Ausgangslage: Mit Beginn der achtziger Jahre wird das Informationsbedürfnis in der Gesellschaft immer weiter zunehmen.

Außerdem werden wir Ende der achtziger Jahre - und das ist sicherlich nicht zu hoch gegriffen - mindestens das Doppelte an Hardware-Leistung zum halben Preis bekommen.

Für das Berufsbild des Programmierers des nächsten Jahrzehnts bedeutet das: Noch mehr Firmen, vor allem auch kleinere, werden ihre eigene EDV im Hause haben. Somit werden in Zukunft noch mehr Programmierer nötig. Denn auch Modulare-Anwendungs-Software ändert nichts an der Tatsache daß diese nur komplett ist, wenn alle Betriebsabläufe integriert sind. Außerdem müssen für jede Firma individuelle Anschluß-Programme geschaffen werden.

Ausgehend von der Tatsache, daß jetzt schon etwa 40 bis 50 Prozent der Programmier-Manpower mit Wartungsaufgaben beschäftigt sind, stellt sich für die Zukunft die dringliche Forderung:

- Forcierung der strukturierten Programmierung

- wartungsfreundlichere Programme.

Zum anderen erhebt sich die Frage: Was ist Programmieren?

Wer der Meinung ist, Programmieren bestünde lediglich aus Codieren und Testen, liegt sicherlich falsch; meiner Ansicht nach heißt Programmieren in erster Linie: Probleme lösen.

Wer sich als reiner Codieren sieht, wird es in Zukunft wohl sehr schwer haben. Primär ist wohl nicht die Kenntnis einer bestimmten Programmiersprache, sondern das "Gewußt wie".

Auch bei kleineren Anlagen oder in der MDT werden neue Technologien den Einzug halten (zum Beispiel Datenbanken). Somit werden auch hier Systemprogrammierer, Datenbankverwalter oder ähnliche Fachleute erforderlich werden.

Leute, die nicht gewillt sind, sich fortzubilden, werden Probleme bekommen, um nicht zu sagen, sie werden überflüssig.

Man sieht, den EDV-Spezialisten mit Datenbank- oder Datenfernverarbeitungskenntnissen braucht vor der Zukunft nicht bange zu sein, wohl aber jenen, die sich mit einfacher Batch-Programmierung über die Runden retten wollen.

Eckhard Haas

Leiter Allgemeine Datenverarbeitung Optimol-Ölwerke GmbH, München

Es fällt selbst heute noch, fast schon 20 Jahre nachdem die ersten in größerer Stückzahl gebauten EDV-Anlagen auf den Markt kamen, schwer, von einem Berufsbild für Programmierer zu sprechen.

Der Programmierer der ersten Stunden, als "Allround-Mann" für Betriebsorganisation, Programmablaufplanung, Kodierung und Maschinenimplementierung verantwortlich, wird sicherlich durch weit spezialisiertere Mitarbeiter ersetzt. Die Frage ist nur, wie lange ist das kostenmäßig in den Unternehmen zu verkraften? Immer weiter laufen die Kostenkurven für Hardware und Personal auseinander. Vielerorts übertreffen letztere bereits die monatlichen Maschinenkosten.

Allerdings kann man Maschinen derzeit nahezu unbegrenzt vermehren, während die Grenzen der Personalbeschaffung schon erreicht scheinen. Selbst wenn das Schulungsangebot durch öffentliche und private Fachschulen und Universitäten erheblich verstärkt werden sollte, die Kostensituation im Personalbereich ist nicht mit den bisherigen Mitteln zu verbessern.

Der Zwang der deutschen Unternehmer zu größerer Konkurrenzfähigkeit auf dem gesamten Markt, läßt die Kostenentwicklung der allgemeinen Verwaltung und in den administrativen Fertigungsbereichen nicht unberücksichtigt. Die Maßnahme kann hier nur heißen: Noch mehr und schnellerer EDV-Einsatz zu niedrigeren Kosten. Dies führt zwangsläufig zu neuen Wegen in der Programmierung und im Berufsbild des Programmierers in den nächsten Jahren.

Als Lösungswege sind denkbar:

1. Verstärkter Einsatz von anwendungsorientierten Softwarepaketen der EDV-Hersteller, bei gleichzeitigem Verzicht auf unternehmensspezifische Individualität.

2. Einsatz von Programmen von Softwarehäusern und Unternehmensberatungen. Die Software dieser Anbieter ist praxisorientierter, da meist mit dem Auftraggeber zusammen entwickelt wird.

3. Absolute Hinwendung bei der Programmierung zu höheren Programmiersprachen, die im Computerdialog angewendet, eine höhere Effektivität erzielen.

4. Entwicklung von leistungsfähigen, aber in der Anwendung einfachen Betriebssystemen.

5. Bereitstellung von Programmhilfen, ähnlich den Dienstprogrammen, die den Fachabteilungen den selbständigen Dialog mit den Computern gestatten.

Allein diese fünf Überlegungen werden sich auf das Berufsbild des zukünftigen Programmierers stark auswirken. Letztendlich bedeuten sie: Abwendung vom bisherigen Anwendungsprogrammierer! An seine Stelle tritt die Hinwendung zur Softwarefabrik beim EDV-Hersteller oder Softwarehaus. Hier darf es kein Flickschustern mehr geben; es müssen ingenieurmäßig Softwareprodukte entwickelt werden, die zur Serienreife, sprich hohe Anwendungszahl, vorangetrieben werden. Denn nur das führt zu niedrigen Programm-Stückkosten.

In diesen Bereichen wird also der Programmierer in den nächsten Jahren sein Betätigungsfeld finden. Dazu gehört als Voraussetzung zu allererst eine solide betriebswirtschaftliche Ausbildung an einer Fachschule, die gepaart sein muß mit einer mehrjährigen praktischen Ausbildung in einem Unternehmen. Denn nichts hat bisher der Verbreitung von Fremdsoftware so sehr geschadet, wie die mangelnde praktische Orientierung.

Wir werden also in den nächsten Jahren immer weniger Allround-Programmierer in den Unternehmen finden. Dafür sind sie tätig als unternehmungsgerecht ausgebildete Spezialisten in Softwareproduktgruppen und -fabriken, die ihren entscheidenden Anteil daran haben werden, dem Computer zu noch stärkerem Durchbruch auch in der alltäglichen Anwendung zu verhelfen - nicht um seiner selbst willen, sondern um ihn endlich zu dem zu machen, was er ist: eine Büromaschine für Dienstleistungen.

Dr. Gerhard Heldmann

Geschäftsführer der Softlab GmbH, München

Ist Programmierer ein ehrbarer Beruf (respectable profession)? Ist Programmierer überhaupt ein Beruf? Diese Fragen stellte Edsger W. Dijkstra, einer der Begründer der Informatik und der neuen Softwaretechnologie, als er vor der Entscheidung stand, das Studium der (damals schon ehrbaren) Physik aufzugeben, um sich ganz der jungen Disziplin der Programmierung zu widmen.

Heute, ein Vierteljahrhundert später, stehen wir vor einem Durchbruch der Informatisierung des gesellschaftlichen Lebens. In dieser zweiten industriellen Revolution kommt den Programmierern eine ; zentrale Rolle zu: Die Software ist der Schlüssel zum erfolgreichen Einsatz von Computern, sie entscheidet über das heute und morgen Machbare. Trotz dieser "Schlüsselstellung" der Programmierer in unserer Gesellschaft ist ihr Berufsbild noch weithin unbekannt. (Welcher Programmierer zögert nicht beim Ausfüllen eines Anmeldeformulars in die Rubrik Beruf "Programmierer" einzutragen?)

Die etablierten Vorstellungen von einem Programmierer (Duden: "Fachmann für die Erarbeitung und Aufstellung von Schaltungen und Ablaufplänen elektronischer Datenverarbeitungsmaschinen" ) sind hinter der schnellen Entwicklung der Informatik und den immer höheren Anforderungen an den Programmierer weit zurückgeblieben. Die Tätigkeitsmerkmale haben sich deutlich verschoben. Programmieren im eigentlichen Sinn nimmt nur noch einen bescheidenen Raum im gesamten Tätigkeitsspektrum des Programmierers ein. Problemanalyse (requirements-engineering), Spezifikation, Entwurf, Simulation, Test und Qualitätssicherung, Softwareconfiguration-Management sind von entscheidender Bedeutung für die erfolgreiche Entwicklung von DV-Systemen und damit auch Schwerpunkt der Forschungsarbeiten der Softwareindustrie und Hochschulinstitute.

Alle Versuche, heute schon mehr Klarheit in das Berufsbild des Programmierers zu bringen und es den Erfordernissen des Berufes anzupassen, münden in unternehmensbezogene Job-Descriptions (zum Beispiel Systembetreuer, Systemsbetreuer-Assistent, Erster Entwickler, Zweiter Entwickler), die vor allem das Ziel haben, den Programmierer - das immer noch unbekannte Wesen - in eine existierende Unternehmenshierarchie einzuordnen.

Es wird den nächsten 10 Jahren vorbehalten bleiben, Berufsbilder für Programmierer zu entwickeln, die über die Grenzen einzelner Unternehmen und Länder internationale Anerkennung finden. Die Informatik wird in den nächsten Jahren zu einer soliden Grundlagenwissenschaft weiterentwickelt werden. Ein Hochschul- oder Fachhochschulstudium wird dem Programmierer das Basiswissen und Handwerkszeug vermitteln, das er braucht, um sich in den 90er Jahren (vielleicht auch schon früher) durch eine Spezialausbildung auf den Beruf eines "DV-Engineering-Consults für die Textilbranche", eines "DV-Ingenieurs für Qualitätssicherung" vorzubereiten. Programmierer (Informatiker) wird dann eine sehr allgemeine Berufsbezeichnung, wie etwa Jurist, sein und viele unterschiedliche Berufsbilder beinhalten. Und wie ein Jurist den Beruf eines Notars oder Wirtschaftsjuristen ausübt, so wird ein Programmierer den Beruf eines "Architekten für Computernetze" oder "Engineering-Consults für Prozeßsteuerungen" ausüben. Welche konkreten Berufsbilder nun in den nächsten 10 Jahren für die Programmierer entstehen, läßt sich heute nur schwer voraussagen (einige kann man sicher erahnen). Es läßt sich aber unschwer voraussagen, daß der Ausbildungsweg nicht kürzer als in irgendeiner anderen intellektuellen Disziplin sein wird.