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22.06.1979 - 

Allenthalben fehlen Lehrer mit DV-Know-how:

Berufsbildende Schulen: Informatik mangelhaft

22.06.1979

Die unterschiedlichsten Interpretationen führender Vertreter der Informationswissenschaft (Informatik/Datenverarbeitung) machen es schwer, begriffliche Klarheit über diese neue Disziplin zu erhalten. Ursprünglich nach amerikanischem Vorbild als "computer science" mit mathematischem Schwerpunkt ausgerichtet, ist neuerdings eine anwendungsorientierte Ausrichtung erkennbar.

In der Erklärung der Bundesregierung zum 2. Datenverarbeitungsprogramm wird Informatik als Wissenschaft von der Struktur, den Computersprachen und der Programmierung von DV-Anlagen sowie der Methodik ihrer Anwendungen einschließlich der Mensch/Maschine-Wechselwirkung" definiert.

Die Kerninformatik kann unterteilt werden in technische Informatik (Hardware), praktische Informatik (Software) und theoretische Informatik (mathematische Grundlagen der Hard- und Software).

Als notwendige Ergänzung zu der einseitig maschinenorientierten Informatik haben sich in zunehmendem Maße "Informationswissenschaften" entwickelt, die ihre Aufgabe darin sehen, Informationssysteme für bestimmte, fachspezifisch

Von der "Computer Science" zur "angewandten Informatik"

ausgerichtete Zwecke zu planen und zu entwickeln. Bei ihnen steht die anwendungsorientierte Betrachtung im Mittelpunkt. Gegenwärtig gibt es folgende Richtungen:

Die angewandte Informatik wird eingeteilt in

- Ingenieurinformatik

- Wirtschaftsinformatik

- Bildungsinformatik

- Medizinische Informatik

- Linguistik/Informatik.

An beruflichen Schulen ist eine Hinwendung zur anwendungsorientierten Richtung der Informatik notwendig. Zum Beispiel wurde das Berufsbild "Datenverarbeitungskaufmann" oder der "Informationselektroniker" als Lehrberuf entwickelt. Wichtig ist jedoch, daß auch den Lehrkräften das Verständnis vermittelt wird, um das Fach Datenverarbeitung effizient zu unterrichten. Eine Realisierung des Ausbildungsgangs Informatik für Lehrer an kaufmännischen beruflichen Schulen (Lehrerfortbildung) hat deshalb zwei Zielvorstellungen zu verfolgen:

Erstens: Die Ausbildung der Lehrer muß in erster Linie anwendungsorientiert sein, denn die Aufgabe des beruflichen Schulwesens beruht auf der Bereitstellung von Hilfen für die Auseinandersetzung mit den Bildungsgütern der beruflichen Arbeitswelt.

Dazu muß die Überlegung treten, daß der dynamischen Entwicklung in Wirtschaft

"Die DV-Ausbildung der Lehrer muß anwendungsorientiert sein"

und Technik Rechnung zu tragen ist. Sie verlangt ein Fachwissen im praxisgerechten, realen Detail.

Zweitens: Die Ausbildung muß fächerübergreifende Denk- und Arbeitsweisen hervortreten lassen und Bezüge zu den Erkenntnissen der Arbeitswelt aufrechterhalten.

Deshalb sind Querverbindungen zu den Wirtschaftswissenschaften (Organisationslehre), zur Kybernetik (allgemeiner und pädagogischer Bereich) und zur Technik (physikalische und elektronische Grundlagen) neben dem mathematischen Grundwissen gleichberechtigt darzustellen.

Das Dillinger-Modell, entwickelt von Dr. Friedemann-Lösch, zeigt eine der Möglichkeiten zur Fortbildung der Lehrer im Bereich Informatik/Datenverarbeitung. Dabei werden nach grundlegenden Informationen und einem Grundkurs die Lehrer in den Fächern pädagogische Kybernetik, Mathematik, EDV, Organisation, physikalische Elektronik eingewiesen. Anschließend erfolgt für die Lehrer ein Praktikum. Einige Wochen später werden sie dann wiederum zur Ausbildungsinstitution eingeladen und erhalten einen Aufbaukurs mit anschließender Prüfung.

Je nach Art des Lehrgangs stehen folgende Ziele im Mittelpunkt:

- Vertrautmachen mit grundlegenden Begriffen, Verfahren und Geräten der EDV,

- Darstellung typischer Anwendungsmöglichkeiten der EDV - vornehmlich im Bereich der Wirtschaft, der Schule (Unterricht) und der Schulverwaltung,

- Verständnisentwicklung für technische, gesellschaftliche und informationspsychologische Bedeutung der EDV,

Die Realisation eines derartigen idealen Programms bringt große Schwierigkeiten mit sich.

Die oben beschriebenen Seminare wurden zwar mehrere Jahre durchgeführt (Lehrerfortbildungs-Akademie Dillingen), aus Kostengründen werden jedoch heute im wesentlichen nur Kurz-Seminare (Einführung in die Programmiersprache Basic, Lehrplanbesprechungen) durchgeführt.

Das ist schade, denn heute fehlen bereits Hunderte von Lehrern in den berufsbildenden Schulen, die in der Lage sind, Informatik/Datenverarbeitung zu unterrichten. Wenn die berufsbildende Schule nicht in den Ruf kommen will, schon wieder den Anschluß an ein modernes Gebiet zu verpassen, dann sollten gezielte Ausbildungsprogramme vorgelegt werden.

*Klaus Jamin ist Professor der Fachhochschule München