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20.09.1996 - 

Neue Ausbildungsberufe in der IT-Industrie

Berufsschulen müssen sich von Cobol verabschieden

Michael Ehrke von der Frankfurter IG Metall-Zentrale zeigt sich optimistisch. Er glaubt, daß bereits im nächsten Herbst etwa 10000 junge Menschen in den neuen Berufen

-IT-Systemelektroniker,

-Fachinformatiker,

-IT-Systemkaufmann und

-Informatikkaufmann

ausgebildet werden können.

Es ist schon ungewöhnlich, was die Tarifparteien innerhalb einiger Monate zuwege gebracht haben. IG Metall und Postgewerkschaft auf der einen sowie der Zentralverband der Elektroindustrie (ZVEI) und der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) auf der anderen Seite entwickelten neue Berufsbilder für die IT-Industrie und erhielten dafür bereits die Genehmigung der Regierung.

Normalerweise dauert es hierzulande Jahre, bis alle involvierten Beteiligten ihren Segen für ein neues Berufsbild geben. Diesmal vollzieht sich der Wandel im Zeitraffer, wenngleich Gewerkschafts- und Arbeitgeberfunktionäre bisher noch nicht den Segen der Kultusbürokraten und IHKs haben.

Zum ersten Mal werden in einer Ausbildung Inhalte berücksichtigt, die Industrievertreter seit Jahren einfordern, nämlich eine Mischung aus technischen, betriebswirtschaftlichen und sozialen Kompetenzen sowie Einbeziehung einer Fremdsprache.

Damit fangen die Probleme bereits an, wie Ehrke zugibt. Bisher waren die Berufsschulen nämlich aufgeteilt in kaufmännische und gewerblich-technische. Das neue Konzept impliziert, daß künftig auch Handelslehrer Techniker unterrichten müssen.

Aber damit nicht genug. IHKs und Schulen haben sich bisher nicht unbedingt als Motoren der Innovation ausgezeichnet. Wie sonst läßt sich erklären, daß die alten Berufsbilder seit fast 20 Jahren Bestand hatten und nur kosmetisch korrigiert wurden? Die IT- Branche gehört zu den Industriezweigen, die sich in den letzten Jahren am stärksten entwickelten. Die Innovationen dieser Branche scheinen an den Schulen spurlos vorbeigegangen zu sein. Noch immer liegt der Schwerpunkt auf der Cobol-Programmierung.

Und nun soll innerhalb weniger Monate der Unterrichts- und Prüfungsstoff so verändert werden, daß Themen wie Multimedia und Objektorientierung zum Lehrstoff gehören. Was also in zig Jahren nicht möglich war, soll nun in kürzester Zeit geschehen. Denn laut Fahrplan der Tarifparteien geht es am 1. August 1997 mit den neuen Kursen los.

Sigrid Kümmerlein, Bereichsleiterin Ausbildung beim Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHT) in Bonn, ist - wie könnte es anders sein - ebenfalls zuversichtlich, was die Einführung der neuen Berufe angeht. Sie traut den Schulen die nötige Flexibilität zu, um sich auf die neue Situation einzustellen. Nicht einverstanden ist Frau Kümmerlein hingegen mit der Auffassung der Gewerkschaft, die alten Berufsbilder DV-Kaufmann und mathematisch- technischer Assistent sterben zu lassen. Sie tritt für eine Reformierung ein, weil Universitäten großes Interesse vor allem am mathematisch-technischen Assistenten geäußert hätten.

SNI hat Inhalte erheblich erweitert

Die vier neuen Berufe beinhalten einen Katalog an Kernkompetenzen, der 50 Prozent der Ausbildung ausmacht. Er enthält folgende zentrale Themen:

- Betriebswirtschaft und Arbeitsorganisation,

- IuK-Produkte,

- Programmierung,

- Konzeption von IuK-Systemen,

- Markt- und Kundenorientierung sowie

- Service und Support von IuK-Systemen.

Die andere Hälfte des Katalogs widmet sich der berufsspezifischen Fachbildung. Insgesamt geht es laut Ehrke um ein Berufsfeld, in dem schon heute 800000 Menschen arbeiten und das in den nächsten Jahren noch einmal um 200000 Arbeitsplätze wachsen soll.

Siemens-Nixdorf hat bereits seit Jahren das Berufsbild des DV- Kaufmanns und des Kommunikationselektronikers durch zeitgemäße Inhalte ergänzt, wie Ausbilder Heinz-Dieter Voskamp versichert. So erwerben die Lehrlinge zusätzliche Kenntnisse in Qualitäts- Management, Kundenorientierung, Projektabwicklung, Englisch, aber auch in aktueller IT-Technik wie objektorientierter Programmiertechnik. Neben der IHK-Prüfung können die SNI-Azubis noch eine zusätzliche hausinterne Prüfung ablegen, die diese Themen beinhaltet.