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24.05.1991

Beschämende Technologie

An dieser Stelle über den Golfkrieg noch einen Kommentar zu schreiben mag dem Leser aus zweierlei Gründen anrüchig erscheinen. Erstens liegt der Konflikt schon Wochen zurück, und zweitens erscheint das Kommentieren technischer Sachverhalte angesichts Tausender Toter bedeutungslos. Die Informationspflicht gebietet uns jedoch, auch heiße Eisen anzufassen, jedenfalls dann, wenn sie den Themenkreis der CW berühren. Das ist der Fall, wenn, wie kürzlich geschehen, der Blick hinter die Kulissen des Informationssystems der U.S. Army frei wird.

Neben der Tatsache, daß das amerikanische Militär mit dem Information Systems Command (ISC) die weltweit größte DV-Organisation besitzt, interessieren hier die Fakten TCP/IP und heterogene Rechnerumgebungen. Das ISC hat nämlich nach dem Einmarsch der Iraker in Kuwait in Windeseile ein Netzwerk aus dem saudiarabischen Sand gestampft, das Systeme verschiedenster Hersteller mit Hilfe des Übertragungsprotokolls TCP/IP verknüpft.

Natürlich nötigt uns die Fähigkeit, kurzfristig ein offenes System dieser Art zu installieren, Respekt ab. Angesichts der im Golfkrieg im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar gewordenen Präzision der Kriegsführung drängt sich jedoch ein Vergleich von Waffen- und IS-Technologie auf. Der fällt für die Vernetzung zweifellos schlecht aus: Zwar beweist die kurzfristige Installation eines heterogenen Netzes, daß sich in Sachen Kompatibilität einiges bewegt hat, vom Idealzustand sind die Connectivity-Produkte aber noch immer weit entfernt.

Ebenso verhält es sich mit TCP/IP. Die Militärs haben sich sicherlich nicht für das Protokoll entschieden, weil TCP/IP eine Erfindung des amerikanischen Verteidigungsministeriums ist. Vielmehr befindet sich gegenwärtig nichts Besseres als der Defacto-Standard auf dem Markt, und stellt TCP/IP schlicht den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen den Produkten der unterschiedlichen Hersteller dar. Der Umstand, daß todbringende Technologien besser entwickelt sind als IS-Systeme, muß uns beschämen. Der offenen Kommunikation das Wort zu reden verdiente einen weniger traurigen Anlaß als den Krieg. pg