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21.02.1986 - 

Absichtserklärungen der IBM in Sachen Netzwerke unter der Lupe:

Beschränkte Token-Ring-Nutzung hat enttäuscht

21.02.1986

Früher als erwartet hat die IBM im Oktober vergangenen Jahres den Schleier des Geheimnisses um ihr Token-Ring-LAN- zumindest teilweise - gelüftet. Relativ enttäuschend an dieser Ankündigung war vor allem die Beschränkung in der Nutzung auf die diversen PCs der IBM.

Bis zu 260 Stationen dieser Art sind pro Ring möglich. Innerhalb einer solchen Teilnehmerumgebung ist die Übertragungsgeschwindigkeit von vier Megabyte pro Sekunde zweifelsohne ausreichend. Andererseits wird der weitere Ausbau des Netzes in Verbindung mit dem Anschluß schnellerer Prozessoren zukünftig höhere Übertragungsgeschwindigkeiten erforderlich machen. Das angekündigte Token-Ring-LAN ist ein Basisband-Netzwerk nach den Empfehlungen von IEEE 802.5 und ECMA 89, bei dem eine Logical-Link-Control-Schnittstelle gemäß IEEE 802.2 zur Verfügung gestellt wird.

Aufwand für fehlertolerante Netzumgebung

Viel Aufwand hat die IBM in eine fehlertolerante Netzumgebung gelegt. Durch diverse Testverfahren (PC-Adapter-Test und Ring-Einfügungstest) sowie durch eine "dynamische" Monitorfunktion der aktivierten Adapter kann bei diesem Netz von einer hohen Verfügbarkeit ausgegangen werden.

Die Nutzung des Netzes ist - zumindest kurzfristig - jedoch sehr eingeschränkt: Die wesentlichen Gründe hierfür liegen in der Beschränkung auf PCs und die damit erforderlichen System-Software-Bausteine für die Kommunikation mit Host-Systemen,

Serie /1 -Rechnern und der Kopplung mit dem IBM-PC-Network. Dennoch würde man diesem Announcement nicht gerecht, wenn man es lediglich in die Reihe der PC-Netzwerke stellt. Aufbauend auf dem Verkabelungssystem und eingebettet in die Office Communication der IBM auf Basis der APPC/ LU 6.2- und der DIA/DCA-Umgebung kommt dem Token-Ring-LAN eine wichtige Mittlerfunktion für den Transport gemischter digitaler Informationen im Inhousebereich zu.

Die Ziele des Token-Ring-Announcements lassen sich somit wie folgt zusammenfassen:

- Als generelle Netz-Infrastruktur für die Inhouse-Kommunikation (Daten, Text, Grafik) soll das Token-Ring-Netzwerk die Basis für die IBM-Bürokommunikationsumgebung werden. Durch die Anwendung öffentlicher Standards auf der Ebene 1 und 2 soll der Einsatz auch für Nicht-IBM-Geräte ermöglicht werden.

- Die gleichzeitige Übertragung der Sprache ist - technisch bedingt - hierbei sekundär.

- Es stellt die "physische Transportfunktion" für die "logischen Netzfunktionen" auf Basis der LU-6.2-Protokolle dar.

- In erster Linie soll es dazu dienen, eine intelligente Nutzung von mehr PCs auch in großen Organisationen zu ermöglichen ("Promotion" des PC-Geschäfts).

Besonderes Gewicht bekommt das Announcement der IBM allerdings vor dem Hintergrund der zu erwartenden Anschlußmöglichkeiten. Hierbei steht zu vermuten, daß im Laufe der nächsten ein bis zwei Jahre eine Reihe von Direktanschlüssen für Systeme wie zum Beispiel 4361, Serie /1, /36, /38, 3270-Steuereinheiten, Office-Systemen (5520 etc.) und 3725-Netzwerkrechnern verfügbar werden. Sicher ist auch, daß die Verfügbarkeit eines Token-Ring-LAN in der IBM-Produktumgebung erhebliche Auswirkungen auf vorhandene Anwendungen und Verfahren haben wird. So steht zu vermuten, daß Bildschirmsteuereinheiten der herkömmlichen Art (3274) infolge ihrer Host-abhängigen Steuerung nicht mehr in diese Landschaft passen. Die Implementierung der LU-6.2-Funktion auch in solche Komponenten dürfte zwangsläufig sein.

"Stunde Null" liegt deutlich hinter uns

Mit das größte Handicap aus heutiger Sicht für eine rasche Verbreitung des Token-Ring-LAN sind jedoch nicht nur die vorhandenen Restriktionen hinsichtlich der PC-Nutzung, Engpaßfunktionen (wie zum Beispiel System/370-Gateway) und relativ späte Verfügbarkeit (drittes Quartal 1986), sondern auch der Mangel an LAN-geeigneten Anwendungen der anzuschließenden Komponenten. Diese Problematik trifft jedoch nicht nur auf das IBM-Announcement zu. Grundsätzlich ist der Anwender gefordert, sich mehr als bisher auf die Entwicklung der Inhouse-Kommunikation bei der Planung seiner Anwendungen zu konzentrieren. Gefordert ist zukünftig, von einer strengen Host-Orientierung abzugehen zugunsten einer verteilten Struktur der Programm- und Datenmanagement-Funktionen. Diese Entwicklung wird durch die lokalen Netze zweifellos begünstigt, da hierbei schnelle Übertragungskanäle zur Verfügung stehen, die im Sinne von Programmverteilung und Resource-Sharing erforderlich sind.

Für das Marktgeschehen hat das Token-Ring-Announcement deutlich gemacht, daß langfristig neben der Alternative CSMA/CD die Familie der deterministischen Zugriffsverfahren (Token-Ring und Token-Bus) an Bedeutung zunehmen werden. Ferner ist festzuhalten, daß durch dieses Announcement die LAN-Idee mit Sicherheit hoffähig geworden ist. Dies alles sollten die Konkurrenten der IBM grundsätzlich begrüßen. Für die Anwender ist allerdings die Planung einer langfristigen Netzwerkkonzeption dadurch nicht einfacher geworden, zumal wenn eine neue Herstellerbindung auf diesem Sektor vermieden werden soll. Auf der anderen Seite ist der LAN-Markt heute durch eine Reihe qualifizierter Installationen und ein durchaus erprobtes Produktangebot gekennzeichnet. Die "Stunde Null" liegt bereits deutlich hinter uns. Insofern bestätigt das IBM-Announcement diese Entwicklung und eröffnet zukünftige Optionen für die Gestaltung der Inhouse-Netzumgebung.

*) Dipl.-Ing. Dieter Steinle ist geschäftsführender Gesellschafter der TELE-CONSULTING GMBH in Gäufelden und gleichzeitig 1. Vorsitzender des herstellerunabhängigen Benutzerforums COUNT e. V.