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03.08.1979

Beseitigt Manpower-Leasing Programmier-Engpaß?

Der Einsatz von externen DV-Mitarbeitern ist vorwiegend eine Frage fehlender Manpower, denn: "Wo findet man heute noch qualifizierte Programmierer, die bereit sind, bei einer tagsüber voll ausgenützten Anlage, ausschließlich nachts zu arbeiten?" bedauert Jürgen Heinz, EDV-Chef bei Lidl & Schwarz in Neckarsulm, der überwiegend Positives über "gekaufte" Programmierunterstützung zu berichten weiß. Er schränkt dennoch ein,

daß Fremdhilfe grundsätzlich nur dann zu befürworten sei, wenn die "Gastarbeiter" direkt im Betrieb mitarbeiten und auch später über das Projekt hinaus zur Verfügung stünden. Fazit der COMPUTERWOCHE-Umfrage: Nicht jedes Angebot externer Unternehmensberater landet im Papierkorb bundesdeutscher DV-Leiter wie bei Jürgen Schoop (Clark GmbH, Mülheim), der einst "teures Lehrgeld" zahlen mußte.

Uwe Schmietendorf

Leiter der Organisation und Datenverarbeitung, Organon GmbH, Oberschleißheim. bei

München

In den letzten zwei Jahren hatten wir Kontakte mit einer Reihe von Unternehmensberatern beziehungsweise Softwarehäusern und haben EDV-Anwendungen mit externer Unterstützung in unserem Haus realisiert.

Die Entscheidung für den Einsatz und die Auswahl von externen Mitarbeitern erfolgte im Rahmen einer vorherigen Projektplanung, in der Projektkonzeption, Kapazitätsbedarf (Manpower), Zeitplanung und Kosten/Nutzen des Projektes fixiert wurden.

Nach unserer Erfahrung ist die Erstellung eines Rahmenkonzepts, in dem Aufgabenstellung und Schnittstellen zu anderen Systemen klar definiert sind, die erste wichtige Voraussetzung für die Auswahl und erfolgreiche Zusammenarbeit mit externen Beratern. Vor Vertragsabschluß sollten darüber hinaus genaue Vorstellungen über die Terminierung, den Abrechnungsmodus und über die Garantieleistungen bestehen.

Die Nachprüfung von Referenzen hat bei Auswahl sekundären Charakter, da der Anwender die Leistungsfähigkeit der tatsächlich zum Einsatz kommenden externen Mitarbeiter in der Regel nur schwer beurteilen kann.

Bei der Realisierung eines von uns mit Fremdunterstützung durchgeführten Projekts haben wir neben der Programmierung die Projektleitung und -organisation entsprechend den vorgegebenen: Richtlinien extern vergeben. Die Kontrolle des Projektfortschrittes sowie die Koordination der verschiedenen Aktivitäten, insbesondere hinsichtlich der Schnittstellenorganisation und Kommunikation mit den Fachbereichen, lag bei a der DV-Leitung. Die Integration der externen Mitarbeiter in die eigene Organisation und die Kommunikation zwischen internen und externen Fachkräften sollte von Anfang an gefördert werden. Nur so kann sichergestellt werden, daß die extern erstellten EDV-Anwendungen nach der Übergabe in eigener Regie weiter gewartet und in die bestehenden Systeme reibungslos integriert werden können. Es ist zu empfehlen, besonderes Augenmerk auf die Einhaltung von Standards in der Programmierung und Dokumentation zu richten.

Jürgen Schoop

Leiter der Datenverarbeitung Clark Maschinenfabrik GmbH, Mülheim/Ruhr

Bei Durchsicht der täglichen Post stoße ich ziemlich regelmäßig auf Schriftverkehr von, diversen Unternehmensberatern, die die in teils persönlichen Anschreiben beziehungsweise in Form von Postwurfsendungen ihre Dienste für Analysen, Beratung, Planung, Organisation, Programmierung oder Produktionsabläufe anbieten. Ohne Zweifel sind die genannten Punkte aus der heutigen Datenverarbeitung nicht mehr wegzudenken, und es wird daher im ersten Augenblick sicher sonderbar klingen, daß solche Angebote bei mir ebenso regelmäßig wie sie erscheinen im Papierkorb landen. Der Grund für diese Reaktion ist nicht in persönlicher Überheblichkeit oder Fehleinschätzung zu finden, sondern wird ausschließlich durch negative Erfahrungen der Vergangenheit hervorgerufen. Wer einmal teures Lehrgeld gezahlt hat, wird sich zwangsläufig die Frage stellen müssen, wie derartige Fehlinvestitionen in Zukunft zu vermeiden sind. Wir haben uns damals diese Frage gestellt und sind zu dem Entschluß gekommen, zukünftig auf den Einsatz von Unternehmensberatern im Bereich der EDV zu verzichten.

Unsere Planung wurde von diesem Zeitpunkt an ausschließlich auf die Leistungsfähigkeit der eigenen Mitarbeiter ausgelichtet. Dabei leisteten gezielte Ausbildung innerhalb der EDV und der einzelnen Fachabteilungen sowie der Einsatz von entsprechender Anwendungssoftware einen zusätzlichen Beitrag. Wenn bei uns heute die Benutzung von Requirements Planning, DL/1, CICS, SPMO, DMS oder CORMES zur Selbstverständlichkeit geworden ist und die erste Phase von COPICS in diesem Jahr

in Angriff genommen wird, so sprechen diese Fakten sicherlich für die Richtigkeit unserer damaligen Entscheidung.

Dieter Weiss

EDV- und Organisationsleiter Deutsche Industriewartung GmbH, München

Gerade wir als Dienstleistungsunternehmen fühlen v uns grundsätzlich dazu verpflichtet, unvorhergesehene Projekte, die unsere Kapazität wesentlich überschreiten, von fremden Unternehmen durchführen zu lassen.

Im Zuge der Projektüberlegungen stellten sich uns die Fragen:

Können wir das Projekt mit eigenem Personal durchführen? Können wir es termingerecht durchführen? Nach Abfassung der Aufgaben- und Problemstellung kamen wir zu der Überzeugung, daß das neue Projekt mit eigenem Personal nicht termingerecht zu bewältigen sei.

Wir haben uns daraufhin entschlossen, das Projekt durch eine externe Beratungsfirma durchführen zu lassen. Hier sind wir wie folgt vorgegangen:

- Die Referenz-Liste des Beraters wurde von uns geprüft.

- Die schriftliche Aufgaben- beziehungsweise Problemstellung wurde dem Berater zur Verfügung gestellt.

- Es wurden vertraglich die Terminzusagen, die Honorarvereinbarung (Festpreis!) und die Rechnungsstellung festgelegt.

- Der Arbeitsablauf wurde vorher besprochen und vom Berater schriftlich abgefaßt, um spätere Unstimmigkeit von vornherein auszuschließen .

Besonderen Wert legten wir darauf, daß der Berater sowohl für die Organisation als auch für die Programmierung zuständig sein sollte um die Verantwortlichkeit in einer Hand zu lassen, beziehungsweise um einen einzigen Gesprächspartner zu haben. Wir sind der Meinung, daß bei der Auswahl des richtigen Beraters unter Zugrundelegung der genannten Kriterien die Inanspruchnahme einer externen Beratungsfirma durchaus positiv sein kann.

Unsere Erfahrung ermutigt uns, auch weiterhin die Spitzenbelastungen durch Fremdfirmen auszugleichen.

Jürgen Heinz, EDV-Leiter der Lidl & Schwarz KG Neckarsulm

Bei unserem letzten Projekt , haben wir überlegt, ob wir mit eigenen Leuten oder externen Unternehmensberatern arbeiten. Da uns die Manpower fehlte und wir nicht acht Programmierer einstellen wollten, um diese nach knapp zwei Jahren wieder zu entlassen, entschieden wir uns für die Fremdhilfe. Wir fanden ein Unternehmen, mit dem wir gut bedient sind.

Die Planung und Organisation , wurde von uns unter Mithilfe der Unternehmensberatung vollzogen Den gesamten Programmierbereich übernahmen die Externen - allerdings direkt in unserem Haus.

Ich habe die Erfahrung gemacht daß dies der entscheidende Aspekt für die positive Abwicklung des Projekts war. Zeitweilig arbeiteten bis zu fünf Fremdprogrammierer bei uns. Damals haben wir quasi das Fundament für unsere EDV geschaffen. Trotzdem blieb bis heute noch ein Mann in unserem Haus, der die letzten Macken beseitigt und Zusatzprogramme strickt.

Meiner Meinung nach sind externe Mitarbeiter grundsätzlich dann zu befürworten, wenn sie direkt im Betrieb mitarbeiten und auch später über das Projekt hinaus zur Verfügung stehen. Die Kosten für externe Unternehmensberater sind dann nur bei oberflächlicher Betrachtung höher. Denn wo bekommt man heute noch qualifizierte Programmierer, die bereit sind bei einer tagsüber voll ausgenützten Anlage, ausschließlich nachts und an den Wochenenden zu arbeiten? Das war auch unser Generalproblem. Wenn aber ein Programmierer bereit ist, nächtliche Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen, verlangt er etwa die gleiche Bezahlung wie ein Fremdmitarbeiter, wobei die Kenntnisse eines Externen wohl als etwas umfassender betrachtet werden können.

In der Zusammenarbeit mit externen Unternehmensberatern haben wir auch negative Erfahrungen sammeln können. Es gab eine Phase von einem Monat, in der die Programme nicht bei uns geschrieben und getestet wurden. Damit sind wir sozusagen auf die Nase gefallen. Die Leute waren nicht verfügbar und wir mußten permanent herumtelefonieren, weil sie noch in anderen Projekten eingespannt waren.

Für einen entscheidenden Nachteil der externen Mitarbeit halte ich den Verantwortungsbereich. Selten identifizieren sich Fremdmitarbeiter mit dem Unternehmen, in dem sie ein Projekt gerade abspulen. Wenn ein Fehler gemacht wird dann ist er in ihren Augen eben gemacht. Er wird zwar verbessert, aber die Folgen daraus trägt nicht die Unternehmensberatung. Diese Dinge muß man genau in den Griff bekommen.