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21.03.1980 - 

Computer steuert Fernwirkzentralstellen der Post:

Bessere Verbindung durch Automatisierung

Die erste rechnergesteuerte Fernwirkzentralstelle im fernmeldetechnischen Bereich der Deutschen Bundespost (DBP) hat jetzt bei der Oberpostdirektion Hannover den betrieb aufgenommen. Sie wurde von AEG-Telefunken geliefert und unterstützt das Personal beim Steuern und Überwachen der Richtfunkstrecken für Fernsprech- und Fernsehverbindungen sowie der Fernseh- und UKW-Rundfunksender. Die DBP beabsichtigt, bis zum Ende der 80er Jahre die übrigen Fernwirkzentralstellen im Richtfunknetz mit diesen Datenverarbeitungsanlagen auszurüsten.

Im ständig dichter werdenden Weitverkehrsnetz der DBP wachsen auch die Fernüberwachungs- und Fernsteueraufgaben. In der mittleren und oberen Fernnetzebene führt die Post über 40 Prozent aller Fernsprechkanäle über Richtfunk, die Fernsehsignalübertragung geschient fast ausschließlich über Richtfunk-Breitbandsysteme. Es ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung, die hohe Verfügbarkeit aller Übertragungs- und Betriebseinrichtungen in diesem ausgedehnten Netz sicherzustellen. Hierzu dient neben der automatischen Ersatzschaltung der Richtfunkgrundleitungen und der Fernseh-Rundfunksender auch deren Überwachung und Steuerung über Fernwirkeinrichtungen. Dazu werden die Betriebsdaten der Richtfunk-Betriebsstellen sternförmig in insgesamt 16 Leitplätzen Funk im Bundesgebiet zusammengeführt.

Infolge der Probleme der Darstellungsweise mit Mosaik-Betriebsschaubildern zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen setzt die Deutsche Bundespost in zwei Fernwirkzentralstellen versuchsweise Prozeßrechner ein. Bei der OPD Hannover wurde jetzt die von AEG-Telefunken gelieferte Anlage in Betrieb genommen, die dafür erforderliche Rechnersoftware ist eine gemeinschaftliche Entwicklung mit SEL.

Lupe auf dem Schirm

Der Rechner verarbeitet die Informationen der Fernwirk-Telegramme und zeigt sie auf Sichtgeräten. Dazu ist in einer Zeichen-Graphik das Gesamtnetz der Fernwirkzentralstelle in Teilbereiche, sogenannte Lupen, unterteilt worden. Erscheint nun eine solche Lupe auf dem Bildschirm, erkennt das Bedienerpersonal an Hand der Farbe, Blinken und Negativ-Darstellung der einzelnen Meldepunkte, welcher Meldungstyp vorliegt und wie darauf reagiert werden kann. Die verschiedenen Meldungstypen sind:

- Alarmmeldung, zum Beispiel Feuer, Stromausfall;

- Primärstörung, das heißt, eine verursachende Störung in einer Richtfunk-Grundleitung;

- Sekundärstörung, das heißt, eine Folgestörung einer Primärstörung;

- Betriebsmeldung, zum Beispiel Pilotausfall auf einer Richtfunkgrundleitung;

- Kommando-Rückmeldung, für die Richtigkeit eines voreingestellten Kommandos von der Fernwirkunterstelle.

Der Rechner arbeitet nach einer Prioritätenliste; so werden wichtige Meldungen, zum Beispiel eine Alarm-Meldung zuerst angezeigt. Für Eingabe von Fernwirk-Kommandos positioniert die Bedienkraft die Lichtmarke des Cursors auf dem Bildschirm in dem gewünschten Kommandofeld der Lupe und aktiviert durch Betätigen einer Funktionstaste die Ausführung des eingespeicherten Kommandos.

Höhere Wirtschaftlichkeit

Für die Analyse von Geräte-Störmeldungen, die mehrere Leitplätze betreffen, richtet die DBP einen zentralen Kommunikationsrechner ein. Im jetzigen Ausbau mit den beiden rechnergesteuerten Fernwirkzentralstellen in Hannover und München ist der Rechner in der Anlage Hannover integriert.

Da der Kommunikationsrechner Zugang zu den Zustandsinformationen des gesamten Netzes hat, werden ihm auch das Führen von Dateien, die Archivierung und die statistische Auswertung übertragen.

Mit der Automatisierung der Nachrichtennetze erreicht die Deutsche Bundespost

- eine hohe Wirtschaftlichkeit des Betriebes durch effektiveren Personaleinsatz. Dies ermöglichen die Bedienungserleichterungen beziehungsweise -vereinfachungen und die Entlastung des Personals von Routineaufgaben. Die Ausfallwahrscheinlichkeit nimmt wegen der Fehlerfrüherkennung ab;

- eine Sicherung der hohen Verfügbarkeit von Fernmeldeverbindungen durch schnelles Erkennen der Störungsart und des Störungsortes.

Mit dem Einsatz von Prozeßrechnern in den Fernwirkzentralstellen erhofft sich die DBP größere Flexibilität und höhere Schnelligkeit bei der Anpassung an neue beziehungsweise geänderte Aufgaben.