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11.04.1975

Besuchen Sie die Hannover Messe ?

Hannover Messe. Für die einen ein Alptraum - für die anderen optimale Information. Alle Jahre wieder kommen auf Anwender und Hersteller die grausam-schönen zehn Tage zu und zugleich die Frage: "Müssen wir denn wirklich hin?".

Vielerorten wird gemunkelt, daß ein Besuch gerade dieser Mammut-Ausstellung letzten Endes doch nur noch eine Prestige-Frage sei. Für einige Hersteller scheint das zuzutreffen, wie aber sieht es bei den vom ewigen Termindruck geplagten EDV-Anwendern aus? EDV-Leiter selber fahren kaum noch hin und "konzeptionsloses Rumlaufen" hält keiner für sinnvoll.

CW befragte aus aktuellem Anlaß vier Großanwender nach ihrer Meinung über die Hannover Messe.

Heinz Drahtmüller, Leiter der EDV-Abteilung des Oldenbourg-Verlags, München

Ich fahre schon seit zwei Jahren nicht mehr zur Hannover Messe. Es hat keinen Sinn, sich die reine Information zu holen, - dafür fehlt einem auch die Zeit. Das ist in einem Tag nicht zu schaffen und mehr Zeit kann man dafür nicht aufwenden. Sicherlich wäre es für jeden EDV-Mann gut, jedes Jahr hinzufahren. Aber die Flut der Informationen ist einfach zu viel. Man ist vielleicht zwei, drei Stunden aufnahmefähig und auch bereit, mit den Anbietern das zu diskutieren, was einen wirklich intressiert. Der Rest plätschert so an einem vorbei. Man läuft dann unermüdlich durch die CeBit-Halle, um sich nicht vorzuwerfen, daß man in dieser oder jener Ecke noch nicht war und vielleicht doch etwas Interessantes vergessen haben könnte. Aber hängen bleibt davon eigentlich nichts mehr.

Leider gibt es keine richtigen Alternativen zur Hannover Messe. Rein vom Hersteller-Angebot ist sie einfach am besten. Die Systeme kann man ganz vergessen, da ist meiner Meinung nach jede Stunde zu schade, die man dort verbringt. Die Konzentration in der CeBIT-Halle ist einfach faszinierend.

Ich glaube, das Problem liegt mehr bei uns, den Anwendern. Man müßte sich einfach mehr Zeit nehmen können und das Angebot dort wirklich nutzen. An der Messe selber ist nichts auszusetzen. Es kann einfach nicht gesagt werden "ich kann mich nicht richtig informieren, weil das Angebot zu groß ist", - Fehler macht immer der Messe-Besucher selbst. Wenn etwas interessiert, dann müßte man zwei bis drei Stunden an einem Stand bleiben und Detailgespräche führen. Hinzu kommt noch, daß mehrere Hersteller in etwa das gleiche anbieten und der Anwender braucht ja Vergleichsmöglichkeiten. Multipliziert man dann die Stundenzahl mit der Anzahl der Anbieter, dann kommt nichts mehr dabei heraus. Ich gehe nur noch alle drei bis vier Jahre auf die Messe und zwar nur dann, wenn ein spezielles Problem im Hause vorliegt. für das ich dann konzentriert auf der Messe nach einer Lösung suche.

Einen Vorschlag hätte ich noch, der ist aber aus kommerziellen Gründen nicht durchzuführen: Schön wäre es, wenn - vor allem zu Beginn der Messe, wenn die Vertriebsleute an den Ständen noch nicht messemüde sind - die Halle nur für Fachleute geöffnet wäre.

Bernhard T. Greskamp, Hauptabteilungsleiter Datenverarbeitung der Gerresheimer Glas AG, Düsseldorf

Nun, ich selbst war schon zwei Jahre nicht mehr auf der Hannover Messe, weil ich mich viel besser über Neuentwicklungen im EDV-Bereich durch die persönIichen Kontakte mit den Vertriebsbeauftragten der Hard- und Software-Hersteller sowie durch Studium der Fachliteratur informieren kann. Wir schicken jedoch meistens zwei Mitarbeiter zur Hannover Messe, die klare Zielsetzungen für ihren Besuch haben.

In unserem Hause haben wir ein sehr straffes, strategisches und operatives Planungssystem, in dem auch alle Aktivitäten des EDV-Bereiches projektmäßig formuliert sind. Auf der Grundlage dieser Pläne wissen wir zum Beispiel, welche zusätzliche oder neue Hardware und Software wir in der nächsten Planperiode benötigen. Daraus lassen sich die Zielsetzungen für die Mitarbeiter, die zur Hannover Messe fahren ableiten.

Meistens ist es so, daß sich der eine mit dem RZ-Betrieb beschäftigt, also nicht nur Hardware sondern auch RZ-Zubehör, wie zum Beispiel Schneideautomaten oder Drucktücher, und der andere sich über Software informiert.

Nach dem Besuch werden von den Mitarbeitern Besuchsprotokolle angefertist, und in einem kurzen Meeting berichten sie über ihre Eindrücke. Besuchsprotokolle und die Messe-Reports der Fachzeitschriften werden dokumentiert und stehen somit für zukünftige Beratungsgespräche oder auch für die Projektarbeit zu Verfügung.

Im vergangenen Jahr lag zum Beispiel einer unserer Schwerpunkte bei der Datenerfassung, und bei verschiedenen Messebesuchen haben wir uns über Alternativ-Lösungen informiert. Zwischenzeitlich haben wir von Lochern/Prüfern auf ein Datensammelsystem umgestellt und dadurch 28 Prozent der Kosten in diesem Bereich eingespart.

Ohne klare Zielsetzung auf die Messe zu gehen halte ich für unsinnig und für nicht wirtschaftlich.

Werner Rinsch, Leiter des Rechenzentrums Datenzentrale Schleswig-Holstein in Kiel

In den letzten Jahren bin ich nicht mehr auf die Hannover Messe gefahren.

Meine persönliche Meinung ist, daß wir Informationen in speziellen Fachgesprächen mit den Herstellern oder aus der Fachpresse ausreichend erhalten.

Sicherlich ist die Hannover Messe in einigen Bereichen für EDV-Anwender interessant, aber das Angebot selbst oder die Möglichkeiten, auf der Messe Informationen zu erhalten, sind aufgrund von Zeitmangel und Überlaufen der Stände nur bedingt möglich.

Es geht vieles unter, und ein Gespräch, das etwas höhere Anforderungen stellt, kann man heute auf der Hannover Messe nicht mehr bekommen.

Für gezielte Vorhaben kann bei entsprechender Terminabsprache der Besuch der Hannover Messe sinnvoll sein.

Auch sind die Aussteller nicht in der Lage, so gut vorgebildetes Personal in ausreichendem Maße zu entsenden, daß effiziente Fachgesprache möglich sind. Aufgrund der Vielzahl der Gespräche ist auch der Aussteller überfordert und kann nicht mit der nötigen Intensität die fachlichen Fragen

beantworten.

Es ist tatsächlich zu prüfen wo der Weg hingeht. Ob wir mehr noch zu einer Fachmesse kommen.

Jürgen Zahn, Leiter der Datenverarbeitung der Allgäuer Alpenmilch, München

Ich fahre dieses Jahr nicht hin, wahrscheinlich aber wieder nächstes Jahr Meiner Meinung nach verschafft die Hannover Messe einen großen Überblick über die Geräte und Maschinen, die derzeit angeboten werden. Man kann sich zwar einige Informationen und Material dort beschaffen, aber es ist unmöglich für den Besucher, sich durch das ganze Spektrum durchzuarbeiten. Sinnvoll ist der Besuch der Messe nur dann, wenn ganz gezielte Vorgaben da sind, zum Beispiel, was gibt es auf dem Gebiet der Bildschirme, um ganz grob durch Gesprache und Vorführungen die einzelnen Hersteller vergleichen zu konnen. Mit dem entsprechenden Unterlagen-Material kann man dann in Ruhe zu Hause weiterrecherchieren.

Wie gesagt, es hat nur Sinn, mit ganz gezielten Vorstellungen auf die Messe zu gehen und sich vom Rest einen generellen Eindruck mit nach Hause zu nehmen. Die Stärke der Hannover Messe mag darin liegen, daß sich der Besucher aufgrund des umfangreichen Angebots auf mehreren interessanten Gebieten gleichzeitig informieren kann. Jedoch auch hier nur nach entsprechender Vorbereitung.

Leider gibt es keine gute Alternative zur Hannover Messe. Da gibt es noch die Systems in München, die einem in manchen Bereichen ebenfalls gut informiert. Für uns gilt ganz generell: wenn wir ein Problem zu lösen haben dann benötigen wir auch die Information und gehen auf die Messe. Nur hinfahren, um dagewesen zu sein, halte ich nicht für wirtschaftlich. Wir fahren nur aus aktuellem Anlaß auf die Messe und dann eben mit ganz gezielten Vorgaben, was angesehen werden muß.