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15.06.1984

Betiebswirtschaftslehre auf EDV-Wegen Soll sich die Organisation eines eines Unternehmen einen bestimmten EDV-System anpassen oder das EDV-System der bestehenden Organisation? Diese insbesondere im Zusammenhang mit der Auswahl von Standardsoftware klassi

Betiebswirtschaftslehre auf EDV-Wegen

Soll sich die Organisation eines eines Unternehmen einen bestimmten EDV-System anpassen oder das EDV-System der bestehenden Organisation? Diese insbesondere im Zusammenhang mit der Auswahl von Standardsoftware klassische Frage gilt für den grundsätzlichen Zusammenhang zwischen Betriebswirtschaftslehre und EDV: Sollen sich betriebswirtschaftliche Planungs- und Entscheidungskonzepte zur EDV hin orientieren -oder soll die EDV lediglich die in Praxis und Theorie erprobten manuelle Organisation ausgerichteten Abläufe übernehmen. Die Antwort auf diese Frage erfolgt gegenwärtig aus Praxis und Theorie auf unterschiedliche Weise.

Traditionelle Konzepte nicht EDV-taugilch

Während in der Praxis zunehmend EDV-geeignete Planungskonzepte entwickelt werden, die sich zum Teil erheblich von betriebwirtschaftlichen Lösungskonzepten der Lehrbuchliteratur unterscheiden, bleibt die Betriebswirtschaftslehre in ihren spezialisierten Fachdisziplinen wie Marketing, Industriebetriebslehre, Bankbetriebslehre, Rechnungswesen etc. häufig in der Tradition der klassischen Problemlösungen verhaftet. Es dominieren quantitativ orientiert Planungssätze, bei denen Fragen nach Datenherkunft, Modellgröße Rechenbarkeit, oder organisatorischer Durchsetzung nahezu unbehandelt bleiben. Auch die EDV-Praxis wertet jedoch nicht alle Möglichkeiten. zur EDV-gerechten Gestaltung betrieblicher Problemlösungen und Abläufe aus und kann so den Nutzen komplizierter Infomationssysteme nicht voll ausschöpfen. Die EDV stellt eben kein Instrument dar, das

bestehende Organisationsformen lediglich durch die Attribute "schneller, billiger einfacher" unterstützt. Sie erfordert auch eine angepaßte Bearbeitungsform.

Für die Gestaltung eines Informationssystems, daß auf Datenbanken beruht, ist der Entwurf der Datenbankstruktur von entscheidender Bedeutung, denn er zwingt zu einer integrierten Betrachtung betrieblicher Funktionalbereiche. Es werden dabei die Datenbanken zwischen Vertrieb, Produktion und -Rechnungewesen offengelegt und in einem funktionsübergreifenden Konzept beschrieben. Gleichzeitig begünstigt dieser Integrationsaspekt die Bildung funktionsübergreifender Abläufe etwa für die Vertriebslogistik, indem Auftragsannahme, Disposition, Produktionsplanung, Versand und Rechnungswesen einen durchgängigen, auf einer einheitlichen Datenbasis beruhenden Ablauf ergeben. Mit der Änderung eines Datums von einer der beteiligten Abteilungen stehen diese Daten auch auch anderen Abteilungen zur Verfügung. Die Vorteile dieses Konzeptes liegen in der Aktualität der Daten, ihrer Redundanzfreiheit und vor allen Dingen in der Beschleunigung der Vorgänge, weil zeitraubende manuelle Informationsübertragungen zwischen Abteilungen entfallen.

Die Dialogverarbeitung unterstützt die Integration verschiedener Systeme an einem Arbeitsplatz. In der Zusammenfügung von Dateneingabe und Sachbearbeitertätigkeit zu sogenannten Misc Arbeitsplätzen korrigiert sich Datenverarbeitung aus einem Irrweg selbst, den sie bei Stapelverarbeitung geschlagen hatte. Hier wurden Vorgänge in Datenerfassung und Sachbearbeitung zerlegt, zeitraubende Übertragungen der Daten- und Fehlerlist zwischen Fachabteilung und EDV haben zu einer Verlängerungr von Durchlaufzeiten geführt. Durch konsequente Nutzung der Dialogverarbeitung können mehr Glieder Vorgangskette an einzelnen ArbeitspIätzen zusammengeführt werden, als es bei eiler Tätigkeit möglich ist. Das Prinzip der Arbeitsteilung ersten Hälfte dieses Jahrhunderrts folgte dem Gedanke Spezialisierungi. Durch die stärkere Unterstützung der EDV treten diese Vorteile aber ihrer Bedeutung zurück. Vielmehr ist es nun dem Sachbearbeiter möglich, in leichter Form auf unterschiedliche Informationsquellen zuzugreifen als bei manueller Bearbeitung und damit gleichzeitig größere Abschnitte eines Vorgangs zu erfassen. Damit entfallen Einarbeitungszeiten, daß eine weitere Beschleunigung der Durchlauf eintritt.

Die Dialogverarbeitung gibt aber auch neue Problemlösungsmethoden durch Einsatz interaktiver Planungsverfahren an die Hand. Es steht nicht mehr eine Optimalität, sondern die Kombination einer aktuellen Informationsbasis mit den Fähigkeiten des Menschen im Vordergrund. Beispiele für solche Ansätze sind im Rahmen von dialogorientierien Fertigungssteuerungssystemen zu erkennen.

Es werden die zeitraumbezogenen Kapazitätsausgleichsverfahren durch Dialogsysteme abgelöst, bei Sachbearbeiter im Dialog Arbeitsgänge an den Maschinengruppen einplant und neue betriebswirtschaftliche fahren ihn dabei unterstützen Auch die Vernetzung von EDV-Systemen besitzt grundsätzliche Bedeutung.

Neue Theorie und Praxis

So können verstärkt Bündelungseffekte genutzt werde indem beispielsweise ein zetraler Einkauf auf aktuelle Lagerbestände der Filialen zugreift oder ein zentrales Cash-Management in einem Konzern durchgeführt wird. Andererseits ermöglicht eine Vernetzung aber auch eine verstärkte Dezentralisation von Funktionen, weil durch die aktuellen Durchgriff einer Zentrale auf alle Daten der angeschlossenen Filialen ein stündiges Eingreifen im Sinne des "Management by Exception" gegeben ist.

Die aufgeführten Beispiele sollen verdeutlichen, daß EDV-Systeme in grundsätzlicher Weise betriebswirtschaftliche Abläufe verändern können. Sie erzwingen sie nicht unbedingt, aber sie öffnen neu Türen. Ein wirtschaftlicher Einsatz der EDV erfordert es, diese Türen aufzustoßen neue sowohl praktisch als auch theoretisch wichtige Räume treten. Dieses bedingt daß die Betriebswirtschaftslehre an den Hochschulen und den Unternehmungen stärker an den Möglichkeiten der EDV orientiert.

(Auf diese fundamentalen Beziehungen zwischen EDV und Betriebwirtschaftslehre in Theorie und Praxis geht der Autor näher ein in EDV-orientierte Betriebwirtschaftslehre, Springer-Verlag, Heidelberg, New York, Tokio, 1984, DM 24,28.)

Professor Dr. August-Wilhelm Scheer - Institut für Wirtschaftsinformatik, Universität des Saarlandes, Saarbrücken