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05.06.1992 - 

Zu hohe Reibungsverluste zwingen zum Umdenken

Betriebe suchen nicht immer den allerbesten DV-Spezialisten

BAD HOMBURG (hk) - Galt es in vielen Unternehmen in den 70er und 80er Jahren, anhand von Tests immer nur die Besten ins Unternehmen zu holen, geht man nun dazu über, denjenigen einzustellen, der am ehesten zur Unternehmenskultur paßt. Dies gilt selbst für DV-Spezialisten, wie eine Management-Circle-Veranstaltung jetzt zeigte.

"Immer dann, wenn wir die besten Kandidaten eingestellt hatten, mußten wir im nachhinein feststellen, daß sie nicht zu uns paßten", begründet Monika Perwein die Einführung von neuen Kriterien bei der Einstellung von Anwendungsentwicklern in ihrem Unternehmen, der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in München.

Die Reibungsverluste zwischen den neuen Stars und den Beschäftigten im Unternehmen seien einfach zu groß gewesen. Zudem maß das Unternehmen der fachlichen Qualifikation eine überdurchschnittliche Bedeutung bei, so die Münchner Personal-Managerin.

Konsequenz daraus war die Entwicklung eines Prinzips der Passung, nach dem Motto: "Erfolgreich ist nicht, wer eine Aufgabe optimal bewältigt, sondern, wer diese in einem gegebenen systematischen und interaktiven Umfeld optimal bewältigt." Für den zukünftigen Hypo-Anwendungsentwickler gilt also, daß er zur Aufgabe, zum Team. zur Hierarchie, zum weiteren Umfeld, etwa zum Kunden und natürlich auch zur Unternehmenskultur passen muß. Wobei - und das ist für Frau Perwein sehr wichtig "Passung nicht gleich Anpassung bedeutet".

Ein häufiger Fehler der Unternehmen besteht aus Frau Perweins Erfahrung darin, daß Personalverantwortliche zu oft Anforderungsprofile einfach übernehmen, ohne daß sie zur ausgeschriebenen Stelle passen. Das könne gerade bei der Auswahl von DV-Spezialisten fatale Folgen haben. Im Anforderungskatalog für den Anwendungsentwickler der Hypo-Bank ist sehr deutlich eine Mischung aus fachlichen und außerfachlichen Qualifikationen ersichtlich. Neben den logisch-analytischen Fähigkeiten dürfen Eigenschaften wie sprachliche Kompetenz, Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit, sowie Kreativität nicht fehlen. Frau Perwein gesteht denn auch ein, daß es nicht immer leicht sei, gerade unter DV-Profis den kreativen Analytiker zu finden, der auch noch die Sprache des Kunden verstehe.

Professor Günter Cisek von der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt ist dagegen optimistisch und setzt vor allem auf das weibliche Geschlecht, "das bereits 50 Prozent seiner Zuhörer in den Hörsälen ausmachen und das leistungsfähiger sei als die Männer. Er könne sich nicht vorstellen, daß diese hochqualifizierten Frauen sich mit der Mutterrolle zufrieden geben werden. Voraussetzung seien allerdings "frauengerechte Karrierewege".

Aus der Sicht des Professors gibt es jedoch drei wichtige Kriterien, die Unternehmen heute berücksichtigen müssen, wollten sie den richtigen Mitarbeiter finden, und diese könne man als "Zugeständnisse an den Zeitgeist" bezeichnen:

- Flexible Arbeitszeitmodelle gehören zu den wichtigsten Argumenten für einen attraktiven Arbeitgeber.

- Unternehmen müssen auch auf die Wünsche des Partners eines Mitarbeiters Rücksicht nehmen, weil "doppelte" Karrieren nichts Ungewöhnliches mehr sind.

- Mitarbeiter wollen Entrepreneure sein, sie wollen sehr früh Verantwortung Übernehmen und mitentscheiden dürfen.