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14.04.1989 - 

BDEPPS-lntegration in komplexe Produktionsabläufe:

Betriebsdatenerfassung als ClM-Komponente

Systeme zur Betriebsdatenerfassung (BDE) und Fertigungssteuerung (PPS) sichern Wettbewerbsvorteile, jedoch nur, wenn sie harmonisch in das Gesamtgefüge eines Unternehmers eingepaßt werden. Über Voraussetzungen und Chancen einer erfolgreichen BDE-Lösung mit PPS-Integration berichtet Armin Krauter* .

Dr. Armin Krauter ist Geschäftsführer der BEBEG Sinsheim .

Die Badische Eisen- und Blechwarenfabrik GmbH (BEBEG) in Sinsheim ist ein mittelständischer Fertiger mit 160 Mitarbeitern in der metallveralleitenden Industrie.

Damit an den 90 Arbeitsplätzen über 1000 Fertigungsteile produziert werden können, ist ein ständiger Werkzeug- und Maschinenwechsel notwendig. Alle Teile müssen zu präzisen Terminen ab Lager lieferbar sein. In einem hart umkämpften Markt ist Liefertreue für die Auftragsvergabe des Handels entscheidend.

Zur Steuerung des Fertigungsablaufes müssen also aktuelle Produktionsdaten mit vertretbarem Aufwand verfügbar sein. Unter diesen Umständen war eine exakte Zeit- und Betriebsdatenerfassung unumgänglich. Eine solche Personalzeit- und Produktionsdatenerfassung sollte die vorhandenen PPS-Bausteine sinnvoll ergänzen, um die monatliche Verkaufs- und Produktionsplanung, welche im dreimonatigem Planungshorizont das Mengengerüst festgelegt, mit aktuellen Information zu unterstützen.

Die Vielfalt der Details erschwert die Entscheidung

Ein großes Problem war zunächst die Eingrenzung des riesigen, nahezu unüberschaubaren BDE-Angebotes. Mit jedem Messebesuch und jeder erarbeiteten Marktübersicht nahm das Detailwissen zu und die Entscheidungssicherheit ab. Vor allem gab es meist nur sehr teure und zu aufwendige technische Möglichkeiten, die Erfaßstationen im Betrieb mit Hilfe von Konzentratoren und Processrechnern an den Hostrechner anzubinden. Zwar waren bereits Datenterminals auf dem Markt die über einen Twinax-Anschluß an die IBM/36 verfügten, aber die Praxisberichte über die Performance und die hohe Anzahl der "zweckgebundenen" belegten Anschlüsse machten auch diese Lösung wenig attraktiv.

Ein weiteres Problem war, daß die meisten BDE-Konzepte nicht in das vorhandene PPS-System, das auf einer IBM/36 lief, integrationsfähig waren.

Überhaupt bestehen die meisten BDE-Konzepte aus einer Vielzahl von Komponenten und lnsellösungen, die größtenteils auf einzelne Aufgabengebiete ausgerichtet sind. Eine Kopplung war entweder überhaupt nicht zu bewerkstelligen oder überstieg die personellen und finanziellen Möglichkeiten eines mittelständischen Unternehmens.

Ganz wichtig war auch die Forderung nach einer hohen Ausfallsicherheit, da die Koppelung der Betriebsdatenerfassung mit der Fertigungssteuerung die technischen Anforderungen hinsichtlich Ausfall und Datensicherheit erheblich steigert. Das heißt, wir benötigten intelligente Terminals vor Ort ohne gleichzeitig den Hauptrechner zusätzlich zu belasten.

Aus technischen- und Kostengesichtspunkten schied deshalb die Twinax-Koppelung aus, somit blieben hardwareseitig nur noch zwei BDE-Terminalhersteller übrig. Nach gründlicher Prüfung aller Fakten haben wir uns für Benzing-Terminals entschieden. Entscheidend hierbei war auch, daß die Terminal-Serie 900 für die verschiedensten Aufgabenstellungen der BDE wie Personalzeiterfassung, Produktionsdatenerfassung und Maschinendatenerfassung geeignet sind. Durch Bedienerführung, Plausibilitätskontrollen und automatische Leseeinheiten für Barcode und Ausweiskarten wird eine fehlerfreie Bedienung auch von ungeübten Personen sichergestellt. Wichtig war auch die modulare Ausbaufähigkeit sowie leichte Installation, Wartungsfreiheit, Parametrisierung (das heißt aufwendige Programmierung zur Terminalsteuerung entfällt) und hohe Verfügbarkeit der Geräte.

Die BDE-Lösung mußte drei wichtige Voraussetzungen erfüllen:

- Einhaltung der tarif- und arbeitsrechtlichen Vereinbarungen durch Personalzeiterfassung und Wegfall der manuellen Stempelkartenauswertung sowie die automatische Datenübertragung an das vorhandene Lohn- und Gehaltssystem von IBM.

- Durch verbesserten Informationsfluß müssen Durchlaufzeiten verkürzt Materialumlaufzeiten reduziert und realistische Liefertermine erreicht werden. Mit voller Nutzung von Barcodearbeitspapieren sollen die manuellen Arbeitspapiere (Lohnscheine) entfallen.

- Vorhandene Programme sollen mit integriert und in die CIM-Konzeption weitergeführt werden.

Um alle Ziele zu erreichen, die sich aus dem Arbeits- und Tarifrecht einerseits sowie der

- Personalplanung,

- Materialplanung und

- Kostenplanung

anderseits ergaben, haben wir ein Software- und Systemhaus gewählt, das einerseits die IBM-Welt kennt (wegen /36 und wegen Verknüpfung zum IBM-Lohn) und andererseits in der Betriebsdatenerfassung zu Hause ist.

Die PC-gestützte BDE kann mit verschiedenen Lohnabrechnungssystemen (IBM-Lohn, Daten etc.) direkt gekoppelt werden. Mit der BDE- und Übertragungssoftware von custosoft und den IBM-Anlagen ist uns der Einstieg in das propagierte SAA-Konzept möglich, und wir konnten auf den aufwendigen Aufbau von Netzwerken verzichten. Gerade mittlere Betriebe mit ihrer knappen qualitativen und quantitativen Personalstruktur benötigen leicht bedienbare Systeme.

Ein weiterer Vorzug liegt in der Durchgängigkeit von Datenerfaßstationen im Betrieb über PC bis hin zum Host-Rechner. Eine Vereinfachung wird die AS/400 von IBM mit

sich bringen. Durch den Einsatz von PCs im Bereich der Personalzeiterfassung können auch die Datenverwaltung und Datenpflege dorthin verlagert werden, wo Kompetenz

und aktuelle Übersicht vorhanden ist. Im BEBEG-Falle ist dies das Lohnbüro, andere Betriebe können hier durchaus auch auf Meisterebene arbeiten .

Die Anwesenheitszeiten werden über das BT 930 erfaßt und. zur Prüfung an den PC im Personalbüro übertragen.

Die Produktionsdatenerfassung einschließlich der barcodierten Lohnscheine erfolgt über BDE-Terminals, über die Arbeitspapiere werden die entsprechenden Arbeitsgänge durch den Mitarbeiter zurückgemeldet. Mit dieser Rückmeldung wird jeder Fertigungsauftrag durch Einlesen der kodierten Belegnummer der entsprechende Arbeitsgang zugeordnet und an die Arbeitsvorbereitung zur sofortigen Information fertiggemeldet. Daraus ergibt sich der Arbeitsfortschritt eines Produktes in der Fertigung.

Ein weiterer positiver Effekt ist, daß rückgemeldete Teile über die Arbeitsgänge aus den Arbeitsplänen den jeweiligen Strukturen und damit den benötigten Materialien zugeordnet werden können, womit das benötigte Fertigungsmaterial zeitnah aus den Lagern abgebucht werden kann. Die BEBEG hat als außerordentlich materialintensiver Betrieb nun die Möglichkeit, die aktuellen Bestände nach Wert und Menge zu korrigieren, die Halbfabrikate zu führen und zu bewerten und die Materialbedarfsermittlung zu präzisieren.

Unsere Investitionen werden sich bei uns alleine durch den Wegfall der manuellen Zeitermittlung aus den eingesammelten Stempelkarten und das Eintippen in das Lohnabrechnungssystem in etwa anderthalb Jahren amortisiert haben. Der indirekte Nutzen ist sicher höher, kann aber noch nicht bewertet werden.

Ein ganz wesentlicher Aspekt der Betriebsdatenerfassung ist, daß wir jetzt den Unterbau für einen Fertigungsleitstand haben. Ein weiterer Schwachpunkt von PPS-Systemen und Host-Rechner ist eliminiert, weil diese meist nur einen mittel- bis langfristigen und groben Planungshorizont aufweisen. Für das Jahr 1989 ist eine derartige Erweiterung vorgesehen, damit die Feinplanung (Optimierung) auf Schichtebene erfolgen kann. Hierüber werden zur Zeit Verhandlungen mit zwei Firmen geführt.