Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

26.11.1982

Betriebsdatenerfassung - ein Problem mit zwei Seiten: BDE-Systeme sind noch nicht ausgereift

Immer mehr an Bedeutung soll die Betriebsdatenerfassung bekommen. Doch einheitliche Konzepte sind derzeit nicht in Sicht. So stehen den zahlreichen Anforderungen, die an ein BDE-System gestellt werden, annähernd so viele verschiedene Lösungsvorschläge seitens der Hersteller gegenüber. Allerdings fehlt es den Anwendern auch noch am nötigen Know-how, klar strukturierte Konzeptionen für ihre BDE vorzulegen. So werden sich die Benutzer von Systemen der Betriebsdatenerfassung in absehbarer Zeit weiter mit halben Lösungen und hohen Kosten abfinden müssen.

Unter BDE im weitesten Sinne ist heute mehr als eine reine Erfassung von Betriebsdaten zu verstehen. BDE beinhaltet auch die Verteilung von Information und Vorgaben im Betrieb. Sie ist die Basis für eine Vielzahl von teilweise recht komplexen Aufgabengebieten im Unternehmen. Als Beispiele seien genannt:

- Materialwirtschaft und Bestellwesen, die die Voraussetzung für eine funktionierende Fertigung sind

- Fertigungssteuerung, bei der Materialfluß und Informationsfluß eng miteinander verknüpft sind

- Informationssysteme für Vertrieb und Verteilung

- Zeit- und Lohndatenerfassung, Controlling.

Alle diese Teilsysteme stehen miteinander in Beziehung. Die Art der Verknüpfung ist abhängig vom Fertigungstyp und den Organisationsstrukturen des Unternehmens. Ein Betriebsdatum wird in der Regel in mehreren Teilsystemen weiterverarbeitet, wobei die Anforderungen bezüglich Exaktheit, Aktualität, Vollständigkeit und Verdichtungsgrad durchaus unterschiedlich sind.

Darüber hinaus werden immer mehr Firmen durch die Markt- und Wettbewerbsverhältnisse gezwungen, das bislang häufig ungenutzte Rationalisierungspotential in der Fertigung in Angriff zu nehmen und in bestehende Org./DV-Konzepte der Administration einzubinden.

Fehlendes Know-how

Kurz - die rechnergestützte BDE gewinnt zunehmend an Bedeutung. Im gleichen Maße fehlt es bei den Anwendern am nötigen Know-how, zumal es keinerlei Standardisierung oder einheitliches Vorgehen auf diesem Sektor gibt.

Der Anwender wird schon in den ersten Konzeptionsphasen eines BDE-Systems mit grundsätzlichen Fragen konfrontiert, wie

- Einbindung in ein DV-Gesamtkonzept des Unternehmens

- Zentrales System oder dislozierte anwendungsorientierte Systeme

- Ausfallsicherheitsanforderungen

- Änderbarkeit und Erweiterbarkeit in der räumlichen Verteilung und Funktionalität

- Einbindung in ein "rundes" Org.-Konzept des Informationskreislaufs visuelI- und maschinenlesbarer Belege.

Umfassende Anforderungen

Die Erkenntnis, daß unabhängig voneinander geplante Insellösungen zwar zunächst den jeweiligen Anwendern einen Schritt weiterhelfen, aber später kaum mehr in ein Gesamtkonzept zu integrieren sind, dürfte sich mittlerweile durchgesetzt haben. Die Konzeptionsphase eines DV-Systems wird also immer wichtiger, aber auch komplexer und teurer. Analysiert man die generellen Funktionen von BDE-Peripherie, so ergibt sich eine Einteilung in verschiedene Anwendungsklassen wie Anwesenheitskontrolle, Maschinenerfassung und Steuerung, Betriebsdatenerfassung auftragsgebundener Daten sowie interaktive Informationssysteme.

Die Umweltbedingungen, denen die Peripherie ausgesetzt ist, reichen von unproblematischer Büroumgebung über Schlag- und Stoßgefährdung oder Säuredämpfe bis hin zum Einsatz unter freiem Himmel bei jeder Witterung. Eine wesentliche Kenngröße der Geräte ist hierbei die IP-Schutzart nach DIN 40050, die den Berührungs-, Fremdkörper- und Wasserschutz klassifiziert.

Ein weiterer Grund für die Vielfalt der Anforderungen sind die unterschiedlichen Anwendungen und die damit verknüpfte Funktionalität, vom einfachen Zeiterfassungsterminal über Zugangskontrolleinrichtungen, bis hin zu Bildschirmterminals - eventuell mit Farbe oder Grafik. Dabei werden verschiedenste Tastaturversionen eingesetzt, beginnend bei wenigen Funktionstasten bis zur Volltastatur. Um Eingabefehler zu reduzieren und Eingaben zu beschleunigen, benutzt man maschinenlesbare Datenträger. Dies erfordert entsprechende Ausgabegeräte vor Ort und Leseeinrichtungen an den Terminals. Die angebotenen Systeme sind den verschiedenen Bedürfnissen angepaßt.

Fast genauso unterschiedlich ist der Terminalanschluß und die Verkabelung zu lösen. Sternleitung, Partyline, Ringleitung, Koax-Bus sind hier Stichworte. Hinzu kommen weitere Probleme, wie VDE-Richtlinien, FTZ-Zulassungen, Kompatibilität Wartbarkeit, Explosionsschutz sowie Ergonomieanforderungen. Und nicht zuletzt muß das Gesamtsystem bedienerfreundlich gestaltet sein um der Akzeptanz beim Benutzer nicht schon auf dieser Ebene das Wasser abzugraben.

Verteilte Intelligenz

Bei Unternehmen, die vor dem Schritt stehen, ein BDE-System zu planen, ist in aller Regel bereits eine kommerzielle Großrechneranlage vorhanden, und damit stellt sich sofort die Frage, ob hiermit die BDE-Anwendung nicht auch noch zu erledigen ist. Mainframes jedoch sind auch mit dialogfähigen Betriebssystemen weniger geeignet, BDE-Aufgaben mit zu übernehmen, da ihre Struktur aus Batch-Systemen abgeleitet wurde und notwendige (schnelle) Responsezeiten im interaktiven Betrieb nur unverhältnismäßig teuer realisierbar sind. Minicomputer bieten hier den Vorteil, mit sehr wenig Operating-Aufwand auszukommen Prozeßanschlüsse realisieren zu können und für Echtzeitanwendungen konzipiert zu sein. Nicht zuletzt wegen des Preis-/Leistungsverhältnisses geht man heute immer mehr dazu über, Intelligenz zu verteilen und dort zu installieren, wo sie benötigt wird.

Diese Aufteilung der Funktionen auf mehrere Rechner hat noch eine Reihe anderer Vorteile, beispielsweise eine stufenweise Ausbaubarkeit mit wachsenden Aufgaben, erhöhte Verfügbarkeit durch sinnvolle Ausnutzung des Mehrrechnerkonzepts, bessere Anpaßbarkeit an die spezielle Aufgabe und damit höhere Benutzerakzeptanz.

Für den Anwender ist es wünschenswert viele oder alle oben geschilderten Funktionen mit einer einheitlichen Lösung zu erschlagen. Einheitlich, insbesondere was Softwareerstellung und Übertragungsarten betrifft. Da die Anforderungen häufiger wechseln, muß die Softwarewartung einfach zu handhaben sein, und es sollten entsprechende Tools für BDE-Rechner und BDE-Peripherie verfügbar sein.

Bei den großen Zahlen von anzuschließenden Terminals bieten sich Konzepte an, die mit intelligenten Datenstationen arbeiten, um den Datenverkehr zwischen Terminal und Rechner zu reduzieren und um Eingabeprüfungen sowie Datensatzaufbereitungen im Terminal vorzunehmen und dadurch den BDE-Rechner spürbar zu entlasten.

Das heißt, die Terminals sollten komplette Dialoge, Dialogsequenzen und Steuerfunktionen selbstständig vor Ort ausführen können. Für einzelne interaktive Funktionen, die auf Datenbestände des BDE-Rechners zurückgreifen, muß die Möglichkeit eines zwischenzeitlichen Zugriffs auf diese Daten auch innerhalb einer Dialogsequenz bestehen. Um diese Funktionen möglichst flexibel zu realisieren, bieten sich Terminalsteuersprachen an, die down-lineloadable sind und vor Ort abgearbeitet werden. Dabei sind für diese Terminals noch unterschiedliche Betriebsarten denkbar, um den verschiedenen Einsatzzwecken und Ausfallsicherheitsanforderungen zu genügen.

Die Schnittstelle zum BDE-Rechner sollte verschiedene Prozeduren und Übertragungskanäle unterstützen um sie den unterschiedlichen Möglichkeiten und Anforderungen bei den Benutzern anpassen zu können. Ein nicht zu unterschätzendes Problem ist dabei die Überbrückung öffentlichen Geländes und die damit verbundenen Einschränkungen durch die Bundespost.

Die Kosten eines BDE-Systems sind relativ hoch, bedingt durch die sehr speziellen Anforderungen an die Peripherie, die weiträumige Verkabelung, kaum vorhandene Softwareprodukte und fehlende Standardisierung. Die zugehörigen Kosten-/Nutzenanalysen basieren zunehmend auf schwer quantifizierbaren Faktoren, wie Transparenz des Betriebsgeschehens, Flexibilität gegenüber Marktanforderungen oder zuverlässigere Planung.

Hohe Kosten

Für alle vorher geschilderten Variationen von Hard- und Softwareeigenschaften gibt es gute Gründe, so daß bei jeder neuen Systemplanung für eine optimale Problemlösung eine andere Zusammenstellung richtig sein kann. Kurz - die Hersteller von BDE-Peripherie müßten allumfassende Lösungen zu einem akzeptablen Preis anbieten. Da der BDE-Markt noch nicht sehr groß ist, nationale Besonderheiten zu berücksichtigen sind und große Stückzahlen eines Produkts nicht zu erwarten sind, tummeln sich darauf nur einige wenige namhafte DV-Hersteller zusammen mit einer Vielzahl kleiner Anbieter.

Auf der anderen Seite muß es, um umfangreiche BDE-Systeme überhaupt wirtschaftlich implementieren zu können, für die Peripherie ein passendes DB-TP-System und die entsprechenden Entwicklungstools geben. An dieser Stelle der Überlegungen beginnt der Teufelskreis:

- Fast alle Rechnerhersteller bieten mehr oder weniger komfortable DBTP-Lösungen an, jedoch sind diese in aller Regel nur für die eigenen Bildschirmterminals konzipiert und einsetzbar;

- Terminalhersteller sind kaum in der Lage von sich aus Anpassungen für verschiedene Rechnerhersteller zu realisieren;

- Rechnerhersteller bieten für diverse BDE-Anwendungen selten umfassende und befriedigende Lösungen.

Die Zeit für "saubere" und zufriedenstellende BDE-Systeme zu erträglichen Kosten ist also noch nicht gekommen. Die Anwender werden auch in Zukunft in den sauren Apfel von hohem Entwicklungsaufwand oder "halben" Lösungen beißen müssen.

*UIIrich Meyenburg ist Mitarbeiter der SCS, München