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06.02.1976 - 

Eisenwerk Sulzau-Werfen: Integrierte DV per Minicomputer

Betriebsdatenerfassung mit Markierungsbeleg

SALZBURG - Im Eisenwerk Sulzau-Werfen, einer österreichischen Produktionsstätte für "maßgeschneiderte" Walzen aller Art, arbeitet sich seit Mitte 1974 ein Minicomputer ERA General. Automation 1830 "quer durchs Unternehmen": Beginnend bei der Vorkostenrechnung zur Aufspeicherung, Auftragsverwaltung, Terminüberwachung, Fertigungssteuerung, Terminkontrolle bis hin zur Lohnverrechnung und Kostenrechnung steuert der 16K-Worte-Rechner das Unternehmen - zusammen mit einer Peripherie, bestehend aus einem 36 000-Zeilen-Drucker, einem 20 000-Karten-Leser, einer Teletype, einer 10-Mio-Worte-Platte sowie einer Singer-Magnetbandeinheit und einem Bell & Howell-Markierungsleser.

Beim Durchspielen der einzelnen Produktionsphasen bewältigt der Rechner sein erstes Problem mit der Berechnung der Vorkosten: Im Eisenwerk gibt es keine Massenproduktion, jede Walze muß für ihren speziellen Einsatzzweck individuell entwickelt werden - das bedeutet unterschiedliche Legierung, optimalen Guß, entsprechende Weiterbearbeitung bis zum fertigen Endprodukt. Dies geschieht bei einer sogenannten "Linienproduktion" durch insgesamt 48 Fertingungsstationen. Dafür gibt es keine Netzplanrechnung, bei der unterschiedliche Teile zusammengeführt werden müssen, sondern nur ein Produktionsstück, das bei Beginn der Fertigung noch "roh" und nach Produktionsabschluß einsatzbereit ist.

Kalkulationsbasis für Kundenauftrag

Bei der Vorkostenrechnung, die als Basis für ein Kundenangebot dient, werden die jeweiligen Zeichnungsdaten, das Einsatzgebiet der Walze sowie die erforderliche Legierung und der entsprechende Fertigungsweg auf Lochkarten oder Magnetband erfaßt. Zusammen mit den im System gespeicherten Informationen über alle Fertigungsmaschinen des Betriebes ergeben diese Werte die Vorgabezeiten je Arbeitsgang und zwar immer für zwei Maschinen: Sollten bei der Hauptmaschine Ausfälle auftreten, muß eine Nebenmaschine als Ausweichmöglichkeit bereitstehen.

Das "Herz" - der Markierungsbeleg

Der Mini schreibt mit diesen Daten eine "innerbetriebliche Ausschreibung" (Abbildung), auf der die errechneten Vorgabezeiten sowie der jeweilige Produktionsweg als Konstanten markiert sind. Alle freien Markierungsfelder dienen manuellen Eintragungen - wie etwa Korrektur während der Produktion, denn reicht zum Beispiel die Maschinenkapazität nicht aus, kann der zuständige Planer auf eine andere Maschine "ummarkieren".

Lotto-Spielen kann jeder

Gerhard Krames, EDV-Chef der Eisenwerke Sulzau-Werfen, bezeichnet seine Art der Datenerfassung als "ausgesprochen unkonventionell, ja geradezu unmöglich", wie Fachleute ihm bestätigt haben. Es geht dennoch: "Unsere Markierungsbelege sind auszufüllen wie ein Lottoschein - und Lotto-Spielen kann jeder." Diese Methode hat sich durchaus bewährt: Im Gegensatz zur alten Zettel-Methode sind Übertragungsfehler durch Dritte nicht möglich, "jeder ist für seine Lohntüte allein verantwortlich."

Nach der manuellen Markierung gehen die Daten via Markierungsleser wieder zum Rechner, der eine entsprechende Verknüpfung mit dem gespeicherten Auftragssatz herstellt und für die Produktion eine "Warteschlange" disponiert. Nach Beendigung jedes Fertigungsvorganges erhält der Rechner eine entsprechende Fertigmeldung. So konnte Krames innerhalb eines Jahres durch verbesserte Kapazitätsauslastung eine wesentliche Verringerung der Halbfertigbestände erzielen.

Mit der EDV wurde beim Eisenwerk im Jahre 1970 begonnen, und zwar mit einer IBM 1130. Ende 74 war Krames das System zu klein: "In der letzten Phase waren 400 Betriebsstunden erforderlich." Als Nachfolgesystem wurde ihm das System 3, Modell 10, angeboten, da aber dreimal langsamer war als die 1130.

Die Entscheidung fiel letztlich nach vielen Studien für ERA General Automation: Eines Tages besuchte Krames ein Vertriebsbeauftragter und bot ihm "wie viele andere auch" - ein zur 1130 vollkompatibles System an. Krames war zu dieser Zeit schon gebranntes Kind: "Ohne viel Hoffnung" übergab er dem VB - "wie vielen anderen auch" - 10 000 Karten für 50 Programme mit dem Hinweis, diese umzuwandeln und ihn zu einem Testlauf einzuladen. Ähnliche Umstellungsarbeiten hatten bei Mitbewerbern bis zu drei Monate in Anspruch genommen. Krames war sicher, den ERAVB, "wie viele andere auch", so schnell nicht wiederzusehen.

Drei Tage später kam ein Anruf, die Anwendung würde laufen. Krames war - nach Salzburger Mundart - "platt wie a Briefmarkn". Das hatte er nicht für möglich gehalten: In einem Drittel der 1130-Zeit erhielt er "seine" Ergebnisse. Die Maschine wurde "ohne lange zu zögern" gekauft - die Umstellung mit Programmen dauerte insgesamt 14 Tage. Parallelläufe fanden nicht statt - eine Maschine wurde aus- und die andere geschaltet.