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04.12.1987 - 

Bei Umschulungen häufig der Schlüssel zur Festanstellung:

Betriebspraktika runden die Ausbildung ab

BREMEN - Probieren geht über Studieren - auch bei der DV-Umschulung. Besonderes Gewicht schreibt Hermann Finkenzeller deshalb dem Betriebspraktikum zu. Nutzen können Unternehmen wie Kandidaten indes nur erzielen wenn Betriebe eine regelrechte Planung aufstellen, meint der Projektleiter für die Weiterbildungsmaßnahme "DV-Betriebswirt mit dem Schwerpunkt Systemanalyse und Organisation" vom Verein zur Förderung der Berufschancen von Hochschulabsolventen in Bremen.

Für arbeitslose Hochschulabsolventen wird eine Vielzahl von Weiterbildungsmaßnahmen auf dem DV-Sektor angeboten. Sie werden von der Bundesanstalt für Arbeit gefördert, die verstärkt Qualitätskriterien zur Beurteilung heranzieht. Eine wichtige Forderung ist dabei das Betriebspraktikum im Rahmen der Weiterbildung. Dadurch soll Praxisnähe gewährleistet werden (siehe Schwerpunkt-Übersicht CW Nr. 39 vom 25. September '87).

Von der Theorie zum betrieblichen Alltag

Weiterbildungsmaßnahmen für Hochschulabsolventen dauern in der Regel zwischen ein und zwei Jahren. In dieser Zeit findet nicht nur eine Spezialisierung bereits vorhandenen Wissens statt, sondern die Teilnehmer erarbeiten sich völlig neue Gebiete, etwa arbeitslose Sozial- und Geisteswissenschaftler die Betriebswirtschaftslehre und Informatikgrundlagen. Die Ausbildung bleibt didaktisch gesehen notwendigerweise auf einem eher theoretischen Niveau, auch wenn das Curriculum sich an Themen und Software ausrichtet, die im betrieblichen Alltag relevant sind.

Eine Praxisorientierung ist im Rahmen des Unterrichts meist nur in Form von Fallstudien und Simulationsmodellen möglich. Eine weitere wichtige Möglichkeit, den Bezug zu betrieblichen Problemen herzustellen, besteht darin, daß in dieser Zeit Betriebsbesichtigungen stattfinden und Referenten aus ihrem Berufsalltag berichten. Solche Methoden können aber die Arbeit (Mitarbeit) unter wirklichen Praxisbedingungen nicht ersetzen. Das Betriebspraktikum hat daher einen hohen Stellenwert als Bestandteil der Ausbildung. Es soll den Transfer des theoretisch Erarbeiteten in die betrieblichen Problemstellungen gewährleisten. Dabei wird es notwendigerweise zu Modifikationen des angeeigneten Wissens kommen, da die praktischen Verfahrensweisen in starken Maße von Besonderheiten der betrieblichen Zieldefinitionen und/oder Organisationsformen abhängen. Flexibilität ist also eine wichtige Intention des Betriebspraktikums.

Betriebspraktikum als Teil der Ausbildung

Auch die Bedeutung anderer eher personaler Qualifikationsmerkmale - wie zum Beispiel Kooperationsfähigkeit, Integrationsfähigkeit, dispositive Fähigkeiten etc.- können nur auf diese Weise erfahren werden.

Für die Teilnehmer ist das Betriebspraktikum darüber hinaus von besonderer Bedeutung mit Blick auf ihre Vermittlungsaussichten. Zum Teil gehen nämlich Praktikanten nach Abschluß der Maßnahme in reguläre Beschäftigungsverhältnisse über. Aber auch wenn dies nicht der Fall ist, werden ihnen künftige Bewerbungen durch den Praktikumsnachweis erleichtert. Für die Betriebe bleibt es wichtiges Kriterium, ob ein Bewerber überhaupt schon einmal ein Unternehmen "von innen" kennengelernt hat.

Belastung der Betriebe mit Nutzeffekt

Für die betreuenden Betriebe stellt ein Praktikum immer auch eine Belastung dar: Arbeitsabläufe und Abteilungsorganisation werden darauf abgestellt, Mitarbeiter müssen zu der Betreuung bereit sein und sinnvolle Aufgaben sollen gefunden, zugleich aber die Tagesarbeiten wie gewohnt erledigt werden. Daraus können erhebliche Personalkapazitätsprobleme entstehen. Eine Reihe von Vorüberlegungen und Planungen sind daher nötig, um eine Praktikantenstelle zu integrieren. Ein besonderes Problem stellt dabei die kurze Zeitdauer des Praktikums (meist nur wenige Wochen) dar. Daher sollte in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Arbeit möglicherweise eine Verlängerung der Praktikumszeit - zwei bis drei Monate - vereinbart werden.

Von seiten der Wirtschaft, so ist zu beobachten, wächst die Bereitschaft, Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen. Sozialpolitische Verantwortung, vor allem aber Gesichtspunkte der Personalakquisition sind die Gründe. Denn die Nachfrage nach DV-Fachkräften übersteigt das Angebot auch in absehbarer Zeit noch erheblich. Daher ist es für die Betriebe wichtig, frühzeitig Kontakt zu Universitäten und Weiterbildungsträgern aufzunehmen und potentielle Mitarbeiter kennenzulernen. Personale Qualifikationsgesichtspunkte spielen dabei eine wichtige Rolle; denn den Unternehmen ist in der Regel klar, daß sie neue Mitarbeiter weiter ausbilden müssen, damit sie mit dem Hardwaresystem, Programmiersprachen und Tools, Software, Organisationsformen etc. vertraut werden.

Zudem können durch moderne Berufsbilder, die ihren Schwerpunkt auf Mischqualifikationen haben, Anstöße für die Ergänzung der traditionellen Organisationsformen entstehen. Ein Beispiel ist der Benutzerservice.

Praktikanten gestalten ihre Lernphase mit

Im Idealfall könnte der Praktikant an einer abgegrenzten Aufgabe oder einem Teilprojekt arbeiten, das auch für das Unternehmen von praktischem Nutzen ist, Dies setzt allerdings eine Planung voraus.

Als mögliche Praktikumsschwerpunkte geeignet sind besonders Themen aus dem Bereich der Individuellen Datenverarbeitung, sowie Anwenderunterstützung, Schulung und Einweisung oder Softwaretests. Hierzu zählen auch Marktübersichten und Softwareauswahl, Entwicklung kleinerer abgeschlossener Anwendungen mit integrierter Arbeitsplatzsoftware und Menügenerierung für Endbenutzer, Aufbau kleinerer Datenbanken (etwa Archive). Die Realisation von Tabellenkalkulationsaufgaben, Organisation der Textverarbeitung und Geschäftsgrafiken zu erstellen, fällt auch in diesen Zusammenhang.

Ein weiteres Feld ergibt sich für Teilgebiete der Anwendungsentwicklung:

- Aufnahme der Abteilungsanforderungen,

- Evaluation der Anwendungserfahrungen,

- Erarbeitung ergonomischer Gesichtspunkte,

- Erstellen von Dokumentationen,

- Schreiben von Nutzerhandbüchern und

- Menügenerierung für Endbenutzer.

Bei diesen Bereichen handelt es sich um Aufgaben, die in einer PC-orientierten DV-Ausbildung meist unmittelbar auf dem Lehrplan stehen. Doch sollten Praktikumsinhalte für den Praktikanten auch Neuland sein: wie echter Mehrbenutzerbetrieb an einer Großanlage und damit zusammenhängende Fragen der DV-Organisation.

Dokumentation am Ende des Praktikums

Den Umgang mit dem Host kann ein Praktikant etwa dadurch kennenlernen, daß er mit einem geeigneten Listengenerator Auswertungen produziert, individuelle DV auf dem Host (Spreadsheets) testet und mit PC-Lösungen vergleicht oder Applikationsentwicklungssysteme einsetzt.

In den Org./DV-Abteilung könnten zum Beispiel folgende Themen bearbeitet werden:

- Organigramme des Abteilung-/ Unternehmensaufbaus,

- Darstellung wichtiger Informationsflüsse,

- Wirkungsanalysen des DV-Einsatzes,

- Erarbeitung von Handreichungen für Datenschutz und Datensicherheit.

Der betreuende Betrieb sollte den Praktikanten in die Unternehmensorganisation und speziell in den Aufbau der DV-Abteilung einführen, Unterstützung bei der Informationsbeschaffung leisten und ihm den praktischen Umgang mit dem DV-System ermöglichen. Wünschenswert wäre die Einbindung in eine bestimmte Abteilung und die Zuordnung eines festen Ansprechpartners.

Am Ende eines Praktikums sollte die Dokumentation über die Inhalte - in Form eines Teilnehmer-Berichts über absolvierte Tätigkeiten - stehen. Auch der betreuende Betrieb händigt seinerseits eine kurze Bescheinigung über das Praktikum aus. Sie wird Bestandteil des Abschlußzertifikats für die Kursabsolventen. Sie kann zur Steigerung ihrer Vermittlungsaussichten beitragen.