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23.05.1986

Betriebssystem Unix kommt - vorerst allerdings langsam

"Um Unix ist es nach der anfänglichen Euphorie jetzt wieder ruhiger geworden", so beurteilt der Geschäftsstellenleiter des Produktbereichs bei der Darmstädter Danet GmbH, Frank Raudschuss, die derzeitige Situation bei diesem Betriebssystem. Er führt dies darauf zurück, daß die Hersteller erst jetzt damit begonnen haben, "sich sachlich mit dem Produkt zu befassen". Außerdem glaubt er, daß mit einer weiteren Durchsetzung von Unix im kommerziellen Markt, Xenix allmählich in der Versenkung verschwinden wird. Ähnlich wie Raudschuss, sieht auch der Technische Leiter des Rechenzentrums der FH Weingarten Manfred Dorner, das noch vorhandene Problem der mangelhaften Portabilität von Anwendungspaketen auf Unix. Daß sich das Betriebssystem vorerst nur in Hochschulen und weniger in der Industrie durchsetzen konnte, führt Dorner auf "das unterschiedliche Anforderungsprofil im industriellen Bereich" zurück.

Manfred Dorner, Technischer Leiter des Rechenzentrums der Fachhochschule RV-Weingarten, Weingarten

Viele Dinge, die unter Unix geboten werden, werden in der Industrie teilweise gar nicht benötigt und kommen dort kaum zur Anwendung. Die Hersteller, die Unix derzeit offerieren, bieten dieses Betriebssystem meistens erst in zweiter Reihe an, da dem hauseigenen Betriebssystem der grundsätzliche Vorrang eingeräumt wird. An den Hochschulen werden in der Regel wenig Anwenderprogramme und damit auch entsprechend wenig komplexe Systemlösungen gefahren. Die Rechner finden also hauptsächlich für Schulungszwecke oder auch Laborzwecke ihren Einsatz; es finden sich also ganz spezielle Anwendungsbereiche, für die eine Problemlösung gefunden werden muß, wo sich Unix in der jetzigen Form bewährt hat.

In der Industrie dagegen findet man doch hauptsächlich große Anwenderpakete, die sich oftmals schlecht auf Unix portieren lassen. Gerade bei der Übertragbarkeit taucht hier eine Schwierigkeit auf, da die Benutzeroberfläche ganz anders aussieht als die von konventionellen Betriebssystemen. Wir setzen unseren Rechner in erster Linie in der Studentenausbildung ein und schwerpunktmäßig auch in Laboratorien. Aus unserer Sicht darf man Unix selbst als durchaus ausgereiftes System betrachten, was sich dadurch begründet, daß es im Prinzip in den Köpfen nur weniger Entwickler entstanden ist. Damit ist eine Fehlerquote von vornherein klein gehalten worden. Allerdings sind die heutigen Erweiterungen dieses Pakets - etwa vom System V aufwärts - durchaus mit einigen kleinen Fehlerquellen behaftet, weil eben hier eine wesentlich größere Zahl von Entwicklern daran beteiligt war.

Unser System läuft rund um die Uhr und eigentlich verhältnismäßig sicher. Tritt beispielsweise der Fall eines Systemabsturzes einmal ein, dann hängt dies nicht mit einem Fehler des Betriebssystems zusammen. Wir verfügen über eine Source-Lizenz, was seinerzeit auch den Ausschlag gab, Unix zu wählen. Der Vorteil dabei ist, daß die Möglichkeit besteht, sich einen näheren Einblick in das Betriebssystem selbst zu verschaffen.

Die Tatsache, daß sich IBM damals gegen Unix entschieden hatte, war für uns auch das entscheidende Kriterium dafür, daß wir auf der Hardwareseite Perkin-Elmer-Systeme gewählt haben. Damals verfügten wir über einen technisch-wissenschaftlichen IBM-Rechner, der an Fach- und Hochschulen recht weit verbreitet war. Die Schwierigkeit bestand jedoch darin, daß es zwar auf den weiterführenden IBM-Systemen Unix-Adaptionen gab, diese aber alle vom Haus selbst nicht unterstützt wurden. Kriterium für uns war ferner die Maßgabe, daß der neue Rechner im operatorlosen Zustand laufen sollte. Bisher liefen unsere Anwendungen noch auf Edition 7, mittlerweile wird auf Unix System V umgestellt.

Zwar nicht gerade in der Breite, doch immerhin für einen kleinen, ausgewählten Anwendungsbereich, sehen wir durchaus eine Zukunft für Unix. Es ist zu vermuten, daß sich in absehbarer Zeit die Benutzeroberfläche von Unix dahingehend wandelt, daß sie denjenigen konventioneller Betriebssysteme etwas näherkommt. Dies wäre von Vorteil, damit auch andere Softwarepakete zukünftig unter Unix eingesetzt werden könnten. Es ist denkbar, daß sich Unix eher den bisherigen Betriebssystemen anpaßt, als daß eine Angleichung auf dem umgekehrten Wege stattfindet. Der Grund, weshalb zum Teil von konventionellen Betriebssystemen auf Unix umgestellt wird, ist vielleicht auch darin zu finden, daß Unix verhältnismäßig hardwareunabhängig ist, was man von den anderen Betriebssystemen nicht unbedingt behaupten kann.

Frank Raudschuss, Geschäftsstellenleiter der Geschäftsstelle Produkte, Danet GmbH, Darmstadt

Das Unix den Durchbruch nicht geschafft hat, trifft unserer Meinung nach nicht zu. Fest steht, daß man damit nicht VM, MVS oder andere Betriebssysteme ad hoc ersetzen kann. Durchbruch sollte sinnvollerweise für den Anwender heißen, daß es bei allen Anbietern und Herstellern zu einem tragenden Faktor geworden ist. Selbst bei Anbietern wie Digital Equipment hat sich das Bild gewandelt und Unix ist auch dort aus dem Dunkel nach vorn gekommen. Ferner hat die IBM mit dem PC RT ein strategisches Unix-Produkt auf den Markt gebracht.

Die bisherigen Maschinen die unter PC-DOS liefen, konnten zwar auch unter Unix arbeiten, wurden unserer Ansicht nach jedoch nicht von der IBM genügend gepuscht. Auch die VM-Maschinen, die unter Unix arbeiten konnten, wurden nicht ausreichend in dieser Richtung unterstützt. Dazu kommt jetzt, daß IBM in letzter Zeit fast alle seine Unix-Systeme auf dem reinen AT&T-Standard aufgebaut hat.

Wir vermuten, daß Xenix nach etwa zwei Jahren vom Markt verschwunden sein wird. Zunächst ist zu erwarten, daß die IBM Xenix vom Markt nehmen wird. Die Kooperative mit Microsoft wird dann auch aus Wettbewerbsgründen enden, zumal Microsoft selbst Xenix nicht mehr entwickelt; in diesem Bereich fungiert momentan nur noch die Santa Cruz Corporation. Auch Siemens hatte sich damals noch für Xenix entschieden, weil einfach keine Alternative verfügbar war, doch auch bei diesem Anbieter gibt es unserer Ansicht nach keinen Grund mehr, Microsoft zwischenzuschalten.

Wie wir vermuten, geht in der Bundesrepublik, Nixdorf jetzt seinen konsequenten Unix-Weg. Insofern kann man vielleicht doch behaupten, daß sich Unix zwar noch nicht vollends durchgesetzt hat, sich aber mit einem solchen Schritt durchsetzen wird. Betrachtet man andererseits die Installationszahlen beim Endanwender, dann sieht das Bild selbstverständlich etwas anders aus. Beim Endanwender stellt es sich hierzulande eigentlich recht trostlos dar: Er ist konservativ und entscheidet sich im Zweifelsfall lieber für eine "Apothekenpreis-Taktik".

Das Schlüsselwort, mit dem beispielsweise Nixdorf argumentiert, ist das der vertikalen Integration. Und Unix bietet für den Enduser die Möglichkeit, vom Ein- bis zum 800-Platz-System prinzipiell alles nutzbar zu machen. Heute steht nicht mehr zur Debatte, MVS oder PC-DOS generell durch Unix abzulösen - doch es wäre für gewisse Bereiche durchaus denkbar. Wir verfügen hier über eine VAX, die unter IS3 von Interactive läuft sowie über einen IBM-PCX, und es können Programme problemlos hin und her transferiert werden, die sofort lauffähig sind.

Was die Hochschulen und den dort oft geprägten Begriff des Technologietransfers anbelangt, sehen wir die Dinge etwas anders. Hochschulen haben aus unserer Sicht den Begriff etwas mißverstanden: Der Transfer erfolgt eher von der Industrie her in Richtung Hochschulen als umgekehrt. Damit ist diese Entwicklung auch ganz anders gelaufen, als dies zum Beispiel in den USA der Fall war, wo Unix als erstes an die Hochschulen kam und hierzulande eigentlich erst recht spät. Erst jetzt, da die großen Hersteller schon längere Zeit mit Unix arbeiten, fangen die Universitäten damit an, sich um Unix-Spezialisten zu kümmern und auch solche Leute auszubilden.

Was bei Unix selbst bislang bemängelt wurde, war die schlechte Benutzeroberfläche, was jedoch ein individuelles Problem ist und eher temporären Charakter hat. Zum zweiten ist Unix aufgrund seiner Kompaktheit für jemanden in der Tat etwas unübersichtlich, der beispielsweise von einer Bürotätigkeit her eine ganz andere Oberfläche gewohnt ist. Auch die Tatsache der noch mangelnden Applikationssoftware, die unter Unix läuft, halten wir für ein temporäres Problem. Doch wenn man sich das jetzt verfügbare Angebot ansieht, trifft dieses Argument eigentlich nicht mehr zu.

Was in der Tat als Problem bei Unix angesehen werden kann, ist die mangelnde Austauschbarkeit dieses Betriebssystems. Da hier bei verschiedenen Unternehmen Portierungen auf die eigenen Prozessoren notwendig wurden, ergab sich das Manko, daß Unix-Versionen für den 68000 auf einem anderen System mit einem 80386-Prozessor nicht mehr lauffähig waren. Dies ist jedoch wiederum nicht ein direktes Unix-Problem, sondern hängt vielmehr von der Hardware-Umgebung ab. AT&T hat bereits das neue Release - Unix System 5.3 - angekündigt und ließ verlauten, daß es damit möglich sein wird, Portierungen entsprechend des jeweiligen Prozessors vornehmen zu können. Im kommerziellen Markt wird man sich darauf einrichten, daß eine Standardisierung auf Dauer sinnvoller erscheint als technische Finessen, die lediglich in einem kleinen Bereich genutzt werden können. Als Fazit wollen wir es so formulieren: Nach der anfänglichen Euphorie um Unix ist es jetzt etwas ruhiger und nüchterner geworden. Jetzt erst haben die Hersteller und Anwender damit begonnen, sich um das Produkt sachlich zu kümmern.

Frank Mayer, Leiter Kfm. Fortbildung und DV, Volkshochschule Reutlingen

Auf der Hardwareseite kam die Entscheidung zugunsten von Cadmus in Frage, da eine IBM, die die gleichen Anforderungen hätte bringen müssen, etwas zu teuer geraten wäre. Erfahrungen hatten wir bei der Fachhochschule am Ort sammeln können, die einen solchen Rechner bereits eingesetzt hatte und damit recht zufrieden war. Vorteilhaft war für uns des weiteren der Kontakt mit dem Leiter der Fachhochschule Reutlingen, der schon früher auf Dietz-Rechnern Erfahrungen mit Unix hatte sammeln können.

Wir selbst verfügten vor der Anschaffung des Cadmus-Systems ebenfalls über einen Dietz-Rechner, auf dem diverse Anwendungssoftware wie Materialbeschaffung, Produktionsplanung, Fibu, Lohn und ähnliches lief. Darüber hinaus hatten wir damals ein eigenen Musikschulprogramm für unsere VHS-Musikschule, das - wie alle anderen vorgenannten Anwendungsprogramme - in C-Basic geschrieben war. Nun stand bei der Umstellung auf Unix die Frage im Raum, ob es sinnvoll wäre, all diese Anwendungen in den Wind zu schreiben, oder aber eine Maschine zu finden, die diese Programme weiterhin fahren kann.

Entscheidend war auch, daß wir auf einen Basic-Compiler zurückgreifen konnten, der eine Portabilität auf Unix System V gewährleistete. Ganz abgesehen vom jetzt verbesserten Zeitverhalten des neuen Rechners, konnten wir somit alle Anwendungssoftware jetzt unter Unix V weiterverwenden, ohne Abstriche machen zu müssen. Aus unserer Sicht ist Unix V kein Betriebssystem, daß einem Neuling Angst bereiten könnte. So haben wir mittlerweile beispielsweise mit Oracle auch ein eigenes VHS-Verwaltungsprogramm geschrieben.

Uns war damals durchaus klar, daß wir ein solches VHS-Verwaltungsprogramm brauchen würden, nur war dieses Problem in der alten Konfiguration noch schwerlich lösbar. Wie wir meinen, standen damals die Prognosen für Unix als neues Betriebssystem prinzipiell nicht schlecht. Bei uns ist es so, daß wir verschiedene Applikationen auf einigen Bildschirmen virtuell fahren können, so daß es sowohl beim zeitlichen Zugriff wie auch bei der weiteren Verarbeitung keine Probleme gibt.

Den konkreten Mangel, den wir bei Unix derzeit sehen, ist die Tatsache der noch mangelhaften Verfügbarkeit von Anwendersoftware. Wir haben beispielsweise auch Unternehmensberater, die ebenfalls viel Unix implementiert haben, von denen wir von Zeit zu Zeit hören, daß gerade mittelständische Betriebe nach brauchbarer Anwendersoftware verlangen.

So haben wir festgestellt, daß beispielsweise eine Reihe von Anwender ihre in C geschriebenen Programme unter Xenix weiterverwenden konnten, dies jedoch aufgrund mangelnder Kompatibilität unter Unix V nicht mehr nutzen konnten. Probleme gibt es hier vor allem bei den unterschiedlichen C-Compilern: Zwar wird allenthalben argumentiert, C-Programme können auch unter allen Unix-Versionen laufen, doch sieht die Praxis zuweilen etwas trostlos aus.