Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.


04.02.1994

Betriebsverlust betraegt 3,2 Milliarden Franc Bull steht nach wie vor in der Schusslinie der EU-Kommission Von CW-Mitarbeiter Lorenz Winter

PARIS - Der Finanzhilfe der franzoesischen Regierung fuer den angeschlagenen Computerhersteller Bull blieb bisher die definitive Zustimmung der EU-Kommission verwehrt. Bruessel begruendet die Zweifel an der Rechtmaessigkeit des Zuschusses in Hoehe von insgesamt 11,8 Milliarden Franc (knapp vier Milliarden Mark) vor allem mit der mangelhaften Planung fuer die Privatisierung. Ein weiterer Umsatzrueckgang von 2,2 Milliarden Franc und ein Betriebsverlust von 3,2 Milliarden Franc am Ende des Geschaeftsjahres 1993/94 bringen Bull zusaetzlich in die Bredouille.

Die bisherigen Reformmassnahmen des im Oktober 1993 neuberufenen Vorstandsvorsitzenden von Bull, Jean-Marie Descarpentries, beschraenken sich im wesentlichen auf eine interne Reorganisation des Konzerns. Ausserdem verfolgt er die Vorgaben - beispielsweise den Abbau von 6500 Arbeitsplaetzen in den naechsten beiden Jahren - weiter, die bereits von seinen Vorgaengern Francis Lorentz und Bernard Pache gemacht wurden.

Nach Angaben von Bull-Insidern will Descarpentries den Privatisierungsprozess jedoch schon 1994 durch eine umfangreiche Ausgabe von Belegschaftsaktien fuer Management und Personal in Gang bringen. Schachtelverkaeufe oder Boersengang kaemen dagegen nicht vor 1996 in Betracht.

Ausserdem sickerte durch, dass der Bull-Chef bereits fuer 1994 Einsparungen von drei Milliarden Franc gefordert habe, die ausserhalb des Bereichs Loehne und Gehaelter erzielt werden sollen. Die Kostensenkungen will er vor allem durch den Verkauf von Immobilienvermoegen und den Verzicht auf den Verwaltungshauptsitz in Paris erreichen, der den Konzern jaehrlich 100 Millionen Franc Miete kostet. Statt dessen, so die Ueberlegungen des Chefs, koennte Bull sich kuenftig in einem firmeneigenen Gebaeude im Vorort Louveciennes einrichten.

Ausweichend antwortete Jacques Lebhar, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Finanzchef von Bull, auf die Frage der COMPUTERWOCHE, ob Paris und die Geschaeftsleitung anlaesslich der Privatisierung einen stueckweisen Verkauf von Unternehmenseinheiten beabsichtigten oder sich einen - wenn auch relativ spaeten - Boersengang von Bull zutrauten.

Die Unwaegbarkeiten liegen dabei vor allem in der Bilanzstruktur nach Bekanntgabe des Ergebnisses fuer das Geschaeftsjahr 1993/94 im Fruehjahr. Dabei duerfte der Umsatz bei 28 Millarden Franc liegen - 2,2 Milliarden Franc weniger als im Vorjahr.

EU prueft Staatshilfe auf Rechtmaessigkeit

Der Betriebsverlust uebertrifft ersten Informationen zufolge mit 3,2 Milliarden Franc die 1,8 Milliarden Franc Defizit, die jeweils in den beiden Vorjahren erwirtschaftet worden waren. Der Verlust nach Steuern steht noch nicht offiziell fest. Allerdings duerfte er sich bei weiterhin hohen Finanzkosten - infolge des immensen Schuldensockels - erneut in der Naehe von 4,7 Milliarden Franc bewegen, die im Vorjahr ausgewiesen wurden.

In einem Interview mit der Pariser Tageszeitung "Le Monde" zeigte sich der fuer Wettbewerbsfragen zustaendige EU-Kommissar Karel van Miert irritiert ueber die im Dezember 1993 von der franzoesischen Regierung geleistete Zahlung von vier Milliarden Franc (rund 1,3 Milliarden Mark) an Bull. Dabei handelt es sich um die zweite Tranche des im vergangenen Jahr vereinbarten Zuschusses an den franzoesischen DV-Hersteller. Van Miert nannte die Massnahme Anfang Januar noch "voellig illegal" und erklaerte, sie versetze die Kommission "angesichts der Klagen konkurrierender Unternehmen aus anderen EU-Laendern in eine unmoegliche Situation".

Lebhar erlaeuterte gegenueber der COMPUTERWOCHE, die vorgesehene "Abschlusszahlung" zur Bilanzkonsolidierung des Konzerns setze sich aus drei Raten zusammen. Die erste davon - 2,5 Milliarden Franc - floss bereits Anfang 1993 und wurde spaeter in haftendes Kapital umgewandelt. Die vier Milliarden Franc vom Dezember wuerden etwa zwei Drittel der zweiten Rate darstellen, die mit Bruesseler Einverstaendnis bis Ende 1994 geleistet werden soll. Ueber das Faelligkeitsdatum der dritten Rate - 2,8 Milliarden der insgesamt 11,4 Milliarden Franc - bestehe bis heute noch keine Klarheit.

Auf ihrem letzten Treffen am 26. Januar erklaerten die EU- Kommissare den bereits im Herbst vergangenen Jahres erfolgten Kapitalzuschuss in Hoehe von 2,5 Milliarden Franc fuer nicht zulaessig. Ob die weiteren, teilweise schon erfolgten Zahlungen der Regierung an Bull auch gegen EU-Recht verstossen, wird noch geprueft. Solange keine Entscheidung gefallen ist, erhaelt Bull keine weitere Finanzhilfe der Regierung.

Der Computerhersteller hat auf die neuesten Entwicklungen mit einer "Information fuer Kunden und Mitarbeiter" reagiert. Darin wird die Bruesseler Entscheidung als "normale Massnahme" bezeichnet. Im uebrigen sei man zusammen mit der franzoesischen Regierung dabei, den Plan zu verabschieden, der Bulls Rueckkehr in die schwarzen Zahlen beschleunigen soll. Dieses Vorhaben, so heisst es weiter, "rechtfertige die von den Aktionaeren beschlossene Kapitalerhoehung".

Geruechten zufolge sondiert das Ministerium derzeit ausserdem erneut Moeglichkeiten einer zumindest sektoralen Zusammenarbeit zwischen Bull sowie Siemens und/oder Olivetti.