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07.10.1979

Betrifft CW-Nr. 32 vom 3. August 1979: "Verteilte Konfusion" Im folgenden Leserbrief präzisiert Fritz Voigt, Cendata (Bielefeld), seine Aussagen zu der Frage: "Rationalisiert sich der EDV-Chef durch DDP selbst weg?" (siehe Thema der Woche in der Ausgabe

Betrifft CW-Nr. 32 vom 3. August 1979: "Verteilte Konfusion"

Im folgenden Leserbrief präzisiert Fritz Voigt, Cendata (Bielefeld), seine Aussagen zu der Frage: "Rationalisiert sich der EDV-Chef durch DDP selbst weg?" (siehe Thema der Woche in der Ausgabe vom 20. Juli 79)

Grundsätzlich sehe ich keine Probleme bei einer Struktur, wie sie Hugo Schwenk von den Papierwerken Waldhof-Aschaffenburg AG in seinem Unternehmen andeutet. Da ist auch keine Verlagerung passiert. Im Gegenteil, es wird mehr Information für das Middlemanagement und die Sachbearbeiter geliefert. Das ist eine positive Entwicklung für Unternehmen und EDV-Leitung.

Mir ging es aber um eine andere Gruppe von EDV-Benutzern. Um keinen zu nahe zu treten, möchte ich dies an einem Beispiel aufzeigen:

Es existieren neun Möbelhäuser, die auf ganz Deutschland verteilt sind. Im neunten Möbelhaus sitzt gleichzeitig die Zentrale. Hier wurde bislang die Datenverarbeitung für alle Häuser durchgeführt. Die einzelnen Häuser haben Geschäftsführer und werden als Profitcenter geführt. Die EDV-Kosten der Zentrale werden nach Benutzung auf die Häuser umgelegt (rund 250000 bis 400000 Mark pro Jahr). Die Zentral-EDV bestand aus einer Anlage Größe 370-135 mit reichlicher Ausstattung. Das RZ arbeitet mit AV und zwei Schichten. Die Datenerfassung erfolgte auf 15 Diskettenplätzen. Der EDV-Leiter war auch für die Organisation zuständig, so daß der Bereich Org.-/Programmierung auf sieben Personen kam. Insgesamt umfaßte der EDV-Bereich einschließlich einer Sekretärin und der Nachbearbeitung mit Postversand zirka 36 Personen.

Die Welt und das Aussehen des EDV-Leiters war so lange in Ordnung, bis der erste Vertriebsberater der Firma X-Dorf in einem der entfernten Häuser auftauchte und dem Geschäftsführer verrechnete, daß er für die halben Jahreskosten eine eigene Anlage haben könne. Der Angesprochene traf sich noch mit weiteren Geschäftsführerkollegen, und das Ergebnis war, daß die Zentrale beauftragt wurde, ein selbständiges System für jedes Haus zu suchen. Der EDV-Leiter versuchte noch ein DFÜ-System dem Konzern anzubieten, aber das scheiterte an der Entfernung, da vier Häuser rund 500 Kilometer entfernt operierten.

Das ist die Situation, die ich meine und zu der ich meine Aussage getan habe. Hier ist der EDV-Leiter auf jeden Fall der Dumme.

Die beschriebene Situation hat sich in Amerika im Bereich der Warenhäuser und Verbrauchermärkte teilweise so ähnlich entwickelt. Ich meine dabei nicht die großen Häuser, sondern Märkte mit 2000 bis 10000 Quadratmetern. Mit der Einführung, des einheitlichen Artikelnummern-Systems werden hier kleine Plattensysteme installiert, da der Artikel selbst nur noch an der Kasse durch den gelesenen Strich-Code identifiziert wird. Diese kleinen Systeme werden dann Zug um Zug auch für andere EDV-Abwicklungen benutzt. Dazu kommt, daß auch oft Duplexsysteme eingesetzt werden, damit bei einem Zusammenbruch nicht etwa 300 Käufer an den Kassen stehen. Dieses zweite System bietet sich natürlich dafür an und beschleunigt die aufgezeigte Entwicklung.

Aus den Zentralen dieser Firmen ist die operative Ebene fast vollkommen verschwunden. Bei Entwicklung und einer Firmenstruktur, wie ich sie in meinem Beispiel dargestellt habe, kann ich voll und ganz die Meinung von Professor Scheer unterstützen, daß sich die Anforderungen an den Leiter dieser "zentralen EDV" gegenüber der früheren Organisation ändern meist läuft dies auf den Titel Informationsmanager, EDV-Koordinator oder Zentral-Organisationsleiter hinaus. Die Aufgabenstellung ist klar;

- Steuerung der Datenflüsse

- Zusammenfügen der dezentralen Datenbestände zu Konzerninformationen

- Erarbeiten von Richtlinien und Organisationshandbüchern

- Entwickeln von Langzeitkonzepten

- Entwickeln von Standardsoftware

Fazit: Der Informationsmanager soll die verteilte Konfusion verhindern.

Diese veränderte Aufgabenstellung bringt aber plötzlich 60 bis 80 Reisetage mit sich, da, um bei meinem Beispiel zu bleiben, die dezentralen EDV-Leiter nicht alle laufend von ihren Anlagen geholt werden können. Folglich reist der EDV-Leiter. Es gibt Probleme mit der Familie und seinem weiteren privaten Bereich.

Desweiteren sinkt seine Wertigkeit, da sein administratives Umfeld wie großes Rechenzentrum und Anzahl der Mitarbeiter stark reduziert wird. Damit komme ich zum entscheidenden Punkt, nämlich der finanziellen Seite. Die Position liegt im Grunde um 20000 bis 30000 Mark niedriger als vorher. Dafür eignet sich auch ein guter Informatiker, der noch ehrgeizig ist und nicht gleich 80000 oder 100000 Mark verdienen will.

Mir hat einmal ein wirklicher "Konzernfürst" gesagt: "Herr Voigt, das, was wir zukünftig dezentral investieren, will ich im Mutterhaus einsparen - ich lebe von der Gewinnmaximierung."

Ich hoffe, daß ich damit klar herausgestellt habe, daß sich bei bestimmten Voraussetzungen DDP auch negativ für den EDV-Leiter auswirken kann. Professor Scheer bestätigte dies in seinen Ausführungen sehr dezent: "Diese Anforderungsänderungen können in Einzelfällen eine personale Neubesetzung erforderlich machen."

Fritz Voigt, Cendata Gesellschaft für Datenverarbeitung und Organisation mbH, Bielefeld