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26.08.1988 - 

Ein Ende der Krise wird für Mitte nächsten Jahres angekündigt:

Betroffenheit über den RAM-Mangel hält sich in Grenzen

Ein Ende der Chipkrise ist in Sicht. Die Halbleiterindustrie signalisiert Entwarnung für spätestens Mitte nächsten Jahres. Potentielle PC-Benutzer lassen sich unterdessen, so der Tenor, von den Preissteigerungen in ihren Kaufabsichten selten beirren. Im Gegenteil: Nach Aussagen des Systemhauses Computer Dewald aus Saarbrücken kommt es sogar zu "Hamsterkäufen". Ein Teil der Hersteller jedoch muß derzeit Speichererweiterungen unter den Tisch fallen lassen.

"Die meisten Anwender wissen eigentlich zu wenig Bescheid; sie registrieren einfach nur diese Preisänderungen und können sich über die Tendenzen auf dem Markt kaum ein Bild machen", schätzt Gerhard Schneider, Filialleiter beim Systemhaus Computer Dewald in Saarbrücken die Lage ein. In vielen Unternehmen würde das Problem aber auch gar nicht erst virulent. Fahre man nämlich ganz normal auf der MS-DOS-Schiene, genügten 640 oder 512 Kilobyte Speicher. "Eine renommierte Firma hat in diesem Rahmen kaum Schwierigkeiten, zu liefern. Es kommt also bestenfalls zu kleinen Verzögerungen."

Brenzlig werde die Geschichte jedoch bei größeren Speicherkapazitäten. Hier müsse man sich im Prinzip auf dem freien Markt eindecken. Allerdings bestehe die Gefahr, daß Zusagen nicht eingehalten würden. Manche Hersteller lieferten die Rechner nur noch mit 512 KB aus, andere reduzieren beispielsweise bei AT-Modellen den Speicher von 1 MB auf 640 KB.

Echt in der Bredouille säßen jedoch die sogenannten No-Names und einige Clone-Anbieter, die auf dem Spot-Markt arbeiteten und auch davon lebten, heute hier und morgen dort billig einzukaufen. Schneider: "Da merkt man also schon, daß mittlerweile ATs auf dem Markt angeboten werden mit 0 Kilobyte RAM oder nur mit 226 KB, was ja effektiv zu wenig ist."

Hinsichtlich der Höhe der Preissteigerungen müsse man differenzieren: "Normale Chips" mit Zugriffszeiten von 250 Nanosekunden kosteten jetzt das Drei- oder Vierfache. Die sehr schnellen Chips mit 100 Nanosekunden oder weniger müsse man hingegen mit der Lupe suchen, weil dort zum Teil das Zehnfache oder mehr verlangt würde als vor wenigen Monaten.

Schneider sieht sogar eine positive Begleiterscheinung der RAM-Engpässe: So führe die Krise zu einem Überdenken im Hinblick auf das OS/2-Betriebssystem. Ein potentieller Käufer stelle sich nämlich immer mehr die Frage, ob es überhaupt sinnvoll sei, so "ein wahnsinniges Betriebssystem auf die Beine zu stellen", um ein bißchen mehr an Komfort zu ermöglichen, wo andere Betriebssysteme wie Unix oder Xenix dies auch mit weniger Speicher bewerkstelligen könnten.

Bei Computer Dewald registrierte man mitunter auch Panikkäufe. Schneider: "Wir hatten also kaum ein Sommerloch. Es gibt einen regelrechten Run auf die Maschinen. Dabei fragen die Käufer allerdings immer gleich, ob die Maschinen auch über einen kompletten Speicher verfügen."

Ein Mitarbeiter des Düsseldorfer Verlags Data Becker kann auch nicht feststellen, daß die Benutzer ihre Dispositionen änderten: "Wer sich einmal zum Kauf durchgerungen hat, der will auch kaufen und nicht warten auf die Gefahr hin, daß die Preise noch weiter steigen." Herstellerseitig in eine Zwangslage geraten seien neben den No-Names besonders die Anbieter von Erweiterungsboards, die ihre Komponenten ja nicht mit mehr oder mit weniger Speicher anbieten können.

Markus Grybas, Vertriebsleiter des Münchner Instituts für Organisation und Programmierung (IOP) gehört auch zu jenen Marktbeobachtern, die die RAM-Krise eher auf die leichte Schulter nehmen. Er ist der Meinung, daß bei Lieferfristen von 14 Tagen eigentlich von einem Engpaß keine Rede sein könne: "Man nimmt es in der PC-Branche eher übel, ein Announcement über Mikros zu hören, die dann nicht lieferbar sind, als daß man die zwingende Notwendigkeit nach der Erweiterung im Hauptspeicherbereich in den Mittelpunkt stellt." Die Preissteigerungen von immerhin bis zu 20 Prozent wertete er als natürliche Reaktion auf die Verknappung. Er betonte, daß ja nur bestimmte Systeme wie Server oder OS/2-Rechner überaus große RAM-Mengen verschlängen. Seiner Ansicht nach spielt der Bereich OS/2 aber eine noch sehr unbedeutende Rolle. Der Umsatz damit mache derzeit vielleicht drei bis fünf Prozent aus.

Die Herstellerseite löst das Problem der RAM-Krise entweder damit, daß sie selber Speicherchips produziert oder aber durch geschickte Taktik der Problemstellung aus dem Wege geht. Die COMPUTERWOCHE griff in diesem Zusammenhang zwei Anbieter heraus, deren Statements natürlich nur bedingt repräsentativ sind. Bei Zenith, Dreieich-Sprendlingen hat sich laut Produktmanager Karl-Heinz Gurris an den Preisen nichts geändert. Auch eine Umfrage beim Mitbewerb habe ergeben, daß das Kostenniveau in der nächsten Zeit stabil bleibt. Die Philosophie seines Hauses lautet: "Dem Kunden soll standardmäßig eine derartig große Speicherkapazität geliefert werden, daß in den ersten Jahren keine Erweiterungen vonnöten sind". Der Trend ginge im übrigen sowieso dahin, die Modelle künftig sofort mit 2 MB auszurüsten, wodurch das Add-on-Geschäft an Bedeutung verliere. Zu denken sei in diesem Zusammenhang an die 380er-Modelle von Olivetti oder an die neuen Siemens-PCs.

Im gleichen Atemzug war aber die Rede von Preissteigerungen von bis zu 15 Prozent bei nachträglichen Erweiterungen zwischen der CeBIT und Mitte Juni und dem optionalen Angebot von OS/2 gegen Aufpreis. In puncto Speichererweiterung allerdings hat Zenith noch eine Art Geheimrezept auf Lager. Gurris: "Wir verfügen über eine ganze Reihe von Chips aus älteren Bestellungen, so daß wir bei Speichererweiterungen lediglich die Karten unbestückt bestellen und dann mit den Chips aus dem Lager bestücken." Gurris geht im übrigen davon aus, daß die Chipknappheit höchstens bis Mitte des nächsten Jahres dauert. "Bis dahin nämlich werden die Amerikaner ihre Produktionsstraßen entmotten, die sie in der Vergangenheit eingemottet hatten, weil Anbieter aus Ostasien billiger produzieren konnten."

Wilfried Rusniok, Leiter der Abteilung Entwicklung und Computertechnik bei der Schneider AG in Türkheim, konstatiert, daß sich im Februar und März die Chip-Dürre besonders drastisch bemerkbar gemacht hätte: "Die RAM-Situation ist so miserabel, wie sie noch nie gewesen ist, das ist auf keinen Fall übertrieben." Wenn man heutzutage nachkaufen wolle, zahle man durchwegs mindestens doppelt so viel wie vor vier Monaten. Neben der Tatsache, daß mehrere Hersteller in den USA und in Europa ihre Geräte in der Standardkonfiguration mit weniger RAMs ausstatteten und die Lieferanten zum Teil die Kosten trieben, falle zunehmend auch eine PC-Knappheit ins Gewicht. Aufgrund der gestiegenen Preise bei den DRAMS gingen einige Anbieter auch dazu über, zu Lasten der PC-Fertigung mehr Chips zu produzieren. Nach Angaben von Rusniok gibt Schneider selbst die Preissteigerungen bei Speicherchips nicht an den Kunden weiter.

Schenkt man den Angaben der Halbleiterindustrie Glauben, dann ist die Chipkrise eine Frage der Zeit. Bei Intel beispielsweise, die sich aus dem DRAM-Markt selbst zurückgezogen hat und darum die Situation vielleicht objektiver bewerten kann als die betroffenen Chip-Anbieter, geht man davon aus, daß es bei 1-MB-DRAMs in drei bis vier Monaten keine Shortage mehr gäbe, bei 256-Speichern sich die Knappheit unter Umständen noch etwas länger hinzieht. Unglücklicherweise seien in der Zeit einer sich abzeichnenden und anbahnenden Krise durch den Umschwung von Low-End-Systemen auf High-End-Rechner plötzlich doppelt soviele Chips benötigt worden wie vorher. Hinzu käme eine Tendenz zu Hamsterkäufen. Dazu Marketing-Leiter Robert Schneider: "Wenn so eine Shortage erst einmal bekannt ist, dann versucht man sich halt einzudecken, was die Situation noch verschlimmert. Wenn heute zum Beispiel alles das in Stückzahlen ausgeliefert würde, was die Leute in ihren Büchern haben, dann würde es einen Monat später Stornierungen regnen."

Schneider gibt an, daß die Japaner ihre Produktion um etwa 20 Prozent und die Amerikaner um bis zu 30 Prozent gedrosselt hätten. Andere Firmen seien entweder aus dem Markt ausgestiegen - so zum Beispiel Mostek - oder hätten von vornherein die Finger davon gelassen.

Gert Rumpold, Vertriebsleiter für Deutschland bei Motorola, konstatiert, daß nach wie vor weltweit ein Mangel an solchen Chips besteht, wozu aber auch die Fehlplanungen der PC-Industrie beigetragen hätten: "Es ist natürlich nicht ganz fair, die Halbleiterindustrie zum Buhmann zu stempeln, nur weil die Preise von einem Endgerät in die Höhe gehen." Er bemerkte ferner, daß man die Lage auf dem Spot-Markt nicht überbewerten solle, da über diesen Weg nur zehn bis 15 Prozent des gesamten Bedarfs abgedeckt würden. Außerdem, so gab er zu bedenken, könne nicht erwartet werden, daß ein Produkt immer kontinuierlich im Preis sinke; das sei ja eigentlich nicht normal.

Die Fujitsu GmbH geht wie Intel auch davon aus, daß die Engpässe bis Mitte nächsten Jahres überwunden werden können. Karl Kara, Memory Product Marketing Manager für Europa, bestätigte im übrigen das, was durchweg in der Branche behauptet wird, ohne allerdings Namen zu nennen: Viele PC-Hersteller rüsteten ihre PCs nur mit einem Minimum an Memory-Speichern aus, so daß der Kunde dann die Karten nachkaufen müsse.

Während nach IDG-Angaben viele PC-Manager durch die Chipkrise bezüglich der Anschaffung von weiteren oder neuen Mikrocomputern in Schwierigkeiten geraten, sehen die von der COMPUTERWOCHE befragten Anwender - von Ausnahmen abgesehen - in der gegenwärtigen Chipkrise keinen großen Problemfaktor. Die Ergebnisse, die sich bei einer CW-Blitzumfrage herauskristallisiert haben, klingen banal und sind sicher nur mit Einschränkungen relevant. Folgende Argumente sollen an dieser Stelle herausgegriffen werden:

- Die PCs, die sich im Einsatz befinden, sind mit 640 KB ausgerüstet. Zum Zeitpunkt der Krise hatten wir keinen Bedarf nach Speichererweiterungen.

- Man kann PC-Dateien im Hostplattenbereich ablegen.

- Es bestehen ganz generell Lieferschwierigkeiten, die zum Teil gar nicht auf die Chip-Engpässe zurückzuführen sind.

- Insgesamt zeichnet sich bei Mikrocomputern ein Preisverfall ab, ungeachtet der Tatsache, daß die Preise für Speicherelemente in die Höhe gegangen sind.

- Wir haben von der Chipkrise bisher nichts gespürt, sind aber über die Situation auf diesem Markt informiert.

- Wir wurden mit erheblichen Lieferzeiten konfrontiert, da unsere Vertragspartner ihre Zusagen nicht einhalten konnten.

- Man muß bei der Aufstockung von IBM ATs und XTs umdisponieren, weil Speichererweiterungen beispielsweise von 512 auf 640 KB, die die Lieferanten IBM-kompatibler Produkte derzeit anbieten, sehr viel teurer geworden sind.

Wenn es um hohe Speicherkapazitäten geht, dann fällt meistens sehr schnell das Stichwort OS/2 (vergleiche dazu die Aussagen von Computer Dewald und von Zenith). Bei der Henkel AGaA aus Düsseldorf, wo seit einem Jahr PS/2-Modelle im Einsatz sind, bekommt man die Chipkrise, aber auch die Unzulänglichkeiten der PS/2-Systeme sehr deutlich zu spüren. Dazu Lutz Reinhard, Systemberater im Benutzerservice: "Durch die verhinderte Bauweise beim Mikrokanal sind Speicherkarten schlecht verfügbar und auch sehr teuer." Gewisse Probleme aber auch beim XT oder AT, wo man beim Speicher aus Kostengründen unter anderem auf das sogenannte Above-Board von Intel und AST-RAM-Pageboards zurückgriff.

Die Panavia Airkraft GmbH in München, als letzter befragter Anwender, ist zwar auf den Einsatz von 0S/2 vorbereitet, sieht aber nicht die Speicherfrage als vorrangig an, da es "für dieses Betriebssystem bisher ja keine Anwendungen gebe. Die bisher installierten AT-386-Modelle unter DOS und mit 1 MB wurden ohne Verzögerungen geliefert. Daneben orderte Panavia in der letzten Zeit noch Compaq-Rechner. DV-Leiter Peter Brendle: "Dort hat es zwar ein bißchen länger gedauert als bei der IBM, aber wir können nicht behaupten, daß wir mit irgendwelchen Lieferproblemen zu kämpfen hätten. Ich sehe da keine Probleme."