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10.02.1984 - 

Neuer Aspekt-System-Ansatz verbessert PPS-Ergebnisse:

Bewährte Konzepte bringen oft nur Teilerfolge

Die mangelnde Eignung vieler DV-Systeme auf dem Gebiet des Produktions-Managements äußert sich in hohen fixen und variablen Kosten, in zu langen Durchlaufzeiten und hohen Umlaufbeständen. Um diese Probleme zu lösen, wird derzeit oft sehr undifferenziert "höhere Flexibilität" verlangt, ohne diese Eigenschaft näher zu spezifizieren. Eng damit verbunden ist die Hoffnung, daß der Einsatz noch komplexerer DV-Systeme die Lösung dieser Probleme bringen wird. Derartige Systeme erfüllen nur zu einem geringen Teil diese Erwartungen.

Eine der wesentlichsten Ursachen dürfte in der bisher üblichen Vorgehensweise bei der Gestaltung von Produktions-Management-Systemen (PM) liegen, die vor allem durch mangelnde Systematik im Design-Prozeß, mangelndes ganzheitliches Denken (damit zu geringe Berücksichtigung von Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Systemen) sowie zu einseitig sachmittelorientierte Betrachtung gekennzeichnet ist.

Die Entwicklung neuer Ansätze, Methoden und Denkweisen erfolgt im Zuge der Weiterentwicklung der einzelnen Wissenschaftsdisziplinen, wird jedoch von den Gegebenheiten

der Praxis und den Anforderungen der "Umwelt" des zu gestaltenden Systems stark mitgeprägt. Vor allem sind hier die wirtschaftlichen, sozialen und technologischen - speziell informations-technologischen

Veränderungen als Einflußfaktoren zu nennen.

Der Aspekt-System-Ansatz, der im wesentlichen auf der Systemtheorie und dem Denken in Ziel-Mittel-Hierarchien beruht, ist besonders für den Entwurf komplexer Systeme geeignet, da er es ermöglicht,

- das zu gestaltende System exakt zu spezifizieren und von anderen Systemen abzugrenzen, ohne von vornherein in herkömmlichen "Subsystemen" zu denken

- wechselseitige Abhängigkeiten der einzelnen Systeme zu berücksichtigen

- konkrete Leistungsanforderungen an das System zu formulieren und Aspekten zuzuordnen

- relevante Umweltfaktoren zu identifizieren und deren voraussichtliche Veränderung im Designprozeß zu berücksichtigen.

Die Aspekte, unter denen ein System betrachtet oder gestaltet wird, richten sich nach dem Zweck des Systems. PM-Systeme sind zielorientiert, zur Erreichung der Ziele sind Funktionen notwendig, die von den Verantwortlichen für die Realisierung des gewünschten durchgeführt werden. Die Leitenden treffen die notwendigen Entscheid und setzen für die Abwicklung der Funktionen informationstechnologische Werkzeuge und Hilfsmittel ein. Daraus ergibt sich eine aus Aspekt-Systemen bestehende Modellvorstellung für PM-Systeme wobei die einzelnen Aspekte untereinander in einer Ziel-Mittel-Beziehung stehen.

Aspekt-System 1:

PM-Zielsystem

Aspekt-System 2:

System der Funktionen und Methoden

Aspekt-System 3:

System der Verantwortlichkeiten

Aspekt-System 4:

System der informationstechnologischen Sachmittel

Die Berücksichtigung gestaltungsrelevanter Umweltfaktoren wird nun im Zuge des Entwurfsprozesses insofern vereinfacht, als der Einfluß jedes Umweltfaktors (Entwicklungen auf dem Absatz- und Beschaffungsmarkt, Produktinnovationen, Produktionstechnologien, gesetzliche Vorschriften) auf jeden einzelnen Aspekt analysiert werden kann (siehe Bild 1).

Dies gilt nicht nur für das Design von PM-Systemen, sondern auch für das aus der Umweltdynamik notwendigerweise resultierende ständige Redesign von PM-Systemen.

Die einzelnen Aspekt-Systeme werden nun entsprechend diesen Einflüssen und Randbedingungen gestaltet. Da jedoch jedes Aspekt-System seine eigenen Gesetzmäßigkeiten aufweist, muß anschließend eine Harmonisierung der vier Aspekt-Systeme vorgenommen werden (siehe Bild 2).

Der Aspekt-System-Amsatz ist nicht nur für den Entwurf neuer PM-Systeme geeignet, sondern - in der Praxis sicherlich der häufigere Fall - auch für das aus der Dynamik der Umweltfaktoren resultierende ständige Redesign von PM-Systemen. Dabei ist es entsprechend der Aspekt-System-Denkweise unbedingt erforderlich, bei Änderung eines Aspekt-Systems - etwa bei Einsatz neuer Hardware - die Auswirkungen auf die anderen Aspekte - also auf Organisation, Funktionslandschaft und gegebenenfalls Ziele - genau zu untersuchen. Zahlreiche Probleme auf dem Gebiet des Produktions-Managements haben ihre Ursache in einer isolierten Veränderung eines oder zweier Aspekt-Systeme.

Die Anwendung des Aspekt-System-Ansatzes bei der Gestaltung von Werkstattsteuerungssystemen führte zu gänzlich anderen Ergebnissen als es beim Vorgehen nach herkömmlicher Art und Weise der Fall war. Beide Male war die Reduzierung von Durchlaufzeiten um einen bestimmten Prozentsatz die Zielsetzung. Während jedoch kömmlichen Vorgehen darüber bestand, daß diese ziel nur durch genauere Überwachung, dichtere Rückmeldepunkte und höhere Aktualität der Rückmeldungen, also durch Einsatz eines klassischen BDE-Systems zu erreichen sei, ergab sich beim Vorgehen nach dem Aspekt-System-Ansatz, daß die Steurungsbeziehungsweise Terminverantwortung direkt in die Werkstatt zu legen sei und den steuernden Mitarbeitern in der operativen Ebene hierzu entsprechende einfache DV-Werkzeuge in die Hand zu geben seien. Dieses Ergebnis kann sicher nicht verallgemeinert werden, zeigt jedoch, daß scheinbar bewährte Mittel nicht unbedingt bestmögliche Zielerreichung garantieren und daß vor allem der Einsatz von DV-Spezialisten in den ersten Phasen von PM-Projekten nicht erforderlich ist.

Heinz Hüber ist Privatdozent am Institut für Unternehmensführung und des Österreichischen Arbeitskreises "Produktions-Management", Innsbruck.