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28.03.1986 - 

Telenorma vertreibt neues Bildkommunikationssystem Visitel von Widcom:

Bewegtbildübertragung im Schmalband-ISDN

HANNOVER (CW) - Premiere hatte auf der CeBIT 86 das Bildkommunikationssystem "Visitel" das farbige Fest- und Bewegtbilder über digitale 64-KBit/Sek.-Leitungen überträgt. Für den Vertrieb von Visitel auf dem hiesigen Markt sowie in weiteren Ländern hat der amerikanische Hersteller Widcom, Campbell, einen Exklusivvertrag mit Telenorma, Frankfurt, abgeschlossen.

Visitel ist auf das flächendeckende, digitale Fernmeldenetz ISDN der Deutschen Bundespost ausgerichtet. Es kann jedoch bereits heute im Datex-L 64 000 für Wählbetrieb innerhalb der Bundesrepublik eingesetzt werden. Dabei erfolgt der Zugriff über eine Schnittstelle nach der CCITT-Empfehlung X.2 1. Daneben schaltet die Bundespost feste Kanäle quer durch Deutschland, Europa oder auch weltweit. Das Nachrichtenfernschaltgerät, mit dem die Bundespost Endgeräte an das Netz anschließt, bietet dazu eine Schnittstelle nach V.36.

Beispiele für Einsatzmöglichkeiten von Visitel sind die europäische Luftfahrtindustrie, dezentralisierte Produktionsstätten, Banken, Versicherungen, Verwaltungen, aber auch Forschungseinrichtungen sowie die Bereiche Design, Grafik und Mode. Visitel kann darüber hinaus zu Überwachungszwecken (beispielsweise gefährdete Straßenbahnkreuzungen oder Autobahnabschnitte) eingesetzt werden.

Das Bildkommunikationssystem besteht aus drei Systemteilen: Codec, Videoterminal und Fernsprecher zur Sprachübertragung. Kernstück der Neuvorstellung ist das Codec, das die wesentliche technische Innovationsleistung beinhaltet. Es hat die Aufgabe, ein Videosignal mit der Bandbreite von etwa 5 MHz zu digitalisieren und so zu codieren, daß für die Übertragung ein Kanal mit 64 KBit/Sek. ausreicht. Das Codec komprimiert deshalb die von den Kameras aufgenommenen Bilder im Verhältnis 1:1440. Zum Vergleich: Im Betriebsversuch Videokonferenz der Deutschen Bundespost wird ein Datenreduktionsverfahren eingesetzt das eine Bildübertragung mit zirka 2 MBit/Sek. gestattet.

Um eine derart hohe Datenreduktion zu erreichen, werden beim Codec verschiedene Verfahren und Algorithmen miteinander kombiniert und redundante und irrelevante Signalteile entfernt. Hierzu dient ein Coder. Ein Decoder macht dies beim Empfänger wieder rückgängig.

In einem ersten Schritt wird die örtliche Auflösung des Bildes in jede Richtung halbiert, insgesamt also um den Faktor 4. Für das menschliche Auge ist dies kaum zu erkennen.

Danach faßt das Codec jeweils drei aufeinanderfolgende Bilder zu einem Bild zusammen. Dadurch werden allerdings starke Bewegungen etwas "verschliffen". Eine weitere Datenreduktion um den Faktor 2,5 erreicht der Anwender dadurch, daß die Farbinformation dem Helligkeitssignal vergröbert überlagert wird. Dieser Tricks bedient sich auch die herkömmliche Fernsehübertragung mit dem PAL-Standard. Der nächste Schritt stützt sich auf eine mathematische Methode, die unter dem Begriff "Adaptive Transformations-Codierung" bekannt ist: Durch diesen Algorithmus wird eine weitere Reduktion um den Faktor 6 erreicht.

Die endgültige Anpassung an die niedrige Datenrate wird schließlich durch das Verfahren "Conditional Replenishment" (bedingtes Austauschen) erreicht. Bei einer typischen Bildszene bewegt sich üblicherweise nur ein kleiner Teil der Bildfläche. Alles, was sich nicht bewegt, ist also in den aufeinanderfolgenden Einzelbildern unverändert. Da Visitel alle Bildinformationen in einen Bildspeicher übernimmt, müssen diese Bildteile nicht übertragen werden. Sie werden direkt aus dem Bildspeicher auf den Bildschirm gebracht (Faktor 8). Im Vordergrund für den Benutzer steht: Er kann dem Partner beispielsweise Zeichnungen, Bilder, Prospekte, Gegenstände und Entwürfe zeigen und mit ihm Änderungen besprechen.

Das Videoterminal setzt sich ebenfalls aus drei Komponenten zusammen: Videoturm, Kamerastation und Bedientableau. Der Videoturm steht dabei im Mittelpunkt und enthält die fest auf die Teilnehmer ausgerichtete Personenkamera mit Weitwinkelobjektiv und zwei Monitore. Der obere Monitor zeigt immer das Bild, das die Gegenstation sendet, der untere hat eine zweifache Verwendung. Zum einen kann er das Bild wiedergeben, das der Gegenstation übermittelt wird, zum anderen dient er der Vorbereitung einer anderen als der gerade aktiven Bildquelle. Der Videoturm enthält des weiteren zwei elektronische Bildspeicher: Der eine kann ein empfangenes, der andere ein im eigenen Visitel erzeugtes Bild festhalten. Für spezielle Anwendungen gibt es die Möglichkeit, separate Monitore oder externe Kameras anzuschließen.

Die Kamerastation enthält eine schwenkbare Kamera mit elektromotorisch steuerbarem Zoom-Objektiv. Die Kamera ist in einem höhenverstellbaren Ständer montiert. In der oberen Stellung können Dokumente (etwa A4-Format) oder kleine Gegenstände gezeigt werden, aber auch Ausschnitte bis zur Größe eines Diapositivs. In der unteren Position des Ständers ist die Aufnahme kleiner Details im Format von etwa 3 mal 4 Zentimetern in der Makroeinstellung möglich. Die eingebaute Beleuchtung kann auf Ober- oder Unterlicht geschaltet werden.

Gesteuert wird das Bildkommunikationssystem über ein Bedientableau.