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28.11.2003 - 

IT in Banken/Abschied vom Individualismus

Bewegung im Bankensektor

Wenige IT-Outsourcing-Anbieter müssen sich einen noch kleinen Bankenmarkt teilen. Das zeigt eine Analyse der PAC GmbH, München. Der Markt sei aber bemerkenswert dynamisch und werde in den nächsten Jahren die Struktur des Bankensektors tief greifend verändern.Von Nadia Adnane*

Noch bis vor zwei Jahren haben sich die deutschen Banken dagegen gesträubt, die Verantwortung für ihre Informationstechnik in größerem Umfang und über mehrere Jahre hinweg an externe Dienstleister zu übergeben.

Doch der hohe Kostendruck, hervorgerufen durch strukturelle Probleme und geringere Einnahmen aus dem Investment-Banking-Geschäft, hat die Banken umdenken lassen: In jüngster Zeit sind immer mehr IT-Outsourcing-Deals zu beobachten, eine Entwicklung, die einer Revolution gleichkommt.

PAC definiert IT-Outsourcing als einen mehrjährigen Vertrag zwischen einem IT-Anwender und einem IT-Dienstleister. Dieser Vertrag, der meist über drei bis zehn Jahre abgeschlossen wird, beinhaltet die Übernahme der Verantwortung für die komplette IT oder Teile davon, beispielsweise Rechenzentrum, Applikationen, Desktops oder Netzwerke, inklusive der Übernahme der IT-Infrastruktur und meist auch des IT-Personals. Unter Outsourcing fallen für PAC auch traditionelle Processing-Services. Die Dienstleistungen, die der Outsourcer zu erbringen hat, werden durch Service-Level-Agreements (SLAs) festgelegt.

Schneller, besser, flexibler

Die Untersuchungen zeigen, dass es für die Banken und Finanzinstitute drei Hauptgründe gibt, ihre IT oder Teile davon auszulagern: Zunächst müssen Kapitalressourcen zunehmend auf die Kernkompetenzen und das Kerngeschäft fokussiert werden. Weiterhin sollen günstigere Konditionen beziehungsweise ein besseres Preis-Leistungsverhältnis erzielt werden. Schließlich zwingt die Notwendigkeit, schneller, besser und flexibler zu sein, zu einer geringeren Fertigungstiefe.

Die deutsche Industrie gehörte zu den Outsourcing-Vorreitern, schon Anfang der 90iger Jahre wurden hier Deals in größerem Umfang abgeschlossen. Im Vergleich zu anderen Sektoren stellt der industrielle Bereich den größten Anteil dar: Er macht 46 Prozent des gesamten IT-Outsourcing-Marktes aus, während der Banking-Bereich bei gerade einmal 13 Prozent liegt.

Den Banken ging es über viele Jahre sehr gut. Die IT wurde von Anfang an sehr stark als Differenziator gegenüber dem Wettbewerb erachtet. Da die Banken sehr viel Geld hatten, investierten sie intensiv in IT. Weil es nur wenige Standardlösungen gab, waren die Finanzinstitute gezwungen, sich teure, maßgeschneiderte IT-Systeme anfertigen zu lassen. Standardsoftware wurde teilweise mit der alleinigen Begründung abgelehnt, man wolle sich von der Konkurrenz unterscheiden. Auf die Kosten dieses Individualismus wurde kaum geachtet. So wurde die IT Landschaft vieler Banken mit der Zeit nicht nur viel zu komplex, sondern auch viel zu teuer.

Bis in die jüngste Vergangenheit waren nur wenige Banken an IT-Outsourcing interessiert: Ein paar Desktop-Services-Deals wurden abgeschlossen, einige wenige Rechenzentren übernommen. Über Jahre hinweg konnte weder das Argument der Kostenersparnis noch der Konzentration auf Kernaktivitäten die deutschen Kreditinstitute dazu bewegen, langjährige strategische Partnerschaften mit IT-Dienstleistern einzugehen. Was in benachbarten Ländern wie Großbritannien oder Frankreich, aber auch in der deutschen Industrie schon Mitte der 90iger üblich war, ließ sich auf den deutschen Bankensektor nicht übertragen.

Auf der anderen Seite gibt es weiterhin starke Argumente, die gegen Outsourcing sprechen; eines davon ist der zwingende Wechsel einiger Mitarbeiter, manchmal sogar einiger hundert, zum Outsourcer. Weiterhin verliert die Bank oft die direkte Kontrolle über ihre IT-Systeme.

Aus all diesen Gründen ist der deutsche Bankensektor im Hinblick auf IT-Outsourcing unterentwickelt geblieben: Nur sechs Prozent der IT-Ausgaben, das heißt für internes und externes Personal, Hardware, Software und IT-Services, sind auf Outsourcing zurückzuführen. Für die Industrie liegt der Outsourcing-Anteil an den IT-Ausgaben bei zwölf Prozent. Der Marktdurchschnitt ist acht Prozent.

Der deutsche Bankensektor kennt zahlreiche kaptive IT-Dienstleister. Gemeint sind die ausgelagerten IT-Abteilungen, die einen erheblichen Teil ihrer Umsätze mit der Muttergesellschaft erzielen oder Genossenschafts- und Sparkassen-Rechenzentren wie beispielsweise Dregis oder Fiducia. Diese werden von PAC dem kaptiven Outsourcing-Markt zugeordnet, weil sie anderen Regeln als denen des freien Marktes unterliegen.

Mittlerweile hat sich die Lage drastisch verändert. Die deutsche Bankenindustrie steckt in einer schweren strukturellen und finanziellen Krise, die komplette Struktur der Bankenlandschaft ist in Frage gestellt, auch neue Businessmodelle und die strategische Ausrichtungen der Banken. Dazu gehört auch das Thema IT-Auslagerung. PAC beobachtet eine Evolution der Outsourcing-Dienstleistungen: Wurden anfänglich hauptsächlich Desktops nach außen gegeben, kommt es nun zum Outsourcing von Rechenzentren und Anwendungen. Häufig werden komplette Outsourcing-Deals abgeschlossen.

Der große Abschluss der Deutschen Bank mit IBM - 2,5 Milliarden Euro über zehn Jahre für die Auslagerung der Rechenzentren auf dem europäischen Festland war ein wichtiger Meilenstein, was die Verbreitung von Outsourcing im Bankensektor anbelangt, und hat schon zur Nachahmung animiert: Die Deka Bank hat das Rechenzentrum, die Desktops und die Netzwerke an Lufthansa Systems ausgelagert, die West LB das Rechenzentrum an T-Systems.

Strategische Positionierung

Ein weiterer Vorteil von Outsourcing, neben Kostenreduktion, Produktivitätssteigerung und Vereinfachung der Komplexität, ist die Unterstützung der strategischen Positionierung der Bank. Mit der Auslagerung werden die Stärken in den Vordergrund gestellt, und sie kann sich auf Kernkompetenzen konzentrieren.

Nach Umsatz geordnet beherrschen in Deutschland vier IT-Outsourcer den Bankensektor:

- Die Gesellschaft für Zahlungssysteme (GZS) dominiert den Markt mit den höchsten Umsätzen und einem Marktanteil von knapp 15 Prozent. Das Unternehmen ist im Umfeld der Transaktionsverarbeitung von Kreditkarten wie Visa oder Mastercard und von Kundenbindungskarten aktiv. Ein Vergleich von GZS mit anderen Outsourcern des freien Marktes ist schwierig.

- IBM hat durch seine überzeugenden Mainframe-Kenntnisse und -Fähigkeiten mit acht Prozent Marktanteil eine sehr gute Ausgangsposition im Bankenumfeld.

Hohe Markteintrittsbarriere

Obwohl viele Wettbewerber sich fragen, ob Big Blues Deutsche Bank-Deal profitabel sein wird, ist unbestreitbar, dass IBM eine Vorreiterrolle in diesem Umfeld eingenommen hat, die langfristig Früchte tragen dürfte: Das Unternehmen hat die Chance, Referenzen aufzubauen, dem Markt zu zeigen, was es kann, sowie Erfahrung und Wissen zu sammeln. Damit nimmt IBM für kommende Ausschreibungen von großen Deals eine herausragende Position ein. In diesem Zusammenhang sollte auch das "Outsourcing-on-Demand" Geschäftsmodell erwähnt werden, welches auf dem deutschen Markt eingeführt wurde und schon einen großen Kunden gelockt hat: AXA mit einem internationalen Deal im Wert von über einer Milliarde Dollar.

- Siemens Business Systems verfügt über einen Marktanteil von sieben Prozent. SBS ist im Bankensektor schon immer stark und gewinnt nicht nur im RZ- und Kordoba-Umfeld Outsourcing-Ausschreibungen - Kordoba ist der Produzent und Lieferant der gleichnamigen Vollbankensoftware und gehört SBS zu 80 Prozent -, sondern auch im Netz- und Desktop-Outsourcing-Bereich. Zudem hat SBS dieses Jahr mit der Übernahme von Sinius, der dezentralen Infrastruktur der Deutschen Bank, seine Position verstärkt.

- Auch T-Systems mit sieben Prozent Marktanteil hat sich durch RZ-Outsourcing, Komplettauslagerung und Desktop-Services-Deals einen Namen gemacht.

Die deutlich geringe Anzahl an Outsourcern im deutschen Bankensektor und die damit einher-gehende hohe Konzentration - die Top Ten teilen sich 60 Prozent des Gesamtmarktes - sind ein Indikator für hohe Markteintritts-Barrieren. Ein Outsourcer hat eine Reihe von Anforderungen zu erfüllen, darunter Sicherheitsaspekte, ein gutes Know-how im Mainframe-Bereich und ein profundes industriespezifisches Know-how. Doch all das macht noch keinen guten Outsourcer: Von den Anwendern werden oft weiche Faktoren wie "Vertrauen", "Zuverlässigkeit" oder "Chemie" genannt.

Laut PAC belief sich der Wert des IT-Outsourcing, im deutschen Bankensektor 2002 auf 1142 Millionen Euro. 2003 wurden 1520 Millionen Euro erreicht. Bis 2007 beträgt das durchschnittliche jährliche Wachstum, so die Prognosen, schätzungsweise 16 Prozent. Getrieben wird der Markt durch Fusionen, Zusammenlegungen von IT-Plattformen und die Einführung neuer Technologien oder Anwendungen, die immer öfter auch mit einer IT-Auslagerung einhergehen werden. (bi)

*Nadia Adnane ist Beraterin bei der Pierre Audoin Consultants (PAC) GmbH in München.

Banken in der Krise

- Der deutsche Bankensektor ist im Hinblick auf IT-Outsourcing lange unterentwickelt geblieben.

- Die deutsche Bankenindustrie steckt heute in einer schweren strukturellen und finanziellen Krise.

Aktuelle Gründe für IT-Outsourcing bei Banken:

- Kapitalressourcen müssen zunehmend auf die Kernkompetenzen und das Kerngeschäft fokussiert sein;

- Es sollen bessere Konditionen und eine geringere Fertigungstiefe erzielt werden;

- Mit der IT-Auslagerung können sich Banken auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren.

Führende IT-Dienstleister

Rang / Firma / Umsatz 2002*

/ 1 / GZS / 175

/ 2 / IBM / 93

/ 3 / SBS / 85

/ 4 / T-Systems / 82

/ 5 / EDS / 64

/ 6 / Atos Origin / 48

/ 7 / HP / 42

/ 8 / CSC / 22

/ 9 / Lufthansa Systems / 22

/ 10 / Accenture / 17

/ 11 / CC Compunet / 15

/ / Gesamtmarkt / 1142

Nach Umsatz geordnet beherrschen vier Outsourcer den Bankensektor.

*Angaben in Millionen Euro / Quelle: PAC