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Wirtschaftsprüfer und IT-Beratungen trennen sich

Bewegung im IT-Consulting-Markt

12.04.2002
MÜNCHEN (CW) - Die IT-Consulting-Einheiten der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften nabeln sich von ihren Müttern ab. Der Enron-Skandal dürfte diesen schon vor geraumer Zeit eingeleiteten Prozess beschleunigen.

Offenbar ist das Vertrauen der IT-Consultants in ihre Mütter nicht unbegrenzt. Rand Blazer, CEO von KPMG Consulting, bestätigte Meldungen, dass Mitarbeiter und Marketing-Berater bereits aufgefordert wurden, Vorschläge für einen neuen Namen und ein geändertes Firmenlogo zu unterbreiten. Gleiches gilt für PWC Consulting. Auch dort finden Brainstorming-Sitzungen statt, in denen ein neues Unternehmensbild erarbeitet wird. In beiden Fällen wollen die Unternehmen sich bewusst von den Muttergesellschaften abgrenzen. "Wir haben das Gefühl, dass ein neuer Name für den Fortgang des Geschäfts entscheidend ist", erklärte etwa eine Unternehmenssprecherin von PWC Consulting.

Die Trennung von Wirtschaftsprüfung und IT-Consulting ist kein neues Thema.Die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde SEC übt schon seit Jahren diesbezüglich Druck auf die großen fünf Gesellschaften aus. Zum Teil kamen die Häuser dieser Forderung auch nach. Arthur Andersen gab seine Tochter unter dem Namen Accenture frei, Ernst & Young verkaufte an Cap Gemini, und KPMG Consulting hat in den USA den Schritt an die Börse gewagt, in Europa läuft die Umwandlung in eine AG. Der Form nach vollzogen auch PWC und Deloitte Touche den Trennungsschritt. Dort firmieren die IT-Experten jedoch noch unter dem rechtlichen Dach der Mütter und tragen lediglich den Namenszusatz Consulting.

Neu ist die Vehemenz, mit der die IT-Berater die Abspaltung betreiben und auf Unabhängigkeit drängen. Als Vorbild dient Accenture, ehemals Andersen Consulting. Die IT-Berater haben die Abnabelung von ihrer Mutter Arthur Andersen schon 2001 mit dem Börsengang erfolgreich betrieben. Der Schritt zahlt sich nun aus, denn Accenture hat durch die dubiosen Machenschaften der Prüfgesellschaft Arthur Andersen beim Enron-Konkurs kaum Schaden genommen. Zwar bestreiten KPMG und PWC offiziell einen Zusammenhang zwischen Namenssuche und Wirtschaftsskandal, doch seit Andersens Rolle publik wurde, stellen immer mehr US-Kunden die bislang gängige Praxis in Frage, Consulting-Dienste und Wirtschaftprüfung von ein und derselben Gesellschaft zu beziehen. Der Markt wird also neu aufgeteilt.

Und das geschieht zu einer für Unternehmensberatungen ungünstigen Zeit. Während sich die US-Wirtschaft insgesamt langsam erholt, gibt es für Consulting-Häuser keine Anzeichen der Besserung. Hierzulande bestätigte der Bund deutscher Unternehmensberater (BDU) sinkende Preise. Auch die US-amerikanischen Investmentbanker von Lehman Brothers machen in ihrer vierteljährlichen Analyse fallende Honorare für Berater aus. Im vierten Quartal 2001 verlangten die Experten durchschnittlich 124 Dollar pro Stunde. Das waren 24 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, als sich noch 164 Dollar pro Stunde durchsetzen ließen. Bemerkenswert ist zudem, dass sich der Preisverfall beschleunigt hat. Die Analysten glauben daher, dass der Tiefpunkt noch nicht erreicht ist.

Die Ursachen dafür sind vielfältig und zum Großteil hausgemacht. Die IT-Häuser haben während der Boomphase zum einen sehr viele Mitarbeiter eingestellt, die während der darauf folgenden Flaute nicht ausgelastet waren. Zum anderen haben sie offenbar in den goldenen Zeiten ungeniert zugelangt und sich so den Unmut der Kunden zugezogen. Für ERP-, Jahr-2000- und E-Business-Projekte wurden enorme Summen in Rechnung gestellt, so dass die Anwender heute genauer auf die Kosten und den Return on Investment (RoI) schauen. Schließlich stehen KPMG und Accenture als börsennotierte Unternehmen unter genauer Beobachtung und Erfolgsdruck. PWC wird es künftig nicht anders gehen, denn noch für dieses Jahr ist der Börsengang geplant. Einzig Deloitte Consulting soll vermutlich als privat gehaltene Gesellschaft im Mutterverbund verbleiben, dem Konkurrenzdruck wird sich das Unternehmen jedoch auch nicht entziehen können. (jha)