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23.02.2001 - 

TU München will auf eigenes Auswahlverfahren setzen

Bewerbungsgespräch für angehende IT-Studenten

MÜNCHEN (CW) - Während der Fakultätentag für Informatik forderte, bundesweit einen Numerus clausus für Informatik einzuführen, will Bayern einen Sonderweg gehen. An der Technischen Universität (TU) München sollen künftig Eignungstests darüber entscheiden, ob der Bewerber den Studienplatz bekommt.

Der bayerische Landtagsabgeordnete und Hochschulexperte Paul Wilhelm (CSU) hat in diesen Tagen einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der das Selbstbestimmungsrecht bayerischer Hochschulen erweitern könnte. Danach soll bereits zum Wintersemester 2001 ein neues Auswahlverfahren in Kraft treten, wonach Bewerber erst einen Eignungstest bestehen müssen, um zum Informatikstudium zugelassen zu werden.

Die Initiative kam von der Fakultät für Informatik an der TU in München. Für das kommende Wintersemester haben sich dort 1200 Studenten eingeschrieben, das sind doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Da die Hochschulen aber keine zusätzliche finanzielle Unterstützung bekommen, sind sie kaum in der Lage, dem Ansturm gerecht zu werden. Zudem hat der Fachbereich Informatik die höchste Quote an Studienabbrechern.

Innerhalb eines Jahres steigen etwa die Hälfte der Informatikstudenten aus dem Studium wieder aus. Nach Meinung der 25 Professoren, die an der TU tätig sind, wäre es deshalb sinnvoll, vorab ein individuelles Gespräch mit dem Bewerber zu führen. Der Numerus clausus als Regulativ reiche nicht aus, die Zahl der Einschreibungen zu begrenzen.

So hält auch der TU-Vizepräsident und Informatik-Professor Arndt Bode die Abiturnote für wenig aussagekräftig. In seinen Augen kann man die fachliche Begabung eher durch ein 30-minütiges Gespräch feststellen. Untersuchungen an der TU hätten zudem gezeigt, dass selbst die Abiturnoten in Mathematik oder Physik kaum auf Talent und Neigung des Kandidaten schließen lassen. Das gesonderte Auswahlverfahren würde hingegen alle Studienbewerber exakt auf ihre Eignung überprüfen.

Bayern wagt sichauf ein neues Terrain

Mit der Einführung eines Eignungstests würde Bayern neues Terrain betreten. Denn nach wie vor sind an deutschen Hochschulen derartige Reglements eher die Ausnahme. Zwar hat die Zentrale Vergabestelle für Studienplätze in Dortmund (ZVS) den Universitäten ein Auswahlrecht von 20 Prozent der Plätze zugestanden, eine dauerhafte Lösung sei nach Meinung vieler Professoren damit jedoch nicht in Sicht.

CSU-Hochschulexperte Wilhelm will deshalb das neue Auswahlverfahren bei der Staatsregierung durchsetzen. Das Bayerische Hochschulgesetz gestattet den Universitäten bisher bereits über die so genannte Experimentierklausel, jeweils voneinander differenzierte Verfassungen zu haben. Diese könnte künftig auch spezifische Zulassungsverfahren in etablierten Fächern regeln. Laut Angaben des Landtagsabgeordneten Wilhelm wäre es dann sogar möglich, langfristig auf die Zentrale Vergabestelle für Studienplätze zu verzichten.

Allerdings darf der Vertrag zur Vergabe der Studienplätze in Deutschland erst im Jahr 2006 aufgekündigt werden. Im Vorfeld dazu könnten jedoch einige Alternativen getestet werden. Denn sollte die Arbeit der ZVS-Behörde eingestellt werden, so Wilhelm, müsse man wissen, was man an deren Stelle einsetze.