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24.06.1994

Bewerbungsstrategien in der Rezession (Schluss) Tippfehler und Beamtendeutsch sind bei Personalchefs verpoent

Schwer lesbare Texte, ueberfluessige Informationen oder mangelhafte Darstellung des beruflichen Werdeganges sind typische Fehler in Unterlagen, die Arbeitssuchende einreichen. Bernd Andersch* nennt zusammenfassend Loesungsvorschlaege fuer die professionelle Gestaltung einer schriftlichen Bewerbung. Anschreiben muessen leicht lesbar sein. Sie sollen dem Einsteller in kurzer Form die entscheidenden Verkaufsargumente des Bewerbers fuer die ausgeschriebene Stelle vor Augen fuehren. Zudem ist das Anschreiben der Erstkontakt zwischen Bewerber und Einsteller. Ein guter Kandidat zeigt daher ein ausdrueckliches Interesse an der ausgeschriebenen Stelle. Bewerber sollten dabei auf folgende formale Kriterien achten: - Wurde ausreichend mit Leerzeilen gearbeitet? Wurde auf Blocksatz verzichtet? Wurden entscheidende Sachverhalte mit Fettdruck oder durch Unterstreichung hervorgehoben? Anschreiben, die wenige oder keine Absaetze beziehungsweise Leerzeilen enthalten oder gar im Blocksatz formatiert sind, kommen dem schnellen Leser nicht entgegen. Immerhin weist rund ein Fuenftel aller Anschreiben dieses negative Phaenomen auf. - Wurde auf unnatuerliche Saetze (Beamtendeutsch), umstaendliche Satzformulierungen und sehr lange Saetze verzichtet? Schwer lesbare Texte findet man insbesondere bei Hochschulabsolventen und promovierten Bewerbern. Gut lesbare Saetze gehen nur in Ausnahmefaellen ueber acht Worte hinaus und zeigen keine Satzverschachtelung. - Ist das Anschreiben fehlerlos? Mehr als ein Fuenftel der Bewerbungen enthaelt Sprach- und Tippfehler. Dies kann der Leser nur als Desinteresse bewerten. Ausserdem heisst es, dass die aeussere Ordnung auf die innere Verfassung des Kandidaten schliessen laesst. - Stehen die Interessen, Probleme und Wuensche des Einstellers im Mittelpunkt des Anschreibens? Die Darstellung individueller Vorteile des Stellenwechslers bietet in der Rezession schwache Argumente. Anschreiben sollten die Anforderungen und Probleme des Einstellers, die etwa der Stellenanzeige zu entnehmen sind, in den Mittelpunkt ruecken. - Sind ueberfluessige und wenig vorteilhafte Informationen im Anschreiben anzutreffen? Knapp ein Fuenftel der ausgewerteten Anschreiben beinhalten ueberfluessige Informationen. So vergeuden Jobaspiranten Platz dafuer, um zu erlaeutern, weshalb sie bestimmte geforderte Qualifikationen nicht besitzen. Der Raum liesse sich besser nutzen, um darzustellen, weshalb der Bewerber die weiteren Anforderungen besonders gut erfuellt. Ferner gibt es Arbeitssuchende, die dem Einsteller in entmuendigender Art Beurteilungen abnehmen: "Der Grund fuer meinen Wechsel ist logisch und einleuchtend." Ein anderer Kandidat fuehrt Referenzen an, obwohl sie die Stellenanzeige nicht verlangt. Manche Bewerber listen im Anschreiben Qualifikationen auf, die in der Anzeige nicht genannt sind. Der Lebenslauf ist im heutigen Massengeschaeft mehr als eine Biografie. Er fasst vielmehr tabellarisch alle Qualifikationen und Erfahrungen des Bewerbers uebersichtlich zusammen. Nur wenn der Lebenslauf interessant ist, liest der Personalverantwortliche auch die restlichen Unterlagen. Allerdings muessen die biografischen Daten entscheidende Sachverhalte schnell an den Leser bringen. Hier die wichtigsten Checkpunkte fuer den Lebenslauf: - Sind die wichtigsten Ausbildungsschritte dokumentiert? Ein Siebtel aller Bewerber fasst den Lebenslauf viel zu knapp und wenig aussagekraeftig ab. Wichtige Qualifikationen, die in den weiteren Unterlagen zu finden sind, tauchen im Lebenslauf nicht auf. Nach dem Motto "Wer suchet, der findet", ueberlaesst der Jobsuchende die Arbeit dem Einsteller. - Ist der Lebenslauf schnell lesbar? Gut ein Fuenftel von Bewerbern glaenzt durch redundante Worte und Zeichen, die dem Leser jedoch keine zusaetzlichen Informationen bringen. In der Masse gehen beim ersten Querlesen wichtige Informationen verloren. Nicht wenige Lebenslaeufe ermueden durch geschlossene Textbloecke. Der Verzicht auf Leerzeilen oder Absaetze traegt ebenfalls nicht zur schnellen Lesbarkeit bei. Passt der Lebenslauf nicht auf eine Seite, waehlen immer mehr Bewerber einen kleineren als normalen Schrifttyp, was die Lesbarkeit gaenzlich in Frage stellt. - Enthaelt der Lebenslauf Angaben zu Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten bei den einzelnen Berufsstationen? Mehr als ein Drittel aller Praktiker liefert unzureichende Informationen zu den einzelnen beruflichen Stationen. Drei bis fuenf Aufgaben zu jeder laengeren Station sind im Lebenslauf aufzufuehren. Ein Drittel der Bewerber schlampt bei Jobangaben Aussagen zur Mitarbeiter-, Umsatz- und Budgetverantwortung - wenn vorhanden - duerfen nicht fehlen. Aber auch Zeichnungsbefugnisse sind erwaehnenswert. - Sind bei Hochschulabsolventen die entscheidenden Angaben zum Studium aufgefuehrt? Rund ein Fuenftel der Hochschulabsolventen laesst in Bewerbungen Schluesselinformationen zum Studium unerwaehnt. Schwerpunkt-, Interessenfaecher, Thema der Diplomarbeit, erwarteter Abschlusstermin, bereits absolvierte Pruefungen und die erwartete Gesamtabschlussnote gehoeren in den Lebenslauf. - Ist das Foto gut und auf die richtige Art befestigt? Zu einer guten Bewerbungsunterlage gehoert ein gutes Foto. Dieser Grundsatz klingt banal, und trotzdem zeigt mehr als ein Drittel aller Bewerber hier eine erhebliche Schwachstelle. Das Bild sollte aufgeklebt und nicht mit einer Bueroklammer befestigt werden. Zum Schluss noch eine Checkliste fuer das Einreichen von sonstigen Unterlagen: - keine billigen unsauberen Kopien beifuegen; - Zwischenzeugnis, Referenzschreiben oder Fuehrungszeugnisse nur dann einreichen, wenn verlangt; - zu jeder beendeten beruflichen Station - auch Praktika - gehoert ein Arbeitszeugnis; - auslaendische Arbeitszeugnisse uebersetzen; - Beurteilungen des Vorgesetzten im Rahmen von Mitarbeitergespraechen nicht einschicken sowie - Zeugnisse nach Wichtigkeit und nicht nach Chronologie abheften. Auch in Sachen Verpackung zeigt sich mehr als ein Drittel der Jobsuchenden unprofessionell. Schnellhefter werden zu klein gewaehlt. So ragen die Prospekthuellen ueber den Hefter hinaus. Viele Bewerber scheinen hier am Pfennig zu sparen und waehlen das billigste Produkt. *Bernd Andersch hat viele Jahre in Fach- und Fuehrungsfunktionen Org./DV gearbeitet und ist heute selbstaendiger Unternehmens- und Karriereberater sowie Management-Trainer mit Sitz in Detmold.