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Bewerbungstips fuer aeltere Fach-und Fuehrungskraefte Funktionen mit Verantwortung machen sich im Lebenslauf gut

12.08.1994

Wer sich als 50jaehriger mit unzeitgemaessen Einstellungen, veraltetem fachlichem Know-how und antiken Bewerbungspraktiken eine neue Stelle sucht, ist ohne Chance. Bernd Andersch* ermuntert die jungen Alten zu mehr Engagement, denn es gibt noch den aelteren Bewerbertyp, der sich Hoffnungen auf einen Arbeitsplatz machen kann.

Wie sieht dieser Bewerbertyp aus? Er kuemmert sich nicht erst fuenf vor zwoelf um eine Stellenveraenderung, sondern handelt praeventiv. Ausfuehrlich informiert er sich ueber die aktuellen Wege der Stellensuche und geht sie alle intensiv und parallel. Stellengesuche zu schalten und Initiativbewerbungen zu verschicken ist fuer ihn selbstverstaendlich. Zudem bittet er Geschaeftsfreunde aus erfolgreicheren Zeiten um Mithilfe, statt sich zu vergraben, und spricht fruehere Arbeitgeber an. Bietet ihm sein Arbeitgeber anstelle oder gegen Erlass eines Teils der Abfindung eine qualifizier-

te Outplacement-Beratung, akzeptiert er. Bleibt diese Offerte aus, investiert er selbst in Bewerbungs- und Karriereberatungen.

Seine Bewerbungen lassen von der Form und vom Inhalt her nicht direkt auf sein Alter schliessen. Im Vorstellungsgespraech zeigt er sich als trainierter Profi, der souveraen mit seiner Lebens- und Berufssituation umgeht.

Aus dem Lebenslauf oder dem Anschreiben ist erkennbar, dass sich der engagierte Jobsuchende mit aktuellen Management-Themen auseinandersetzt: An der Weiterqualifzierung seiner Kompetenzen arbeitet er intensiv durch die Teilnahme an Seminaren - auch wenn diese nicht vom Arbeitsamt oder dem Arbeitgeber bezahlt werden.

Seine Einstellung kennzeichnen Dynamik, Flexibilitaet, Mobilitaet und Kreativitaet. So erwaegt er nicht nur die Fortsetzung des bisherigen Jobs in einem anderen Unternehmen. Er ueberdenkt, meist mit Hilfe eines Beraters, intensiv seine Chancen am Arbeitsmarkt.

Seine Gedanken laufen auch in Richtung Unternehmensgruendung, Unternehmenseinkauf, Freiberuflichkeit, Interims-Management und Zeitarbeitsvertraege.

Der nicht mehr ganz junge Bewerber sollte den freiwilligen oder gezwungenen Stellenwechsel eher als Chance begreifen, an den wirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft mitzuarbeiten. Dieser Bewerbertyp hat keine Zeit fuer die grosse Depression.

Bei aelteren freigesetzten Fuehrungskraeften sind allerdings oft eine Mentalitaet des Geldhortens, uebertriebenes Sicherheitsdenken und mangelnde Faehigkeit, sich mit der neuen beruflichen Situation angesichts der Marktbedingungen auseinanderzusetzen, festzustellen. Statt nochmals in die berufliche Zukunft zu investieren, wird, in Anbetracht einer moeglicherweise noch laengeren Arbeitslosigkeit, das Geld zurueckgehalten. Dies zeigt sich dann nicht nur an Aeusserlichkeiten bei Bewerbungsunterlagen und macht einen unprofessionellen Eindruck. Das beginnt meist schon beim Bewerbungsfoto. Nicht selten blickt der Bewerber in grau- oder beigegetoenter Kleidung muede laechelnd am Leser vorbei. Kaum zu glauben, dass es sich hier um eine Person handelt, die in der Vergangenheit zwischen 90000 und 300000 Mark jaehrlich ueberwiesen bekam.

Fuer die Prospekthuellen zu kleine Schnellhefter, mit Schreibmaschine abgefasste Anschreiben und Lebenslaeufe, unzeitgemaesse PC-Drucker, unsaubere Fotokopien, fast beamtenhaft wirkende Formulierungen im Anschreiben, zuwenig Informationen zu langjaehrigen Berufsstationen sowie fehlende Angaben zu Zeichnungsbefugnissen, Budget- und Mitarbeiterverantwortung sind mehr als nur Kavaliersdelikte.

Freigesetzte aeltere Arbeitnehmer sollten sich beim Abfassen des Lebenslaufs auch ueberlegen, wie sich ihre Aktivitaeten nach dem Ausscheiden beim Arbeitgeber wirkungsvoll darstellen lassen. Ein Lebenslauf darf nicht einfach abbrechen. Statt dessen empfiehlt es sich zum Beispiel, berufsbezogene Weiterqualifizierungen aufzulisten. Wer als aeltere Fach- oder Fuehrungskraft nicht bereit ist, nochmals in die berufliche Zukunft zu investieren, wird wenig Eindruck im Bewerbungsgeschehen hinterlassen.

*Bernd Andersch arbeitet als Management-Trainer und Karriereberater in Detmold.