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06.03.1992 - 

Financiers haben auch internationale Ambitionen

BfG Bank macht mit Inas GmbH im Netzwerk-Management mobil

FRANKFURT (gh) - Netzwerk-Management als Dienstleistung gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die BfG Bank AG jedenfalls nutzte ihr Know-how in der Betreuung externer Kunden und hat nun entsprechende Kapazitäten ausgelagert. Mit der Inas GmbH als neuem BfG-Ableger wollten die Frankfurter Banker zukünftig noch stärker in den Mehrwertdienste-Markt drängen und präsentieren sich aus dem Stand als größter privater Anbieter in Deutschland.

Als eine "Tochter der ersten Postreform und des EG-Grünbuches" bezeichnete Franz Arnold, international renommierter TK-Experte und als Beiratsmitglied Pate der Inas, das neue BfG-Unternehmen anläßlich der Gründungsveranstaltung darauf abzielend, daß der europaweite Trend zu einer Liberalisierung der TK-Dienste, insbesondere die Möglichkeit der Zusammenschaltung von unternehmensinternen Netzen mit Fest- und Wählverbindungen der Telekom, ein solches Engagement erst sinnvoll machte.

Der Markt für Mehrwertdienste könnte sich Arnold zufolge lebhaft weiterentwickeln, vor allem dann, wenn die Telekom die ins Auge gefaßte mehrstufige Reform ihrer Mietleitungstarife bis 1995 in die Tat umsetzt. Allerdings werden, wie der Berater der EG-Kommission und frühere Ministerialdirektor im Bundespostministerium einschränkte, auf Dauer nur wenige Anbieter in der Lage sein, mit einem kompletten Spektrum an Dienstleistungen aufzuwarten.

Gerade unter diesem Aspekt sehen die neuen Anbieter für sich einen strategischen Vorteil: Die Frankfurter wollen als privater Netzbetreiber den Datentransport über ihr eigenes Netz, netznahe Komniunikationsdienstleistungen sowie verschiedene Mehrwertdienste - unter anderem Telefax-Services, X.400 Electronic Mail und Electronic Cash/Online-Lastschriftverfahren - als Services bereitstellen. Bereits in Vorbereitung sind zudem X.500-Directory-Services und im Zusammen. hang mit dem elektronischen Dokumentenaustausch (OSI-Edifact) die Funktion eines Clearing-Houses.

Bestärkt durch die Tatsache, daß bereits unter dem BfG-Dach 70 Prozent der Aufträge von externen Kunden kamen, wollen die Inas-Verantwortlichen neben den Dienstleistungen eines reinen Netzbetreibers zunehmend auch das Design, die Implementierung und den Betrieb von kundenspezifischen LANs und WANs übernehmem. Die Palette reicht dabei vom professionellen Netzwerk-Management mit Netzzugangskontrolle, Datenverschlüsselung und Diagnostikfunktionen bis hin zur Aufbereitung statistischer Daten und der Rechnungsstellung für die Teilnehmer.

Rückgrat des Unternehmens ist die von der BfG Bank übernommene Ende 1987 implementierte Netz-Infrastruktur "Inas-NET" mit derzeit 220 Knotenrechnern und Datenübertragungsgeschwindigkeiten bis zu 2 Mbit/s.

Hardwarebasis sind Rechner des Aachener WAN-Produzenten Datus, die für eine lastabhängige Verteilung des Datenstromes sorgen. Innerhalb des Netzes arbeitet man nach Angaben der ehemaligen BfG-Spezialisten ausschließlich mit ISO-OSI-standardisierten Übertragungsprotokollen wie X.25, X.400, X.500 und Edifact.

Bei den Netzzugängen zeigen sich die nun selbständig gewordenen Service-Provider jedenfalls flexibel.

Für Verbindungen mit geringen Datenvolumen offerieren die Frankfurter den Zugang per Telefonwählnetz, Datex-L, Datex-P, X.400, ISDN und Btx. Darüber hinaus ist das Netz für die Anbindung offener Kommunikationssysteme auf Basis von TCP/IP und OSI-Protokollen sowie herstellerspezifischer Systeme mit Übertragungsprotokollen für die IBM-, DEC-, Bull- und SNI-Welten vorbereitet. Anwenderspezifische PC-Netze werden über integrierte Ethernet-Router gekoppelt.

Offiziell begonnen hat der Geschäftsbetrieb der Inas GmbH am 1.Januar 1992 mit 45 Software- und Organisationsspezialisten. Bereits zu diesem Zeitpunkt war das ursprüngliche BfG-Netz laut Geschäftsführer Wolfgang Lücker - vorher verantwortlicher DV-Leiter der BfG Bank - "das größte, privat betriebene Netz in der Bundesrepublik" - bezogen auf die Anzahl der vorhandenen Knoten und Rechner. Diese "flächendeckende Komponente" hob Lücker neben dem Full-Service-Konzept als zweiten strategischen Ansatzpunkt seines Unternehmens hervor - vor allem deshalb, weil es nun darum gehen wird, sich gegen starke Mitbewerber wie IBM und General-Electrics zu behaupten.

Hauptgesellschafter sind mit 40 Prozent die BfG Bank sowie mit 30 Prozent die Stinnes AG, Mülheim/Ruhr. Die restlichen 30 Prozent werden noch im Rahmen einer Beteiligungsgesellschaft für einen dritten Gesellschafter bereitgehalten, der wie Lücker betonte, "Inas den Zugang zum internationalen Geschäft erschließen soll". Daß dies letztlich die Anbindung an einen internationalen Carrier bedeutet ist klar - entsprechende Verhandlungen sind laut Lücker bereits im Gange und sollen noch im zweiten Quartal 1992 abgeschlossen werden. Wer dann als dritter Gesellschafter agieren wird, sei aber noch nicht entschieden - auch wenn mit dem Infonet-Konsortium, vertreten durch die Telekom, bereits Pilotversuche auf technischer Ebene unternommen wurden.

Unabhängig davon ist geplant, das eigene Netz weiter auszubauen um mit insgesamt 480 Netzknoten flächendeckend auch Ortsnetze bis zu einer Größe von 30000 Einwohnern anzubinden. Bis zum Jahresende soll sich die Anzahl der Mitarbeiter in der Frankfurter Zentrale sowie in den Vertriebsund Servicestellen in Düsseldorf, Dresden, Hamburg, Hannover, Mannheim, München und Stuttgart nahezu verdoppeln.

Als Starthilfe erhielten die Newcomer von den beiden Hauptgesellschaftern ein Stammkapital in Höhe von 20 Millionen Mark. Fünf Millionen Mark mehr an Umsatz will Inas-Chef Lücker im ersten Geschäftsjahr seines Unternehmens erwirtschaften.

In fünf Jahren möchten die Frankfurter dann bereits die 200-Millionen-Mark-Grenze überschreiten.