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16.08.2006

BI-Software ist vielen zu komplex

Carsten Bange und Patrick Keller 
Anbieter versuchen mit neuen Funktionen, Business Intelligence an jeden Arbeitsplatz zu bringen.
Laut Analysen von Gartner ist einer der Trends dieses Jahres, dass die Unterschiede zwischen umfangreichen BI-Plattformen und solchen für die Entwicklung von BI-Lösungen immer mehr verschwinden.
Laut Analysen von Gartner ist einer der Trends dieses Jahres, dass die Unterschiede zwischen umfangreichen BI-Plattformen und solchen für die Entwicklung von BI-Lösungen immer mehr verschwinden.

Werkzeuge für Business Intelligence (BI) müssen sich einfach bedienen lassen und dürfen den Benutzer nicht von seiner eigentlichen Arbeit abhalten. Erfüllt die Software diese grundlegenden Anforderungen nicht, werden Anwender weiter andere Werkzeuge wie Excel- und Access-Eigenentwicklungen bevorzugen oder gar auf eine Werkzeugunterstützung ganz verzichten. Dies ist weder gut für die Arbeitseffizienz noch für Qualität der Ergebnisse. Es ist deshalb ein Muss, dass BI-Tools Daten ansprechend darstellen, leicht zu bedienen sind und auch komplexere Aufgaben und Abfragen schnell und flexibel erledigen helfen. Zugleich müssen aber die Lizenz- und Betriebskosten überschaubar bleiben, auch wenn Unternehmen immer mehr Endbenutzer an die BI-Systeme anschließen. Die Hersteller versuchen auf diese Anforderungen zu reagieren. Dabei sind mehrere Stoßrichtungen zu erkennen.

Open-Source-Projekte für BI

Datenintegration:

Clover ETL, Enhydra Octopus, Kettle;

Relationale Datenbanken:

Firebird, MySQL, PostgreSQL;

Multidimensionale Datenbanken: Mondrian, Palo;

Anwenderwerkzeuge:

Birt, Datavision, Marvelite Dash Portal, Open I;

BI-Suiten:

BEE Project, Bizgres, Jasperintelligence, Pentaho.

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Web-basierende Tools statt Fat-Clients

Der Einsatz von Internet-Technik beispielsweise hilft Entwicklern und Softwarebetreibern gleichermaßen: Moderne BI-Plattformen und die Web-basierende Verteilung mit dem Internet-Browser als Client senken die Kosten für die Erstellung, Anpassung, Wartung und Verteilung der Software. In den letzten sechs bis sieben Jahren haben Hersteller ihre bisherigen Desktop-Windows-Clients auf Web-basierend Thin Clients umgestellt. Sie können jetzt sehr gute Lösungen vorzeigen, mit denen sich Berichte einfacher als bisher verteilen und abrufen lassen. Derzeit arbeiten sie daran, auch die Berichtserstellung und -verwaltung über den Browser zu ermöglichen. Software muss so nicht mehr auf Anwenderrechner verteilt werden, und die zentrale Kontrolle über Benutzerrechte und Datenbereitstellung wäre einfacher.

Die Web-Basierung macht es möglich, von jedem Browser-fähigen Gerät auf die Daten zuzugreifen. Die geforderte Anwenderfreundlichkeit und Funktionalität konnte aber durch den Austausch des Desktops gegen den Browser in der Regel nicht erreicht werden. Vielmehr hinken die Web-Werkzeuge den Desktop-Clients diesbezüglich hinterher. Dies könnte sich bald ändern: Vor allem die Techniken Adobe Flex/Flash und Ajax (Asynchronous Javascript and XML) ermöglichen mittlerweile den Aufbau von "Rich Internet Applications" (RIAs). Mit Ajax können Anwendungen dynamisch neue Daten im Hintergrund laden, während der Endanwender ohne Wartezeiten weiterzuarbeiten vermag. Die Einbindung von anspruchsvollen Grafiken und multimedialen Inhalten erhöht den Komfort und die Akzeptanz der Web-Anwendungen zusätzlich. Beispiele für den Einsatz von Adobe Flex/ Flash sind die Produkte "SAP Visual Composer" und "Business Objects Crystal Xcelsius". Ajax ist unter anderem mit dem Tool "Webfocus Powerpainter" von Information Builders nutzbar.

Office-Integration ist eine Standardanforderung

So gut wie alle großen BI-Anbieter haben in den letzten Releases ihrer Software neue oder deutlich verbesserte Add-ins für die Microsoft- Office-Produkte Excel und Powerpoint, aber auch für Word veröffentlicht. Während die Analysewerkzeuge multidimensionaler Datenbanken schon seit Jahren auf die Integration von Tabellenkalkulationen setzen, werden Berichtswerkzeuge erst jetzt nach und nach mit entsprechenden bidirektionalen Schnittstellen ausgestattet. Über diese Schnittstellen, die technisch häufig über Microsoft-Office-Smart-Tags realisiert sind, werden Berichtsobjekte angezeigt und können bei Bedarf in den Office-Produkten aktualisiert oder teilweise sogar verändert werden. So kann jeder Anwender in seiner gewohnten Office-Umgebung die für ihn relevanten Informationen abfragen. Berichte können über eine Online-Verbindung nicht nur aktualisiert werden, sondern auch zentrale Berechtigungskonzepte, die Dateneingabe und eine einheitliche Datenhaltung sind machbar.

Kombination von BI und Suchtechnik ist auf dem Vormarsch

BI-Werkzeuge bieten immer mehr Suchmöglichkeiten an, um Filterelemente oder ganze Berichte schnell zu finden. Die neueste Entwicklung ist die Verknüpfung dieser Optionen mit prominenten Suchmaschinen, allen voran Google. Auf diese Weise findet Google am Mitarbeiterarbeitsplatz auch Berichte und Analysen mit den entsprechenden Schlagworten und kann teilweise Grafiken und Tabellen bereits in der Ergebnisliste mit anzeigen. Auch wenn es einigen Tools derzeit beispielsweise noch an einer breiten Sprachunterstützung mangelt, werden sie mit Sicherheit die Nutzung von BI im Unternehmen vereinfachen und verbreitern helfen. Beispiele für die Kombination aus Suchtechnik und BI sind Angebote von Business Objects, Cognos, SAS Institute oder Information Builders.

Integration von Analyse und Reporting in operative Systeme

Um Business Intelligence gezielter und kontextbezogener als bisher im Unternehmen einzusetzen, wird heute eine Verbindung zwischen Berichts- und Analysefunktionen und operativen Systemen gefordert. Geschäftsprozesse ließen sich so vom Arbeitsplatz aus auslösen und überwachen, statt hierfür zwischen verschiedenen Werkzeugen wechseln zu müssen und Daten hin und her zu schieben. Vor allem die SAP treibt momentan mit den "SAP Composite Analytical Applications" die Entwicklung solcher gekoppelter Anwendungen voran.

Ein weiterer Trend ist die Entwicklung einfacherer BI-Anwendungen, die größere Benutzerkreise ansprechen sollen. Benutzerfreundlich und intuitiv stellen sie dem Mitarbeiter in einem "Dashboard" oder "Cockpit" die wichtigsten Kennzahlen zusammen. Ihr Aufbau erfolgt mit speziellen Dashboard-Tools, die heute zusammen mit web-basierenden Berichtswerkzeugen in allen Produktsuiten der größeren BI-Hersteller enthalten sind. In der Praxis bauen Anwender mit ihnen Lösungen, die neben einer ansprechenden Oberfläche auch Basisfunktionen zur Visualisierung von Daten und Trendfolgen besitzen. Manchmal finden sich zudem vordefinierte Detaillierungspfade, um die Ergebnisse näher zu betrachten. Dies reicht für die Bedürfnisse der meisten gelegentlichen Nutzer solcher Anwendungen völlig aus.

Viele Softwareanbieter versuchen derzeit, mit ihren Produkten möglichst viele Anforderungen hinsichtlich Reporting, Analyse und Planung abdecken zu können. Dies soll ihnen helfen, dass Unternehmen sie im Rahmen einer Konsolidierung ihrer Softwarelandschaft zu künftigen Hauptlieferanten für alle BI-Belange machen. Im Gegenzug versprechen sie den Kunden eine einfachere Lizenzierung und Nutzung von BI-Software, da sie sich nicht mehr um unterschiedliche Produkte und Bedienungskonzepte kümmern müssen. Wie weit die behauptete Integration der Produktpaletten bei den Herstellern tatsächlich gediehen ist, sollte immer überprüft werden.

Druck auf die etablierten BI-Hersteller wächst

Neben einer langsamen Marktbereinigung in einigen Teilsegmenten wie dem für multidimensionale Datenbanken führt die Entwicklung von Produktplattformen auch zu einem spürbaren Preisdruck, da die Werkzeugpaletten der führenden Anbieter immer weniger Lücken aufweisen und zunehmend vergleichbar werden. Zudem werben auch die großen Softwareanbieter Microsoft, Oracle, SAP und im Daten-Management auch IBM mit Software für Business Intelligence und bieten ihre Lösungen zu teilweise attraktiven Preisen an. Zwar sind auch in diesen Paketen noch nicht immer alle Komponenten aufeinander abgestimmt, aber ein Großteil der marktüblichen Anforderungen an Reporting und Analyse wird häufig abgedeckt. Diesem Druck begegnen die etablierten BI-Anbieter mit einer verbesserten Integration ihrer Produkte und dem Ausbau ihres Funktionsvorsprunges - vor allem in den Bereichen Unternehmensplanung, Dashboards und Analyse.

Open Source vor allem im Reporting im Anmarsch

Vor allem aus Kostengründen wächst derzeit das Interesse an Open-Source-Projekten für BI. Open-Source-Projekte sind dabei inzwischen auf allen Ebenen von Data-Warehouse- und BI-Projekten anzutreffen (siehe Tabelle "Open-Source-Projekte für Business Intelligence"). Ein Beispiel sind die von der Eclipse Foundation entwickelten "Business Intelligence and Reporting Tools" (Birt), die inzwischen am häufigsten heruntergeladene Reporting-Software im Web. Die quelloffene BI-Suite von Pentaho zählt nach Downloads und Entwickleraktivitäten zu den hundert populärsten Open-Source-Projekten. Sie verzeichnet nach eigenen Angaben seit der Veröffentlichung im Dezember 2005 mehr als 30 000 Downloads pro Monat. Pentaho und andere Open-Source-Suiten stellen ein breites und zum Teil über eine Plattform integriertes Portfolio. Weniger bekannte Projekte für BI-Teilbereiche wie "Kettle" für die Extraktion, Transformation und das Laden von Daten (ETL) oder die Berichtssoftware "Jasper Reports" erfreuen sich ebenfalls einer immer stärkeren Aufmerksamkeit.

Die meisten Open-Source-Werkzeuge bieten bisher noch weniger Funktionen als vergleichbare kommerzielle Lösungen. Eine Untersuchung im Barc-Labor ergab, dass vor allem die Benutzerverwaltung, das Metadaten-Management und die Web-Fähigkeit solcher Produkte noch Schwächen aufweisen. Einschränkungen ergeben sich bei den meisten untersuchten Werkzeugen auch bei der Berichtserstellung und -verteilung, sobald mehr als Basisfunktionen verlangt werden und die Benutzerzahlen steigen. Es bleibt abzuwarten, ob sich Open Source gegenüber den etablierten Anbietern durchsetzen wird. Aber schon heute können Anwender mit quelloffenen BI-Tools einfache Projekte umsetzen. Zudem steigt der Preisdruck auf die kommerziellen Anbieter. (as)