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11.03.1994

Big Blue auf der CeBIT '94: Das Imperium schlaegt zurueck Die wichtigsten Messe-Ereignisse auf einen Blick

Die wirtschaftlich und technologisch angeschlagene IBM meldet sich in Hannover wieder zurueck. Sowohl mit dem Microkernel- Betriebssystem Workplace OS als auch mit dem Power-PC versucht Big Blue, den PC-Riesen Microsoft und Intel die Show zu stehlen. Damit der Messebesucher diese und weitere Highlights auch findet, hat die COMPUTERWOCHE bereits im Vorfeld der diesjaehrigen Messe nach Neuigkeiten aus den Bereichen Hardware, Betriebssysteme, PC- Anwendungen, Communications und Anwendungs-Entwicklung Ausschau gehalten.

Zweikampf zwischen Power-Chip und Pentium

IBM, Motorola und Apple wollen Intels Dominanz auf dem PC-Markt beenden. Der Power-PC-Prozessor, ihre gemeinsame Entwicklung, soll so viel leisten und so wenig kosten, dass die x86-Dynastie beim PC- Volk in Ungnade faellt. IBM zeigt "Powerserver 5000" mit Power-PC- CPU auf den Staenden 4g2 in Halle 1 und CO2 in Halle 2. Auf halbem Weg dazwischen stehen die Leute von Apple und ruehren die Werbetrommel fuer Power-PC-Macs (Halle 2, Stand B39).

Die Konkurrenten des Power-PCs formieren sich mit ihren Pentium- Chips in Halle 1. So bietet Olivettis Server "LSX5000" fuer vier dieser CPUs Platz, womit nach Unternehmensangaben bis zu 1000 Benutzer bedient werden koennen.

Ein weiteres Novum sind die beiden IBM-Parallelsysteme "S/390 Parallel Query Server" und "S/390 Parallel Transaction Server". Big Blue baut Parallelrechner - allerdings nur als Vorrechner fuer die betagten 390- oder 3090-Systeme.

IBM haelt eine weitere CeBIT-Ueberraschung parat, ueber die es bisher nur zwei Vermutungen gibt:

- Das Multiprozessor-System "Pegasus", das Big Blue gemeinsam mit Bull auf der Basis der Power-PC-Prozessoren bauen will, oder

- einen Raid-Massenspeicher fuer die Grossrechnerwelt. Marktbeobachter erwarten das System allerdings erst Ende des Jahres.

Fernseh- und Videofreaks empfiehlt sich ein Besuch in der Multimedia-Halle 8 Erdgeschoss. Mit den PC-Erweiterungen der Firma Miro (Stand C36), Fast (Stand C26), Orchid (Stand D19) oder Genoa (Stand C43) kann man dem Programm von ZDF, ARD und der privaten Konkurrenz am PC folgen - aber auch Videofilme schneiden, mischen oder Tricksequenzen einbauen.

Betriebssysteme: Viel heisse Luft und wenig Produkte

Microsoft (Halle 2, Stand D02) konnte sich nicht durchringen, den im wesentlichen fertigen Windows-Nachfolger Windows 4 ("Chicago") zu zeigen - ganz zu schweigen von Cairo. Insider vermuten, dass sich Bill Gates mit Chicago nicht schon jetzt das Geschaeft mit NT und Windows for Workgroups verderben will. Stattdessen zeigt das Unternehmen ein NT-Upgrade, bei dem sich die Marketiers noch nicht einig sind, ob es aufgrund seiner Zusatz-Features als die angekuendigte Cairo-Vorstufe "Daytona" zu bezeichnen ist.

Ungewohnt mutig gibt sich dagegen die Mannschaft von IBMs Personal Software Products PSP(Halle 2, Stand C50). Zwar ist die OSF/1- Unix-Personality fuer Workplace OS noch nicht vorfuehrbar, dafuer versuchen die Techniker in Hannover den Alpha-Code der OS/2- Personality zum Laufen zu bringen. Als Plattform ist der ebenfalls noch nicht freigegebene Power-PC vorgesehen. Sollte das Experiment missgluecken, muss sich der Messebesucher mit Vorfuehrungen von "OS/2 fuer Windows" oder mit dem neuen "PC-DOS 6.3" begnuegen. Fuer die Mainframer soll es mit "MVS/ESA 4.3 Open Edition" eine Betriebssystem-Version geben, die fuer Posix-Anwendungen optimiert wurde.

Der PC-Unix-Marktfuehrer SCO Santa Cruz Operation (Halle 4, Stand B36) gehoert zu den wenigen Anbietern, die ein echtes Microkernel- Betriebssytem vorfuehren. Das von Chorus Systemes stammende "Fusion" ist darueber hinaus echtzeitfaehig. Die Konzerntochter Ixi beweist zudem mit "Wintif", dass die Unix-Benutzeroberflaeche OSF- Motif das Look and feel von MS-Windows haben kann.

Sein "Netware"-Betriebssystem zeigt Novell (Halle 14, Stand D15) in Hannover nicht. Dort fehle das noetige Fachpublikum. Dafuer koedert das Unternehmen die PC-Anwender mit dem Multitasking- faehigen "DOS 7". Erste Stimmen aeussern sich begeistert darueber. Gleichzeitig versucht Novell, auf der CeBIT den bisher schleppenden "Unixware"-Absatzes anzukurbeln.

Tingelte Sunsoft im vergangenen Jahr vor allem mit seinem Windows- Ersatz "Wabi" von Messe zu Messe, so praesentiert Suns Betriebssystem-Tochter auf der CeBIT (Halle 4, Stand B19) eine erste Implementation des Motif-basierenden "Common Desktop Environments" (CDE) auf Solaris Sparc. Gespraechsthema duerfte jedoch eher die objektorientierte CDE-Konkurrenzumgebung "Open Step" von Next sein, die es bald auch fuer Solaris geben soll.

DEC (Halle1, Stand 4h2) zeigt auf seinen Alpha-Rechnern eine noch nicht angekuendigte Multiprozessor-Version des OSF/1-Unix.

Workgroup-Konzept fuer Desktop-Anwendungen

Die Schlagwoerter im Bereich der Desktop-Bueroanwendungen lauten Compound Documents, Workgroup-Funktionen und Objekttechnik. Was Microsoft (Halle 2, D02) darunter versteht, kann der Anwender bei der Praesentation von OLE 2.0 erfahren. Davon profitieren zunaechst Microsoft-Produkte wie die brandneue Tabellenkalkulation "Excel 5.0", deren Tabellen sich zum Beispiel in Winword 6.0 einbinden lassen.

Andere Hersteller wie Lotus (Halle 2, B40) haben die Unterstuetzung dieser Objekttechnik bereits zugesagt. Das gilt auch fuer die etwa zur Jahresmitte geplante Version 3.0 der Datenbank "Lotus- Approach", die als Beta-Release auf der CeBIT zu sehen ist. Approach ermoeglicht ausserdem ueber ODBC-Treiber einen direkten Zugriff auf Notes-Datenbanken.

Die gemeinsame Nutzung und den Austausch von Daten zwischen verschiedenen Anwendern demonstriert Borland (Halle 2, B40) mit den Workgroup-Editions seiner Produktpalette. Ein Neuling darunter ist die Tabellenkalkulation "Quattro Pro 5.0". Das Spreadsheet ist Bestandteil der fuer spaetestens Mai vorgesehenen integrierten Bueroloesung "Borland Office 2.0", ebenso wie die Workgroup-Edition von "Wordperfect 6.0". Wordperfect (Halle 14, F13) selbst hat im Bereich Buerokommunikation derzeit nichts Neues zu bieten. Messeschwerpunkt des Textverarbeitungsspezialisten wird die neue Main-Street-Linie fuer den Home-User-Markt sein.

Wer sich fuer Praesentationspakete interessiert, sollte die Messe- Debuetanten Charisma 4.0 von Micrografx (Halle 2, F25) sowie Microsofts Powerpoint 4.0 unter die Lupe nehmen.

DTP-Begeisterte sollten sich zur Halle 21 auf den Stand C02 begeben. Dort zeigt Apple Power-PC-Software fuer die technische Dokumentation.

ISDN als Highway fuer multimediale Konferenzen

Bei aller Multimedia-Euphorie kommt derzeit eine Anwendung etwas zu kurz, die vieles von dem schon jetzt realisiert, was sich die Verfechter zukuenftiger Information-Highways versprechen. Die Rede ist vom Videokonferencing beziehungsweise PC-Conferencing. Zwei technische Rahmenbedingungen haben dieser Multimedia-Anwendung Beine gemacht: Die serienreife Entwicklung kostenguenstiger Loesungen auf PC-Basis sowie die mittlerweile akzeptable Qualitaet beim Transport von Bild, Ton und Daten ueber ISDN.

Wer also statt in Reisekosten lieber in das kuenftig tonangebende elektronische "Get together" investieren will, sollte sich in Sachen CeBIT '94 vor allem zwei Namen dick anstreichen: die Deutsche Bundespost Telekom sowie den Chipgiganten Intel (Halle 1, Stand 4d2 beziehungsweise Halle 7, Stand A04). Beide Branchengroessen haben dieser Tage eine intensive Zusammenarbeit im Bereich PC-basierter Conferencing-Systeme sowohl fuer Daten als auch Video angekuendigt (ausfuehrlicher Bericht in der naechsten Ausgabe).

Bereits Ende Januar sorgte Intel fuer Aufsehen, als sie unter der Bezeichnung "Intel Proshare Personal Conferencing" ein System fuer die Kommunikation von PC-Bildschirm zu PC-Bildschirm vorstellte.

Videoconferencing fuer den Low-Cost-Bereich ist auch das Motto beim bisherigen Marktfuehrer Picturetel (Halle 17, Stand C26), der mit den neuen Videosystemen "30", "50" und "100" auf den Markt kommt, die unter Windows arbeiten, H.320-kompatibel sind und zur Konferenzschaltung zwei ISDN-Kanaele benoetigen.

Ansonsten geht es auf der CeBIT rund in Sachen Netzwerke. Akzente setzten dabei vor allem die derzeit beherrschenden High-speed- Networking-Themen wie ATM, FDDI und Fast Ethernet. Dem soll unter anderem auch das "News Net94" Rechnung tragen (Halle 12 und 14), das als eines der "groessten Messenetze der Welt" seine Schatten voraus wirft und - basierend auf einem FDDI-Backbone - mit einer Reihe angeschlossener Token-Ring- beziehungsweise Ethernet-LANs Muli-Vendor-Funktionalitaet zum Anfassen bieten soll. Was indes der Begriff Information-Highway irgendwann einmal konkret bedeuten kann, laesst sich in Halle 14 studieren, wo in einem Gemeinschaftsforum namens "ATM-World" 25 Hersteller ihre Vision von Hochgeschwindigkeitsnetzen der Zukunft vorstellen.

Objektorientierte Entwicklung am PC

Wer den Stand der Kunst in der Anwendungsentwicklung sucht, sollte seinen CeBIT-Rundgang in der Halle 2 am Microsoft-Partner-Stand D02 beginnen. Dort will die Stuttgarter Object International GmbH, vormals Star GmbH, ihre phasenintegrierte Entwicklungsumgebung Together C++ vorstellen.

Im Erdgeschoss der Halle 4 befindet sich der Stand der Easel Deutschland GmbH, Pinneberg. Die Nordlichter geben in Hannover erstmals die objektorientierten Analyse- und Design-Tools des Werkzeugkastens Synchrony zur Besichtigung frei. Das Produkt, das die Smalltalk-basier- te GUI-Entwicklungsumgebung Enfin komplettieren soll, wird am Stand mit der Nummer G33 unter OS/2 laufen.

In der Halle 3 lohnt sicher ein Besuch bei der Berliner Micro Tool GmbH. Sie wird am Stand E29 neben einer neuen Ausfuehrung von "Case/4/0" auch die Version 2.0 der objektorientierten Entwicklungsumgebung Objectif praesentieren. Das unter Windows lauffaehige Produkt wurde, so der Anbieter, um einen Methoden- Editor fuer die C++-Programmierung erweitert, der dem Entwickler nicht nur Vorschlaege fuer die Codierung unterbreite, sondern diese auch noch - mit Hilfe von Fuzzy-Logic-Regeln - kontextabhaengig qualifizieren koenne.